Als dankbar ist die Situation eher nicht zu bezeichnen. Die zurückliegenden Ergebnisse brachten keine Freude, der nächste Gegner kommt mit enormem Potenzial daher. Das kann zu Sorgenfalten führen. Bei Norbert Düwel stand am Freitag jedoch eher zu befürchten, dass sein Lachen ein paar tiefere Fältchen in seinem Gesicht hinterlassen könnte. Der Mann hatte ausgesprochen gute Laune, und er hatte auch Lust, das zu zeigen. Wenn ein Trainer trotz einer nicht ganz einfachen Ausgangslage so strahlt, kann das eigentlich nur bedeuten, dass er unter der Wochen viel Gutes bei seiner Arbeit erleben durfte. Willige Spieler, die alles so umsetzen, was er vorgibt.

Gegen den Tabellendritten der Zweiten Liga, den 1. FC Kaiserslautern, tritt die Mannschaft des 1. FC Union am Sonntag an (13.30 Uhr, Alte Försterei). „Wir freuen uns darauf, in unserer gewohnten Umgebung zu Hause ein paar Dinge zu korrigieren, die in den beiden letzten Auswärtsspielen schief gelaufen sind“, sagt Düwel. Pokal-Aus beim Viertligisten Viktoria Köln (1:2), Niederlage in Sandhausen (3:4). Stoff für die Analyse gab es reichlich bei den Köpenicker Fußballprofis. Über allem stand die Frage: Warum kann Union keine Führung über die Zeit bringen? Das war ja auch im ersten Heimspiel gegen Düsseldorf (1:1) nicht gelungen.

Kein Psychologe notwendig

Ein generelles Problem will der Trainer daraus nicht machen. „Das ist kein so schwerwiegendes Trauma, dass man einen Psychologen benötigen würde“, sagt der 47-Jährige. Aber auffällig ist es dennoch, dass die Berliner jeweils in den letzten 20 Minuten ihre Partien vergeigten. Besonders in Köln tat das weh, weil im Pokal nichts mehr gutzumachen ist. Einfach so ging der Mut verloren, die Ordnung und letztlich das Spiel. Ohne Ball bewegte sich kaum mehr jemand. „Es darf nicht sein, dass wir ein Spiel herschenken, ohne den Anschein zu erwecken, dass wir uns wehren“, sagt Düwel. Alles Kopfsache, so der Trainer, konditionell sei das Team besser beieinander als vergangene Saison, wo Union viele Spiele erst am Ende drehte.

Um den Kopf frei zu bekommen, wurde in den zurückliegenden Tagen bekanntlich ungewohnt früh trainiert. Zunächst noch mit „einer gewissen Anspannung und Verunsicherung“ nach der erneuten Niederlage, „aber wir haben das weggearbeitet“, so Düwel, der findet, dass seine Mannschaft mit dem frühen Rückschlag ganz gut umgeht. „Die Jungs haben richtig Feuer im Training gehabt, mit guten Zweikämpfen und viel Konkurrenzkampf gewürzt. Das ist die Basis für alles, was später kommt“, so der Übungsleiter, der die Eindrücke der Woche im Kopf schon in eine klare Startelf übersetzen konnte.

Quiring und Schönheim wieder im Kader

Seinen Spielern, alle stehen zur Verfügung, hat er die noch nicht offenbart, dafür gab er ungewohnt früh bekannt, wer es nicht in den Kader schafft. Verteidiger Toni Leistner, die Mittelfeldspieler Raffael Korte, Leonard Koch, Kenny Prince Redondo und Eroll Zejnullahu sowie Angreifer Bajram Nebihi werden nur zuschauen. Redondo und Korte waren bei der Pokalpleite in Köln noch eingewechselt worden. Die zuletzt aussortierten Christopher Quiring und Fabian Schönheim erhalten demnach eine neue Chance. Die hat auch Union. „Wir gehen mit einem guten Gefühl in dieses Spiel“, sagt der Trainer, der jetzt sehen will, dass sein Team eine Führung auch ins Ziel bringen kann.