Zweite Liga

Bundesliga, wir kommen

Schlüsselsieg für den 1. FC Union im Aufstiegsrennen. Durch das 2:0 gegen HSV rücken die „Eisernen“ auf Rang drei vor.

Jubel bei Union. Die Berliner nach dem Sieg gegen den HSV

Jubel bei Union. Die Berliner nach dem Sieg gegen den HSV

Foto: Andreas Gora / dpa

Berlin. Die letzten Minuten waren ein Lied. „Die erste Liga ist zum Greifen nah“, klang es von den Rängen. Immer wieder sangen die Fans des 1. FC Union diese Zeile. Weil der Traum neue Nahrung bekommen hat, weil die 90 Minuten am Sonntag im Stadion an der Alten Försterei die Euphorie noch einmal so richtig angefacht haben.

Weil die Köpenicker eine Serie ohne Sieg beendeten in einer Phase, in der die Saison in der zweiten Fußball-Bundesliga in ihre Entscheidung geht, gegen einen Kontrahenten, der weit höher anzusiedeln ist – und mit einer Leidenschaft in ihrem Auftritt, der nichts anderes als den Glauben an den Aufstieg zulässt.

HSV rutscht nach Niederlage gegen Union auf Platz vier ab

„Das war ein Wahnsinnsspiel, was die Mentalität angeht“, sagte Grischa Prömel. Der Mittelfeldspieler der Berliner wirkte nach der Partie eher sachlich, seine Worte aber drückten großen Stolz aus. Gegen den Hamburger SV setzte sich Union mit 2:0 (0:0) durch, den Bundesliga-Absteiger, der unbedingt zurück nach oben will und vor der Partie als Zweiter auf dem Weg dorthin war. Nun konnten die Köpenicker im direkten Duell nach Punkten gleichziehen, aufgrund der besseren Tordifferenz aber liegen sie auf Relegationsrang drei. Hamburg ist jetzt sogar Vierter, da der SC Paderborn mit 3:1 (0:0) gegen Heidenheim gewann und einen Punkt vor Union rangiert.

Union zeigt unter Druck, wozu es fähig ist

Im Rennen um den Aufstieg zeichnet sich also ein Dreikampf um die Plätze zwei und drei ab. „Es sind noch drei Spiele, es ist alles möglich“, sagte Unions Torhüter Rafal Gikiewicz, der sich freute, dass sein Team nach Wochen, in denen Zweifel aufkamen an der Nervenstärke von Union im Endspurt, nun den Gegenbeweis antreten konnte.

„Wir haben Cojones gezeigt“, so der Pole. Nach fünf Spielen ohne Sieg gelang Union wieder ein Erfolg, und dies unter dem Druck, bei einer Niederlage den direkten Aufstieg wohl abhaken zu können.

Spitzenspiel lange ohne echte Klasse

Intensiv ging es die ganze Zeit zu vor den 22.012 Zuschauern in der ausverkauften Alten Försterei, aber lange ohne echte Klasse. Viele der Aktionen spielten sich in der ersten Halbzeit im Mittelfeld ab, weil es beiden Mannschaften an Ideen mangelte, den Aktionen auch Nachhaltigkeit zu verleihen. Lediglich Sebastian Anderssons Schuss keine Minute nach dem Beginn brachte eine gewisse Gefahr, doch der Schwede verzog.

Auf der anderen Seite kamen die Hanseaten aus ihrem geringeren Ballbesitz heraus zu klareren Gelegenheiten, allerdings waren es auch nur zwei. Eine davon vergab Kapitän Aaron Hunt (18.), der allein vor Torwart Gikiewicz stand. Die andere Chance von Bakery Yatta parierte der Pole mit dem Kopf (31.).

Pyrotechnik im Hamburger Fanblock

Was nach der Tabellensituation ein echtes Spitzenspiel war, kam sportlich also auf recht flachem Niveau daher. Lediglich die dicken Nebelschwaden infolge der Pyro-Show aus dem HSV-Gästeblock kurz vor dem Anpfiff brachten etwas Farbe in den frühen Nachmittag. Wohl ein spezieller Gruß des Hamburger Anhangs zur Premiere in der Alten Försterei, in der der HSV nie zuvor gespielt hatte.

Die zweite Hälfte aber lieferte ein anderes Bild, sie zeigte ein Team, dass seine große Chance nicht einfach so verstreichen lassen will. Und eines, das trotz großer Ambitionen nicht herausfindet aus seiner Schwächephase, denn auch der HSV hatte seit fünf Ligaspielen nicht gewonnen. „Manchmal ist es eben so, dass es Spiele gibt, wo Mentalität die Qualität schlägt, sagte Prömel. Aggressiv kehrte Union auf den Platz zurück, Suleiman Abdullahi nahm dem tölpelhaften Gideon Jung den Ball ab, passte auf Robert Zulj, der das 1:0 erzielte (46.). Das traf die Hamburger so tief, dass sie nicht mehr ins Spiel fanden.

Trainer Fischer nimmt taktische Umstellung vor

Allerdings tat Union auch viel dafür. Die Berliner, deren Trainer Urs Fischer einen seltenen Systemwechsel vorgenommen hatte und auf ein 4-4-2 mit Raute im Mittelfeld umstellte, zogen sich nicht zurück, sondern arbeiteten leidenschaftlich gegen den Ball, suchten immer wieder den Weg nach vorn. „Wir standen den Gegenspielern immer auf den Füßen. Das ist natürlich eklig, wenn sie keine Luft zum Atmen haben“, so Prömel, der nach einem Ballgewinn im Mittelfeld aus etwa 20 Metern abzog und herrlich ins lange Eck zum 2:0 traf (84.).

Der Wille, mit dem die Mannschaft um Sieg und Aufstiegschance kämpfte, rang auch Fischer Respekt ab. „Wir haben die richtige Antwort gegeben. Vor allem die Art und Weise war wichtig“, so der Trainer, dessen Kollege Hannes Wolf desillusioniert war. „Ich bin total enttäuscht über die Rückrunde, die wir spielen. Das ist viel zu wenig“, so der Hamburger, dessen Spieler die Berliner in der Schlussphase hart attackierten. Prömel bekam infolgedessen einen Verband um den linken Knöchel, nahm es aber gelassen: „Wunden heilen, der Stolz bleibt.“