Zweite Liga

Union nutzt das Glück des Tüchtigen

Union bleibt mit einem 2:0 gegen den FC Ingolstadt auch im 20. Heimspiel ungeschlagen. Doch der Sieg kam durchaus glücklich zustande.

Unions Profis feiern den Sieg gegen Ingolstadt, Maskottchen Ritter Keule feiert mit

Unions Profis feiern den Sieg gegen Ingolstadt, Maskottchen Ritter Keule feiert mit

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin. Felix Kroos brachte es auf den Punkt. „Im Endeffekt müssen wir uns für einen Sieg nie entschuldigen“, sagte der Mittelfeldspieler des 1. FC Union. Wohl wissend, dass das 2:0 (1:0) gegen den FC Ingolstadt die Köpenicker zumindest bis Sonntag, bis zum Hamburger Derby des FC St. Pauli gegen den HSV, wieder auf Rang zwei geführt hat. Und dass der zwölfte Saisonsieg, noch dazu gegen Ex-Trainer Jens Keller, äußerst glücklich zustande gekommen ist.

Die Union-Fans unter den 21.419 Zuschauern in der Alten Försterei begrüßten Keller standesgemäß mit einem lauten „Fußball-Gott“. Von Sommer 2016 bis zu seiner Freistellung Anfang Dezember 2017 hatte Keller die Berliner trainiert, und offensichtlich haben viele nicht vergessen, dass Keller Union erst wieder zurück in die Spitze der Zweiten Liga geführt hat.

Nach der Partie sprach Keller von einer bitteren Niederlage: „Es war nicht wirklich ein glücklicher Abend für uns.“

Union gleich unter Druck

Auch einige Berliner Profis wussten, was am Freitagabend auf sie zukommen würde. Folglich stand Union gleich von Beginn an unter Druck. Richtig gelesen: Union, nicht der FC Ingolstadt. Die Bayern agierten keineswegs wie eine Mannschaft, die um den Klassenerhalt kämpft. Schnell, die Hausherren früh störend, geschickt am Ball und durchdacht im Passspiel war der FCI in der ersten Halbzeit die klar bessere Mannschaft.

„Mit dem Ergebnis können wir zufrieden sein“, sagte Unions Trainer Urs Fischer. Mit dem Auftritt seiner Mannschaft war er es nicht: „Ingolstadt war uns in der ersten Halbzeit überlegen, es schien, als sei meine Mannschaft zu gehemmt, weil der Druck zu groß war.“

Druck? Bekommt Union etwa Angst vor der eigenen Courage angesichts eines immer näher rückenden Aufstiegs? „Wenn du ein Wörtchen mitreden willst in der Tabelle, wird es immer schwieriger. Wir haben gesagt, wir wollen bis zum Schluss oben ein Wörtchen mitreden. Mit dem Druck müssen wir uns auseinandersetzen. In Kiel war es ein cooler Auftritt, heute war es nervös. Da fragt man sich schon, ist der Druck in Heimspielen vielleicht zu groß“, erklärte Fischer.

Kroos holt einen Elfmeter heraus

Gegen Ingolstadt lief Union lange nur hinterher, oft sogar vergeblich. Wenig war zu sehen von jenem reifen Auftritt eine Woche zuvor bei Holstein Kiel (2:0). Dabei hatte Trainer Fischer gegen ein Gäste-Team, „das gut drauf ist“, auf die gleiche Startelf gesetzt wie in Kiel – erst das zweite Mal überhaupt in dieser Saison. Doch diese präsentierte sich weit entfernt von einem Aufstiegskandidaten.

Der einzige und entscheidende Unterschied: Die Ingolstädter machten aus ihren herausgespielten Möglichkeiten zu wenig, derweil Union ein Geschenk zu nutzen wusste. Es lief die 42. Minute, als Otavio im Strafraum gegen Felix Kroos klärte, der Mittelfeldspieler anschließend einfädelte, fiel und von Schiedsrichter Robert Kampka den erhofften Pfiff erhielt – zum Entsetzen nicht nur Otavios. Mit weit aufgerissenen Augen, den Ball vor sich haltend, versuchte Ingolstadts Verteidiger den Unparteiischen zu überzeugen, dass er nicht Foul gespielt habe – vergeblich.

Kroos selbst beschrieb die Situation so: „Er blockt den Ball, legt sein Bein in meinen Laufweg – nicht so unclever gemacht.“ Sebastian Andersson ließ sich die Chance nicht entgehen und erzielte seinen zehnten Saisontreffer.

Ingolstadt vergibt beste Chancen

Ingolstadts Riesenchancen durch Thomas Pledl, die Torwart Rafal Gikiewicz (8.) und Linksverteidiger Christopher Lenz (9.) vereitelten, die Schüsse von Almog Cohen (17.) und Dario Lezcano (41., aus fünf Metern drüber) – sie alle waren nur weitere Kapitel aus dem Klassiker „Was wäre, wenn…“.

Für Ingolstadt bewahrheitete sich, was Union-Trainer Fischer noch vor der Partie festgestellt hatte: „Mannschaften in der Situation, in der sich Ingolstadt befindet, haben oft nicht das nötige Wettkampfglück, weil ihnen zum Beispiel im Abschluss die letzte Überzeugung fehlt.“ Unions Kapitän Christopher Trimmel gestand: „In der ersten Halbzeit liegen wir unverdient 1:0 vorn. es haben einige Dinge nicht gepasst, wir sind den Gegner schlecht angelaufen.“

Union profitiert von zwei Platzverweisen

Union war, das wurde auch nach dem Seitenwechsel deutlich, am Freitag auf die Hilfe anderer angewiesen. Nachdem Grischa Prömel an Torwart Philipp Tschauner gescheitert war (58.), scheiterte Ingolstadts Cohen an sich selbst. 64 Minuten waren vorbei, als der FCI-Kapitän im Union-Strafraum zu Boden ging. Erzürnt vom eher ins Schwalbenreich zu verortenden Fall, wollte Akaki Gogia Cohen zur Rede stellen und packte ihn am Trikot, worauf sich Cohen mit einem Griff an den Hals von Gogia revanchierte. Gogia sah Gelb, Cohen Rot.

Elf Minuten später musste auch Robin Krauße mit Gelb-Rot vom Platz, der Ingolstädter hatte Kroos mit zu hohem Beim am Kopf getroffen (75.). Als Gogia schließlich nach einem Pfostenschuss des eingewechselten Suleiman Abdullahi zum 2:0 abstaubte (79.), war die Partie endgültig entschieden. Union bleibt auch im 20. Heimspiel in Folge ungeschlagen.

Mehr über Union lesen Sie hier.