Endspiel um Platz drei

Für Union geht es in Braunschweig um alles oder nichts

Gewinnt Union das Spitzenspiel bei der Eintracht, ist der Aufstiegstraum realer denn je. Bei einer Niederlage ist er wohl ausgeträumt.

Union-Stürmer Sebastian Polter (l.) fehlt in Braunschweig wegen einer Rot-Sperre, Philipp Hosiner muss es nun richten

Union-Stürmer Sebastian Polter (l.) fehlt in Braunschweig wegen einer Rot-Sperre, Philipp Hosiner muss es nun richten

Foto: Matthias Koch / imago/Matthias Koch

Berlin.  Es ist vielleicht nicht das größte Spiel für den 1. FC Union in dieser Saison, dafür war der Auftritt des Fußball-Zweitligisten vor 80.000 Zuschauern beim Pokaldrama von Dortmund zu beeindruckend. Wenn die Köpenicker am Montagabend bei Eintracht Braunschweig antreten (20.15 Uhr, Sport1 und Sky) wartet auf die Berliner jedoch das wichtigste Spiel in dieser Saison. Es ist das Endspiel um Platz drei. Viel mehr noch: Für Union geht es im Duell des Dritten gegen den Vierten um alles oder nichts.

"Jeder kann die Tabelle lesen. Im Falle einer Niederlage wären die Konkurrenten mindestens sechs Punkte weg", weiß auch Union-Trainer Jens Keller um die Bedeutung dieser 90 Minuten im Eintracht-Stadion, nachdem Hannover mit dem Sieg in Heidenheim (2:0) am Freitag bereits vorgelegt hat.

Verliert Union auch das dritte Topspiel der Rückrunde, ist die Gleichung für die letzten beiden Spieltage ebenso einfach wie kaum noch lösbar für die Berliner: Braunschweig und Hannover müssten beide Spiele verlieren, Union beide gewinnen, nur dann wäre der Aufstiegstraum noch erfüllbar.

Hosiner gibt dem Angriff eine neue Schattierung

"Dann dürfen wir zumindest nicht verlieren, aber wir werden natürlich auf Sieg spielen", sagte Sebastian Polter. Der Stürmer ist durch seine Rot-Sperre zum Zuschauen verurteilt. Seinen Teamkollegen spricht er Mut zu und fordert sie auf, "entschlossen ins Spiel zu gehen". Polter wird die Partie irgendwo im Stadion verfolgen. Mitfiebern, mehr geht nicht. Mitgeholfen hat der 26-Jährige in den vergangenen Tagen in den Trainingseinheiten. "Die Mannschaft in Fahrt bringen" wollte er, auch wenn er sich bewusst ist, dass er in Braunschweig "nicht der entscheidende Faktor" ist. Aber "es wird kribbeln", da ist er sich sicher.

Entscheidender Faktor könnte Philipp Hosiner sein, Polters Sturmkollege. Mit dem Österreicher wird das Angriffsspiel der Berliner eine andere Schattierung bekommen. "Ich lebe von Zuspielen", erklärte Hosiner. Polter wuchtet sich als Anspielstation in jeden Zweikampf, um den Ball zu halten und auch seine Mitspieler in Szene zu setzen. Gelang es dem Gegner, Pässe auf Polter zu verhindern, erlahmte auch Unions Offensivspiel.

"Es ist schon etwas anderes, wenn ich jemanden neben mir habe, der die Bälle festmacht oder verlängern kann", sagte Hosiner. Was nicht heißen soll, dass er mit der Rolle des einzigen Stürmers nicht auch gut zurechtkommt. Bei Austria Wien hatte er diesen Part oft übernommen. "Ich weiß, was Druck ist", gibt er sich gelassen. Erinnerungen werden in ihm wach an die Saison 2012/13, als er mit der Austria Woche um Woche Red Bull Salzburg auf Distanz halten musste. "Am Ende sind wir mit einem Rekord von 82 Punkten Meister geworden." Die Situation jetzt sei vergleichbar, glaubt Hosiner: "Wir müssen gut stehen, ich denke nicht, dass es ein Spiel auf Teufel komm raus wird. Aber spätestens ab der zweiten Halbzeit wird es rund gehen."

Braunschweig punktet mit Last-Minute-Toren

Damit dies gelingt, haben sich die Köpenicker akribisch vorbereitet. Mit schnellen Passübungen, um die Sicherheit im Aufbauspiel wieder zurückzubekommen, die in den vergangenen Wochen vielleicht ein wenig verloren gegangen ist. Mit knallhartem Zweikampftraining, um sich die Körperlichkeit dieser Partie ins Gedächtnis zu rufen. Und natürlich mit Trainingsspielen, um noch einmal jeden Laufweg des Mitspielers zu verinnerlichen.

"Wir haben schon bewiesen, dass wir auch in anderer Besetzung erfolgreich sein können. Mit Philipp Hosiner haben wir einen Stürmer, der zuletzt richtig gut drauf war und wichtige Tore für uns erzielt hat", gibt sich Trainer Keller zuversichtlich. Braunschweig agiere "sehr kompakt", mit "Geschwindigkeit nach vorne und sie hatten in den vergangenen Wochen auch das nötige Spielglück."

In Anspielung auf die Last-Minute-Tore der Braunschweiger bei Fortuna Düsseldorf (2:1), gegen den 1. FC Heidenheim (3:2) oder Dynamo Dresden (1:0) darf aber festgehalten werden: Immer Glück ist auch Können. "Das liegt daran, dass die Mannschaft in der Lage ist, auch spät noch Druck auf den Gegner auszuüben und die Überzeugung vorhanden ist, ein Spiel auch noch spät entscheiden zu können", erklärte Marc Arnold, Braunschweigs Sportlicher Leiter . Union ist also gewarnt, bis zur letzten Sekunde aufmerksam zu sein.

"Spiele gegen Braunschweig liegen uns"

Unions Abwehrchef Toni Leistner ist sich sicher, dass Unions Siegchancen nicht gering sind: "Braunschweig ist nicht so extrem gut besetzt wie Stuttgart oder Hannover. Und Spiele gegen Braunschweig liegen uns immer, weil sie eine ähnliche Spielweise haben wie wir. Man hat ja im Hinspiel gesehen, dass uns das zugutekommt." Anfang Dezember gab es in der Alten Försterei ein 2:0.

Eintracht-Manager Arnold glaubt an ein "sehr intensives, rassiges Spiel mit viel gesunder Aggressivität. Das hat das Hinspiel schon gezeigt. Beide Mannschaften stehen für sehr leidenschaftlichen Fußball und wollen aus einer guten Kompaktheit schnell nach vorn spielen."

Und vielleicht kommt es Union im wichtigsten Spiel der Saison ja entgegen, dass auch die Eintracht mit Verteidiger Saulo Decarli einen wichtigen Spieler wegen einer Sperre ersetzen muss.

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