Es war die meistdiskutierte Frage des Sommers beim 1. FC Union, seit feststand, dass Sebastian Polter den Zweitligisten in Richtung England zu den Queens Park Rangers verlässt: Wer ersetzt Polter 2015/16, den Rekordtorschützen der Köpenicker, und füllt die Lücke, die der Stürmer mit seinen 14 Saisontoren hinterlassen hat?

Gut ein Viertel der aktuellen Spielzeit ist vorüber. Und die Antwort lautet: keiner. Bei Union wurde die „Last“ des Toreschießens seither auf mehrere Schultern verteilt.

Ein Umstand, der die Köpenicker nach neun Spielen trotz der bereits 15 Gegentore mit 16 eigenen Treffern noch passabel dastehen lässt. Und der auch ein wenig Mut macht für den Auftritt bei Eintracht Braunschweig am Sonntag (13.30 Uhr, Sky).

Kurze Sommerpause durch Länderspiele

Will der Gegner einen Union-Treffer verhindern, reicht es nicht aus, nur Bobby Wood aus dem Spiel zu nehmen. Der US-Nationalstürmer ist der nominelle Ersatz für Polter. Und mit seinen vier Toren auch auf dem besten Weg, mit der Ausbeute zumindest in die Nähe seines Vorgängers zu kommen.

„Er kann sehr viel“, lobte Trainer Sascha Lewandowski seinen Angreifer: „Es wird auch darum gehen, noch eine Schippe drauf zu legen.“ Die Leistungskurve beim 22-Jährigen zeigt seit Wochen nach oben, auch wenn er in manchen Situationen den besser postierten Mitspieler schon mal übersieht.

Seine Laufleistung ist dabei enorm. „Man darf ja nicht vergessen, dass er durch die Länderspiele nur eine kurze Sommerpause hatte. Und auch während der Saison ist er in den Länderspielpausen immer unterwegs“, sagte Lewandowski.

Alle neun Einsätze absolviert

Die nächste Reise mit dem US-Team von Trainer Jürgen Klinsmann wartet schon. Am 10. Oktober spielen die Amerikaner gegen Mexiko, drei Tage später geht es gegen Costa Rica. Auch deshalb bekam Wood am Donnerstag im Rahmen der individuellen Trainingssteuerung einen Tag Pause bei Union. „Wir wollen ja auch im November noch etwas von ihm haben“, so Lewandowski.

Der Coach ist sich jedoch sicher, dass er noch mehr aus dem gebürtigen Hawaiianer herauskitzeln kann. „Ich glaube, Bobby hat noch viel mehr Power, als er meint“, sagte Lewandowski. Wood zählt zu jenen fünf Union-Profis, die alle neun Einsätze in der Liga absolviert haben.

Sören Brandy sieht sich als spielender Angreifer
Sören Brandy sieht sich als spielender Angreifer© picture alliance / Fotostand | Fotostand / Bansemer

Sein Torinstinkt, das hat der Führungstreffer zuletzt gegen Duisburg (3:2) gezeigt, hat darunter jedoch kaum gelitten. „Ich habe gelesen, dass wir Polter noch nicht adäquat ersetzt haben. Ich bin gespannt, wie oft Wood noch treffen muss“, sagte Teamkollege Sören Brandy.

Der 30-Jährige lobt den Sturmpartner: „Das Zusammenspiel mit ihm und seine Laufwege werden immer besser. Ebenso wie Polter arbeitet Wood viel für das Team.“ Davon profitiert auch Brandy selbst, wie drei Saisontreffer belegen. Auch wenn der Blondschopf wie gegen Duisburg nicht als zweiter Stürmer, sondern auf der rechten Seite aufgeboten wird.

Dass Brandy Woods Tor vorbereitete, kommt nicht von ungefähr. Ohnehin sieht sich der Offensivmann eher als der spielende, vorbereitende Angreifer. Insofern hat Brandy auch keine Probleme mit der Rolle des Außenspielers.

„Ich bin vor zwei Jahren ja für die rechte Seite geholt worden“, erzählte er, „und der Trainer weiß, wo meine Qualitäten sind, und wo ich mich wohlfühle.“

Kreilach machte bereits vier Tore

Neben Wood und Brandy nutzt Union ein Offensivpotenzial, das lange im Verborgenen schlummerte. Damir Kreilach findet sich im offensiven Mittelfeld mehr und mehr zurecht. Und nicht nur das:

Gegen Duisburg traf Damir Kreilach zum zwischenzeitlichen 3:0
Gegen Duisburg traf Damir Kreilach zum zwischenzeitlichen 3:0© dpa | Hilse

Ob als Freistoßschütze oder beim Kopfballspiel – Kreilach krönt seine Stärken mit bislang vier Toren. „Wir haben ja schon vor der Saison gesagt, dass wir jetzt viele Spieler haben, die Tore schießen können“, sagte Brandy. Wood, Brandy, Kreilach – ein Tor-Trio, auf das sich Union bislang verlassen konnte. Die Frage, wer in die Fußstapfen von Torjäger Sebastian Polter treten könnte, ist damit jedenfalls zunächst einmal geklärt.