1. FC Union

Beste Stimmung gegen Dortmunds zweiten Anzug

Die Eisernen feiern trotz der Niederlage im Jubiläumsspiel gegen den Bundesligisten. Ein Spieler wird dabei besonders bejubelt.

Dortmunds Christian Pulisic (M.) versucht sich gegen die Berliner Robert Puncec (l.) und Damir Kreilach durchzusetzen

Dortmunds Christian Pulisic (M.) versucht sich gegen die Berliner Robert Puncec (l.) und Damir Kreilach durchzusetzen

Foto: dpa Picture-Alliance / Marvin Guengoer / picture alliance / GES-Sportfoto

Berlin.  Kurz bevor es losgehen sollte, wurde es dunkel über den Rängen. Unter den Klängen von Achim Menzels „Stimmung in der Alten Försterei“, eine der zahlreichen Vereinshymnen, wurde nahezu das komplette Stadion mit tribünengroßen Transparenten verhängt.

In Rot und Weiß und im Stile der Haupttribüne, mit dem die zehn wichtigsten Union-Momente der vergangenen fünf Jahrzehnte dokumentiert wurden. Eine Choreografie, mit der der 1. FC Union nun endlich auch in der heimischen Spielstätte seinen 50. Klubgeburtstag feierte.

Stimmungsvoller konnte die Jubiläumspartie gegen Borussia Dortmund kaum beginnen, da durften natürlich auch nicht die zahlreichen roten Bengalos fehlen, die kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit gezündet wurden.

„Man hat gemerkt, dass es kein normales Testspiel war“

Der Atmosphäre in der Alten Försterei tat dies keinen Abbruch. „Man hat gemerkt, dass es kein normales Testspiel war“, sagte Dortmunds Marcel Schmelzer. Vom Union-Fanblock folgte wie gewohnt Gesang auf Gesang.

Der mit gut 2200 BVB-Fans prall gefüllte Gästeblock machte sich zwar ein wenig rar, was die Anfeuerung ihrer Mannschaft anging. Das Jubiläumsspiel blieb dennoch das, was sich der Berliner Fußball-Zweitligist von ihm versprochen hatte: der sportliche Höhepunkt der Köpenicker Feiertage, auch wenn Union mit 1:3 (1:1) verlor.

Die Partie war im Vorfeld von Teilen der Union-Fans boykottiert worden. Einige sahen darin nur ein weiteres Puzzleteil auf dem Weg zur Kommerzialisierung der Köpenicker. Stattdessen wurde aufgefordert, doch eher ein Ticket für die Generalprobe zum Punktspielstart beim 1. FC Kaiserslautern (5.2.) gegen Austria Salzburg (30.1.) zu erwerben.

Reus, Aubameyang, Hummels und Gündogan fehlen

Dass die Alte Försterei am späten Sonntagnachmittag dennoch mit 22.012 Zuschauern ausverkauft war, bestätigte hingegen: Der Wunsch der Mehrheit der Union-Sympathisanten nach mehr als nur der Zweiten Liga, nach hochkarätigen Gegnern wie die Dortmunder, ist durchaus vorhanden.

Zugleich war das Jubiläumsspiel auch die erste Veranstaltung, nachdem Union-Präsident Dirk Zingler auf der Mitgliederversammlung vergangenen Mittwoch gefordert hatte, dass der Klub für neue Anhänger und auch potenzielle Geldgeber interessant bleiben muss.

Wer jedoch gedacht hatte, der Bundesliga-Zweite aus Dortmund würde mit allen Stars anreisen, der wurde enttäuscht. Marco Reus, Pierre-Emerick Aubameyang, Mats Hummels, Ilkay Gündogan und Co. waren gar nicht erst mit nach Berlin gekommen. Verständlich, hatte die Borussia doch erst knapp 24 Stunden zuvor in Bestbesetzung einen wichtigen Sieg in der Bundesliga in Gladbach (3:1) eingefahren.

Puncec vetritt erkrankten Pogatetz

Trainer Thomas Tuchel gab somit seiner zweiten Reihe eine Chance, sich zu empfehlen. Wobei diese Dortmunder B-Elf mit den Weltmeistern Matthias Ginter, Erik Durm und Roman Weidenfeller, dem Abwehrrecken Neven Subotic, Wirbelwind Shinji Kagawa oder Ex-Herthaner Adrian Ramos durchaus sehr passabel besetzt war.

Entsprechend stellte Union-Kapitän Benjamin Kessel fest: „Auch wenn Dortmund nicht mit der ersten Elf angetreten ist, ist da schon noch ein Unterschied.“

Union-Trainer Sascha Lewandowski ließ sein Team mit einer Viererkette spielen, mit Fabian Schönheim auf der linken Seite und mit Roberto Puncec, der den erkrankten Emanuel Pogatetz (Bronchitis) vertrat. Im Tor durften Daniel Haas und der dänische Zugang Jakob Busk je eine Halbzeit ran.

Es war zu erkennen, dass die Borussen in dieser Reserve-Formation noch nie zusammengespielt haben. Gleichermaßen war die individuelle Klasse jedes einzelnen Dortmunders nicht zu übersehen. So entwickelte sich ein munteres Spielchen, das druckvolle Unioner sah und technisch versierte Gäste.

Unions Führung durch Steven Skrzybski entsprang einer herrlichen Kombination über Eroll Zejnullahu, Maximilian Thiel und Damir Kreilach, dessen Schuss BVB-Keeper Weidenfeller nicht festhalten konnte (20.).

Beide Fanlager feiern Köhlers Rückkehr auf den Rasen

Beim Ausgleich ließ sich Union-Schlussmann Haas, der zuvor gegen Kagawa (11.), Christian Pulisic (23.), Moritz Leitner (27.) und Schmelzer (30.) noch gut pariert hatte, von Pulisic im kurzen Eck düpieren (42.). Nach dem Wechsel legte Ramos mit einem Doppelpack (57., 77.) nach.

Emotionaler Höhepunkt des Abends war die Einwechslung von Benjamin Köhler (81.). Frenetisch wurde die Rückkehr des Mittelfeldspielers an der Alten Försterei gefeiert. „Benny, Benny“ hallte es aus beiden (!) Fanlagern. Eine Hommage an den 35-Jährigen, der erst vor acht Tagen im Trainingslager in Spanien nach überstandenem Lymphdrüsenkrebs sein Comeback im Union-Trikot gefeiert hatte.

Wenige Augenblicke zuvor hatte Weidenfeller ein gutes Gespür für die Situation bewiesen. Als Köhler an der Seitenlinie für seine Einwechslung bereitstand, der Ball jedoch nicht ins Aus gehen wollte, wurde jeder Pass mit gellenden Pfiffen von den Tribünen begleitet. Erst als der BVB-Keeper das Spielgerät ins Aus drosch, war der Weg frei für Köhlers Einwechslung. Welch ein Schlusspunkt.