Bei all dem emotionalen Überschwang, den das unglückliche Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund (2:3 n.V.) in ihm verursacht hatte, wusste Sebastian Polter (27) zunächst nicht, was er sagen sollte. Also grüßte er einen alten Freund. „Ich hab’s mir damals im Fernsehen angeschaut, als Skrzybski ein geiles Tor geschossen hat. Das wollte ich wiederholen, von daher erst mal schöne Grüße an Stevie“, sagte der Stürmer.
Anders als Steven Skrzybski, der Union vor zwei Jahren mit seinem Tor bei Borussia Dortmund in die Verlängerung gerettet hatte und jetzt für Schalke spielt, waren Polter am Mittwoch sogar zwei Treffer gelungen. Aber auch die sollten am Ende nicht reichen, die Ereignisse wiederholten sich auf ähnlich bittere Weise. 2016 schieden die Berliner im Elfmeterschießen aus, nun besiegelte ein Strafstoß in der letzten Minute der Verlängerung das Ende der Saison im Pokal. „Wir können trotzdem stolz sein. Alles was wir uns vorgenommen hatten, ist eingetroffen“, sagte Polter.
Der 27-Jährige wird langsam wieder an die Startelf herangeführt
Auch wenn das Aus unglücklich daherkam und Union Chancen zum Weiterkommen besaß, waren sich alle Berliner einig, das Optimum gegen das derzeit beste Team Deutschlands herausgeholt zu haben. „Nicht viele Mannschaften schießen zwei Tore gegen Dortmund und sind 120 Minuten auf Augenhöhe, wie wir es waren“, sagte Polter, ehe er einen für die nächsten Wochen nicht ganz unwichtigen Satz hinzufügte: „Das müssen wir mit in die Liga nehmen.“ Dort liegt Union auf Platz drei, befindet sich also mitten im Aufstiegsrennen, konnte aber vor allem offensiv nur selten so überzeugen wie beim BVB. „Jetzt heißt es den Schalter umlegen und in der Liga das Gleiche abliefern. Das wird die Schwierigkeit werden“, sagte Kapitän Christopher Trimmel. Am Sonntag muss der Berliner Zweitligist bei Jahn Regensburg (13.30 Uhr, Sky) antreten. Dann dürfte auch personell wieder eine andere Berliner Elf auf dem Feld stehen. Trainer Urs Fischer hatte sein Team im Hinblick auf das letzte Punktspiel gegen Dynamo Dresden (0:0) auf vier Positionen verändert. Felix Kroos stand nicht einmal im Kader.
Um möglichst ausgeruht an die kommenden Aufgaben gehen zu können, blieb Union am Donnerstag in Dortmund, absolvierte dort eine kurze Einheit und reiste erst am Abend wieder zurück nach Berlin. „Das machte auf jeden Fall Sinn. So konnten wir gut regenerieren“, sagte Trimmel. Gegen Regensburg, das bereits in der ersten Runde ausgeschieden war und unter der Woche nicht spielen musste, wird körperliche Frische ein Faktor sein.
Dann könnte Sebastian Polter zum ersten Mal in dieser Saison in der Startelf stehen. Bisher wurde der bullige Angreifer nur eingewechselt, so auch in Dortmund. Polter kam in der 61. Minute für den Schweden Sebastian Andersson, zwei Minuten später traf er zum ersten Mal. Dass sein zweites Tor kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit eine Verlängerung zur Folge hatte, war aus Polters Sicht doppelt erfreulich. Die zusätzlichen Minuten tun ihm gut. „Ich bin stolz, dass ich 60 Minuten gespielt habe. Ich arbeite hart im Training, dass ich nachhaltig fit bleibe. Jedes Tor gibt Selbstvertrauen“, sagte er.
Hinter Polter liegen schwierige Monate. Anfang März riss bei ihm die Achillessehne. Im September folgte dann das Comeback. Und was für eins. Gleich im ersten Spiel traf er nach seiner Einwechselung per Fallrückzieher gegen Holstein Kiel (2:0) und leistete zudem noch die Vorlage zum anderen Treffer. Sein Tor wurde kürzlich zum Tor des Monats September gewählt. Was folgte, waren meist nur Einwechselungen in der Schlussphase, Fischer dosiert die Spielzeit für seinen Angreifer noch. Die 60 Minuten von Dortmund waren die längste reine Nettospielzeit seit Polters schwerer Verletzung.
Nach der Pleite 2016 gegen den BVB fiel man in ein Loch
Das dürfte sich in Zukunft ändern. Mit seinen zwei Toren hat sich der Stürmer eindrucksvoll zurück gemeldet und will in Regensburg diese Leistung bestätigen. Dort wartet eine sportlich wie emotional undankbare Aufgabe. Regensburg liegt als Neunter nur drei Punkte hinter den Berlinern, bekommt daheim nur sehr wenige Gegentore (fünf) und gilt als schwer zu bespielen. Anders als in Dortmund wird keine atemberaubende Kulisse zusätzliche Kräfte frei setzen. Der Zuschauerschnitt bei Regensburger Heimspielen liegt nur bei rund 11.000 Besuchern.
Vor zwei Jahren war den Berlinern die Rückkehr in den Alltag schwer gefallen. Nach dem Pokalspiel in Dortmund folgten zwei Niederlagen in Serie, insgesamt holten sie im direkten Anschluss aus drei Spielen nur einen Punkt. Die Schwächeperiode kostete damals wichtige Zähler im Aufstiegsrennen. Das wollen die Berliner in diesem Jahr unbedingt vermeiden.


