Zweite Liga

Union-Stürmer Skrzybski spricht von Abschied

Sieben Gegentore, nur ein Punkt in zwei Spielen – Union hemmt der Druck, Aufstiegsfavorit zu sein. Mittendrin: Kroos und Skrzybski.

Unions Stürmer Steven Skrzybski (2.v.l.) ist mit seiner derzeitigen Situation unzufrieden

Unions Stürmer Steven Skrzybski (2.v.l.) ist mit seiner derzeitigen Situation unzufrieden

Foto: Annegret Hilse / dpa

Berlin.  Sebastian Polter schlägt Alarm. Jener Fußballprofi des 1. FC Union, dem es bislang so wichtig gewesen ist, selbst nach schwachen Spielen immer Positives wie die Moral der Mannschaft herauszustellen, machte nun nach dem glücklichen 3:3 gegen Darmstadt deutlich: „Wir müssen die Fehler abstellen, wenn wir uns verbessern und oben mitspielen wollen.“ Sieben Gegentore in zwei Partien, in denen zudem nur ein mageres Pünktchen heraussprang, sind zu wenig für irgendwelche Bundesligaträume. Zumal Nürnberg durch das 3:2 in Braunschweig Union von Platz drei verdrängte.

Die Situation, in der sich der Berliner Fußball-Zweitligist befindet, nur an der Gegentorflut festzumachen, greift jedoch zu kurz. Die Mannschaft von Trainer Jens Keller ist aufgrund ihres ausgeglichen stark besetzten Kaders im Minimum ein Aufstiegskandidat , bei vielen sogar der Top-Favorit. Der daraus entstehende Druck lastet auf dem Team, das haben die vergangenen Auftritte gezeigt. Wenig ist zu sehen von der frischen Spielweise, die Union zum Beispiel in der Rückrunde der vergangenen Saison viele Wochen auf den Rasen brachte. Inzwischen ist vieles sehr bemüht, um dem Anspruch, unbedingt gewinnen zu wollen, gerecht zu werden.

„Bei uns heißt es, wir wollen aufsteigen, aber es ist ja kein Muss“, sagte Abwehrchef Toni Leistner. Wer den Worten von Dirk Zingler auf der Mitgliederversammlung am Mittwoch gelauscht hat, kann jedoch zu einer anderen Bewertung kommen. „Besonderes erreicht man nur, wenn man Besonderes leistet“, hatte Unions Präsident nicht zuletzt den Profis mit auf den Weg gegeben. Und: „Fragt euch jeden Tag, ob ihr bereit seid, alles zu geben. Die Menschen in und um unseren Verein haben es einfach verdient, dass wir, die es beeinflussen können, jeden Tag alles geben.“ Worte, die anscheinend schwer auf der Mannschaft lasten.

Kapitän Kroos setzt sich zu stark unter Druck

„Man muss die Jungs immer wieder motivieren, dass sie nach hinten mitarbeiten“, mahnte Abwehrchef Leistner an. Damit Defensivfehler wie gegen Darmstadt (Flanken nicht verhindert, fehlende Zuordnung im Zentrum) sich nicht immer wiederholen. Ist der Druck, ein Aufstiegsfavorit sein zu müssen, zu groß? Leistner hält dem entgegen: „Wir haben so viele junge Spieler dabei, die froh sind, Zweite Liga zu spielen, sich hier zeigen und befreit aufspielen zu können.“ U21-Nationalspieler Marcel Hartel, auch Grischa Prömel zählen dazu. Auf der anderen Seite gibt es gestandene Spieler, denen die derzeitige Situation offenbar sehr zu schaffen macht.

Felix Kroos kann hier als Paradebeispiel angeführt werden. Schon immer hat der Union-Kapitän polarisiert. Seine technisch ausgezeichneten Fähigkeiten sind unumstritten, sein schon mal zu Lethargie neigender Spielstil ist es nicht. „Ich weiß, das von mir immer mehr verlangt wird“, hatte Kroos erst kürzlich gesagt. Auch dass er trotz seiner permanenten frühen Auswechslungen – mal wegen taktischer Erwägungen Kellers, mal wegen muskulärer Probleme – zufrieden sei: „Es gibt keinen Grund, mich zu beschweren. Seit dem Jens Keller hier Trainer ist, habe ich immer gespielt.“

Das war gegen Darmstadt erstmals anders. Erst ab der 83. Minute durfte er ran, als letzter Joker, um die Niederlage zu verhindern, nicht als Anführer. „Felix will unheimlich viel, setzt sich aber aktuell sehr unter Druck“, begründete der Coach die Maßnahme: „Wir haben auch mit ihm darüber geredet, wollten ihm den Druck nehmen. Doch er wird noch sehr, sehr wichtig für uns sein.“ Dennis Daubes Leistung als Kroos-Vertreter stand den vergangenen Auftritten des Kapitäns jedenfalls in nichts nach.

Skrzybski verlängerte Vertrag erst im Sommer bis 2020

Wie groß der Druck auf die Profis ist, bekommt auch Steven Skrzybski zu spüren. Trotz seiner beiden Treffer in Heidenheim fand sich der Stürmer am Freitagabend neben Kroos erneut nur auf der Bank wieder. Dafür spielten Simon Hedlund und Akaki Gogia.

„Der Trainer meinte, ich habe gegen Heidenheim ein schlechtes Spiel gemacht. Er sah die anderen besser. Das muss ich dann so akzeptieren, auch wenn ich es nicht verstehe“, sagte Skrzybski, im Vorjahr Stammspieler. Und er sprach offen von Abschied, trotz im Sommer bis 2020 verlängerten Vertrags.

„Mir wurde gesagt, dass ich eine tragende Rolle spiele. Aber wenn es so weitergeht und man der Meinung ist, dass ich der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann, müssen wir uns zusammensetzen. Dann wäre es für beide Seiten sinnvoller, die Situation noch einmal zu überdenken“, so Skrzybski. „Ich bin stolz darauf, es hier geschafft zu haben, aber ich muss auch schauen, dass es weitergeht.“ Die Angst vor dem Sitzenbleiben – sie ist der größte Gegner für Unions Aufstiegsbemühungen.