Zweite Liga

Unions Baustellen werden immer größer

Der Zweitligist braucht nach Skrzybski-Abgang einen neuen Stürmer, zwei Verteidiger, einen Torwart, aber vor allem einen neuen Trainer.

Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, und Klubchef Dirk Zingler (r.) lassen sich mit einer Trainerverpflichtung Zeit

Oliver Ruhnert, Unions Geschäftsführer Profifußball, und Klubchef Dirk Zingler (r.) lassen sich mit einer Trainerverpflichtung Zeit

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Zweieinhalb Wochen ist Oliver Ruhnert nun als neuer Geschäftsführer Profifußball beim 1. FC Union im Amt. Die Baustellen beim Berliner Fußball-Zweitligisten mit Blick auf die kommende Saison sind jedoch keineswegs klein. Der Wechsel von Steven Skrzybski zu Schalke 04 – das Union-Eigengewächs unterschrieb beim Champions-League-Teilnehmer einen Vertrag bis Sommer 2021 – hat ein neues Problemfeld geschaffen. Eines, mit dem der Köpenicker Klub sicher gerechnet hat, an dessen Entstehung er allerdings nicht unschuldig ist.

Der Stürmer war seit Januar 2001 bei Union und hatte mit der Aussicht auf den Aufstieg in die Bundesliga trotz eines Angebots von Aufsteiger VfB Stuttgart seinen Vertrag bei Union voriges Jahr bis 2020 verlängert. Die durch den Trainerwechsel von Jens Keller zu André Hofschneider Anfang Dezember forcierte Talfahrt ließ Skrzybski keine andere Wahl, als eine neue Herausforderung zu suchen. Der 25-Jährige hatte nie einen Hehl daraus gemacht auszuprobieren, wo seine Grenzen liegen. Sein Vertrag wurde für 3,5 Millionen Euro – eine Summe, die an eine Ausstiegsklausel gekoppelt war – aufgelöst.

Für Union bedeutet dies: Ein neuer Torjäger muss her. Einer, der wie Skrzybski das Potenzial für 14 Saisontreffer hat. Da nicht sicher ist, wann Sebastian Polter von seinem Achillessehnenriss im März wieder vollständig genesen ist, wäre es fatal, nur mit Philipp Hosiner als einzigem Stürmer in die Saison zu gehen.

Auch Leistner, Mesenhöler, Daube und Fürstner weg

Dazu braucht es nach dem Abgang von Toni Leistner (Union hatte die Vertragsgespräche abgebrochen) einen neuen Verteidiger von Format, ebenso wie auf der linken Abwehrseite, wo der Abgang von Kristian Pedersen offenbar bevorsteht.

Der Däne wird mit dem englischen Zweitligisten Birmingham City in Verbindung gebracht, im Raum soll eine Ablöse von 2,7 Millionen Euro stehen. Peter Kurzweg, zur vergangenen Saison verpflichtet, und Rückkehrer Christopher Lenz (war an Ligakonkurrent Holstein Kiel ausgeliehen) sind zumindest bislang für Pedersen noch kein gleichwertiger Ersatz.

Und auch ein neuer Torwart wird benötigt, Daniel Mesenhöler verlässt Union nach zwei Jahren. Außerdem gehen die Mittelfeldspieler Stephan Fürstner und Dennis Daube, deren auslaufende Verträge ebenso wie die von Leistner und Mesenhöler nicht verlängert werden.

Nestor El Maestro soll als Trainer im Gespräch sein

Viel wichtiger ist, dass Union immer noch keinen Nachfolger gefunden hat für Hofschneider, der trotz Vertrages bis 2019 seinen Posten als Cheftrainer räumen musste. Angeblich soll Nestor El Maestro ein Kandidat für den Posten sein, ein serbisch-stämmiger Engländer, der in der Bundesliga bereits als Co-Trainer von Mirko Slomka bei Schalke 04, Hannover 96 und dem Hamburger SV gearbeitet hat. Der 35-Jährige, der eigentlich Nestor Jevtic heißt, seinen Namen im Alter von 18 Jahren jedoch einfach änderte („Ich fand Künstlernamen der brasilianischen Kicker immer geil“), wurde gerade in der Slowakei mit Spartak Trnava Meister.

Nach dem Titelgewinn mit Trnava, dem ersten des Klubs seit 45 Jahren, suche er eine neue Herausforderung, verriet er dem Portal webnoviny.sk: „Wenn wir auf meine berufliche Geschichte schauen, ist der logische Schritt die österreichische Liga oder die deutsche Liga. Wir sprechen eigentlich von der deutschen zweiten Bundesliga. Aber das ist ein ausgezeichneter Wettbewerb, es wäre sehr interessant für mich.“

Ob El Maestro allerdings tatsächlich zu Union passen würde, darf durchaus bezweifelt werden. Der Coach zählt eher zu den impulsiven Männern an der Seitenlinie, jubelt gern schon mal auf dem Dach der Reservistenbank und wurde in der Endphase der slowakischen Meisterschaft wegen Unbeherrschtheiten vom Verband mit einer Geldstrafe belegt.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.