Zweite Liga

Wie Helmut Schulte Union fröhlich machen will

Helmut Schulte soll Union als neuer Leiter der Lizenzspielerabteilung in die Bundesliga führen. Und setzt vor allem auf Zusammenhalt.

Helmut Schulte, der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung beim 1. FC Union

Helmut Schulte, der neue Leiter der Lizenzspielerabteilung beim 1. FC Union

Foto: Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Presse

Berlin.  Das Jahr 2007 brachte ihm die wohl wichtigste Erkenntnis in seinem Leben. „Als mir der Baum auf den Kopf gefallen ist bei dem Sturm, das war schon eine sehr existenzielle Geschichte für mich“, erzählt Helmut Schulte (58): „Seitdem weiß ich noch viel klarer als vorher schon, dass ich auf der Welt bin, Menschen dabei zu unterstützen, dass sie ihre Ziele erreichen.“

Beim 1. FC Union brachte das Jahr 2015 die Gewissheit, dass es strukturelle und personelle Veränderungen geben muss, will der Zweitligist das von Klubchef Dirk Zingler ausgerufene Ziel „Top 20 in Deutschland“ irgendwann erreichen. Die Struktur wurde mit der Position „Leiter der Lizenzspielerabteilung“ geschaffen. Und mit Helmut Schulte neu besetzt.

Schulte und Union – eine Liaison, die an diesem Montag ihren Anfang nimmt, mit besten Voraussetzungen, wie es scheint. „Ich möchte optimale Arbeit abliefern für den, der mich bezahlt. Und jeder, der in der Zweiten Liga ist, will auch mal in die Bundesliga. Man muss es nur nicht immer mit einem Datum versehen, das bringt nichts“, sagt der gebürtige Sauerländer.

Kein Dampfplaudern, aber klare Vorstellungen

Er kommt locker und sympathisch daher, wie er mit legerem Sakko entspannt auf dem Stuhl im Presseraum der Alten Försterei sitzt. Kein Dampfplaudern, kein Wink mit dem prall gefüllten Buch mit Spielerkontakten. Aber doch jemand mit klaren Vorstellungen. „Wir spielen professionell Fußball für die Zuschauer, um Menschen zu unterhalten und fröhlich zu machen. Und fröhlich wird man, wenn gewonnen wird. Wenn der Mensch nicht fröhlich ist, dann will er wenigstens zufrieden sein und das Gefühl haben, dass die Mannschaft alles gegeben hat. Das ist für mich das Entscheidende und die Herausforderung“, umreißt der Ex-Trainer des FC St. Pauli sein Aufgabengebiet.

Fußball als Teil der Unterhaltungsbranche anzusehen, ist ein Ansatz, den es bei Union bislang so nicht gegeben hat. In jenem Verein, der sich stets über seine Mitglieder definiert und seine Andersartigkeit im Profizirkus. Schulte ist – trotz früherer Engagements als Leiter der Schalker Nachwuchsabteilung oder Sportvorstand bei Rapid Wien und Fortuna Düsseldorf – ein Fußballromantiker geblieben, ohne die Realität zu verkennen.

Um die Bundesliga zu erreichen, braucht es „im Verein einen guten Zusammenhalt, besonders in dieser Kugel Profimannschaft. Oder man hat einen Riesenstapel Geld, braucht immer nur nehmen und verpflichtet immer die besten Spieler der Welt. Dann wird man sich auch auf lange Sicht nicht gegen Erfolg wehren. Trotzdem wäre es günstig, wenn es auch dort einen Zusammenhalt gibt. Geld ist nicht alles, aber hilfreich, um bestimmte sportliche Ziele zu erreichen.“

Er liebt Musik und hasst Egoismus

Das passt im ersten Augenblick zu dem Weg, den Vereinsboss Zingler für Union vorgesehen hat. Was man von Schulte selbst erwarten darf? „Man muss darauf vorbereitet sein, dass ich alles tun werde, um einen zu unterstützen. Dass ich großzügig bin, man bei mir auch Fehler machen darf, aber am liebsten nur einmal“, erklärt der Jogging- und Musik-Liebhaber: „Und dass ich fuchsteufelswild werde, wenn jemand den Erfolg der Gruppe gefährdet durch Egoismus oder irgendwelche Sonderveranstaltungen.“ Das Team, von dem er nach dem ersten Kennenlernen am Sonntagvormittag einen „guten Eindruck“ hat, sollte sich dies noch mehr denn je ins Bewusstsein rufen.

Seinen Arbeitsbereich umschreibt er wie folgt: „Die Scoutingabteilung verantworten und den Kader planen – das ist das, was ich am liebsten mache. Darauf achten, dass die richtigen Verträge verlängert und die richtigen Spieler beobachtet werden. Man muss immer handlungsfähig bleiben und braucht ein Portfolio an Spielern, aus dem man immer nachlegen kann.“

Mit Schulte und Trainer Sascha Lewandowski hofft Union, über ausreichend Qualität in der sportlichen Leitung zu verfügen, um die Bundesliga anzuvisieren. Oder wie es Schulte ausdrückte: „Mit St. Pauli bin ich zweimal aufgestiegen, als Trainer und als Sportchef. Aller guten Dinge sind...“ – drei, der Erkenntnis nach.