Zweite Liga

Unions Aufschwung kommt nicht von ungefähr

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Michael Färber
Unions Profis feiern mit ihren Fans den Aufschwung der vergangenen Wochen

Unions Profis feiern mit ihren Fans den Aufschwung der vergangenen Wochen

Foto: Armin Weigel / dpa

Union meldet sich mit dem dritten Sieg in Folge zurück im Aufstiegsrennen. Weil die Köpenicker ihre Mängelliste abgearbeitet haben.

Berlin.  Drei Siege in drei Spielen – der 1. FC Union hat nach seiner „kleinen Krise“ (Trainer Jens Keller) den Anschluss zu den Aufstiegsplätzen der Zweiten Liga wieder hergestellt. Weil die Köpenicker ihre Mängelliste abgearbeitet haben, die sich bis Ende September aufgebaut hatte.

Nebenschauplätze wie die wochenlangen Streitereien mit Schiedsrichterentscheidungen gegen Sebastian Polter finden – wenn überhaupt – nur noch am Rande statt. Schon verwertet Unions Torjäger auch wieder seine Chancen, zuletzt fünf in drei Spielen. Weil Polter sein Spiel ein wenig umgestellt hat. „Wenn ich nicht nachdenke auf dem Platz, mache ich viele Sachen instinktiv richtig. Wenn es nicht so läuft, gerate ich eher ins Grübeln, was mich träge wirken lässt“, erzählte Polter, der es zwar normal findet, „dass man nachdenkt, wenn man seine Torchancen vergibt, aber vielleicht habe ich dies auch zu lange gemacht.“

Hinzu kommt, dass er nicht mehr gnadenlos jeden Zweikampf sucht, auch wenn er vor allem darüber sein Spiel definiert. „In einigen Situationen bewege ich mich vom Mann weg und suche den freien Raum, um dadurch eine Situation zu kreieren“, erklärte der 26-Jährige. So wie beim ersten Tor in Regensburg, „wo ich nicht auf den ersten Pfosten gehe, obwohl ich dort als Mittelstürmer zu stehen habe“.

Endlich greift auch der Konkurrenzkampf

Die Szenen, in denen Polter regelwidrig agieren könnte, werden dadurch verringert. Zwar hatte er auch beim 2:0 in Regensburg wieder „ein, zwei Szenen, in denen ich am Trikot des Gegners zupfe und der Schiedsrichter dies abpfeift. Aber so etwas hat mich auch oft einen Zweikampf gewinnen lassen. Letztendlich hat der Schiedsrichter zu mir gesagt, dass ich nur öfter die Hände weglassen soll, dann bekomme ich auch nicht so viel gegen mich gepfiffen.“

Endlich greift auch der Konkurrenzkampf. In Regensburg spielte Akaki Gogia statt Steven Skrzybski auf der rechten Seite – und zeigte dabei jene aufsteigende Tendenz, die Trainer Keller bereits im Testspiel gegen Brest (2:2) gesehen hatte. Prompt bedankte sich der Offensivmann mit seinem ersten Saisontor für Union.

„Dem Trainer ist wichtig, wer sich den Stammplatz wirklich erkämpfen möchte“, sagte Gogia: „Und wenn man nicht spielt, versucht man, die Qualität im Training hochzuhalten.“ Vor allem im stark besetzten offensiven Mittelfeld ist dies nötig, denn Marcel Hartel tankt durch seine Einsätze im U21-Nationalteam zusätzliches Selbstvertrauen, auch Simon Hedlund durchläuft seit Wochen ein Hoch. Und mit Kenny Prince Redondo (nach Schulterverletzung) macht sich der nächste Profi bereit zum Angriff. Wer nur einen Hauch nachlässt, findet sich auf der Bank wieder – wie Damir Kreilach.

Kapitän Kroos gibt sich mannschaftsdienlich

Dass die Negativserie von fünf sieglosen Spielen Geschichte ist, hat laut Gogia einen einfachen Grund: „Wir haben uns nicht unterkriegen lassen, weil wir wissen, dass wir Qualität haben.“ Es zählt zu den Grundelementen eines Aufstiegskandidaten, seine Leistung trotz eines Sieges zu hinterfragen.

Das tut auch Felix Kroos. Der Kapitän steht noch immer ohne Tor und ohne Assist da. In Regensburg zischte ein Freistoß haarscharf am Tor vorbei. Und „wenn man viele Vorlagen macht, aber keinen Assist hat, liegt es nicht nur am Vorlagengeber“, machte Kroos deutlich, dass trotz Polters wiedererlangtem Torriecher die Chancenverwertung noch verbesserungswürdig ist.

Dennoch könnte Kroos dem Union-Spiel noch mehr seinen Stempel aufdrücken. Er macht keinen Hehl daraus, dass er lieber im Zentrum oder hinter den Spitzen spielen würde als im defensiven Mittelfeld. Doch weil viele seiner Teamkollegen „schnell nach vorn spielen, ist es schwer nachzurücken“, erklärte Kroos. Seine Führungsqualitäten versucht er deshalb auf mannschaftsdienliche Art einzubringen: Räume besetzen, den öffnenden Pass spielen, oder auch den Gegner per Grätsche stoppen.