Berlin

„Union kommt auch nicht gerade in Partylaune“

Jens Todt über Karlsruhes Krise nach dem verpassten Aufstieg

Berlin.  Am Sonnabend gibt der neue Trainer Sascha Lewandowski sein Debüt beim 1. FC Union. In Karlsruhe, wo für KSC-Sportdirektor Jens Todt, 45, auch nicht alles nach Plan läuft.

Berliner Morgenpost: Herr Todt, statt in der Bundesliga zu spielen, hängt der KSC vor dem Spiel gegen Union im Mittelfeld der Zweiten Liga fest. Verfluchen Sie noch immer die Relegationsspiele gegen den HSV?

Jens Todt: Nein. Irgendwann muss es auch mal gut sein mit der Relegation. Ich will nicht ausschließen, dass sich der ein oder andere schon halb in der Bundesliga gesehen hat. Nach unserer starken Saison hatten viele Angebote aus der Bundesliga – nur wenige haben wir gehen lassen. Doch das muss jeder Einzelne jetzt hinter sich lassen. Was war, interessiert nicht mehr. Grundsätzlich aber gilt: Der KSC war vor zweieinhalb Jahren noch in der 3. Liga. Derzeit in der 2. Bundesliga im Mittelfeld der Tabelle zu stehen ist keine Schande für uns.

Die Realität ist Platz zwölf. Zuletzt setzte es ein 0:6 in Braunschweig. Wird das Spiel gegen Union so zum Schlüsselspiel?

Für die Stimmung ist es sicher enorm wichtig. Zuletzt haben wir eine Abreibung bekommen, jetzt müssen wir zeigen, dass das ein Ausrutscher war. Momentan fehlt die Stabilität. Klar ist aber: Auch Union fährt nicht in Partylaune zu uns. Sonst hätten sie nicht zuletzt Trainer Norbert Düwel entlassen...

...nachdem der zum Saisonstart vier Unentschieden aus fünf Spielen geholt hatte. Ist die Entscheidung nachvollziehbar?

Das kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, das geht mich auch nichts an. Klar ist: Union hat seine Ambitionen deutlich offensiver formuliert als wir und dementsprechend gehandelt. Ich glaube: Vom Potenzial kann der Verein um die Aufstiegsplätze mitspielen. Und für uns wird es hart, sich auf ein Team einzustellen, das gerade den Trainer gewechselt hat und möglicherweise mit anderer Taktik und Aufstellung auflaufen wird als bisher. Niemand spielt gerne gegen eine Mannschaft, die gerade ihren Trainer entlassen hat.

Union und der KSC wollen langfristig in die Bundesliga. Wie kann das angesichts der finanzkräftigen Konkurrenz gelingen?

Moment: Aus Sicht des KSC gehört Union zur finanzkräftigen Konkurrenz. Wir selbst ordnen uns im unteren Mittelfeld ein. Aber das Beispiel Darmstadt hat ja gezeigt, dass sich auch mal der Underdog durchsetzen kann, wenn in einer Saison alles passt. Ansonsten sehe ich Klubs wie Freiburg oder Mainz als große Vorbilder. Beide Vereine sind sportlich und finanziell konkurrenzfähig, indem sie immer wieder ihre besten Spieler zu guten Preisen verkaufen und die Abgänge über den Nachwuchs oder über intelligentes Scouting auffangen. Aber auch mir ist bewusst: Garantien für den Erfolg gibt es in dieser stark besetzten zweiten Liga nicht.