Zweite Liga

Der 1. FC Union kommt der Abstiegszone immer näher

Noch hat Union ein ausreichendes Punkte-Polster auf die Abstiegsregion in der Zweiten Liga. Doch die Tendenz der Köpenicker ist fallend. Und die Hauptgründe für den Negativtrend sind hausgemacht.

Foto: Fredrik Von Erichsen / pa/dpa

Der desaströse Auswärtstrip nach Darmstadt endete für die Spieler des 1. FC Union am Sonnabend um vier Uhr morgens. Die Aufarbeitung des 0:5-Debakels wird hingegen noch längere Zeit in Anspruch nehmen. Mit Trainingseinheiten statt einem freien Wochenende zum Beispiel. So beorderte Trainer Norbert Düwel seine Zweitliga-Profis gleich um 10 Uhr zu einer intensiven Laufeinheit. Und der Coach ließ wissen, dass auf die Köpenicker Kicker auch in den nächsten Tagen „härtere Einheiten“ zukommen werden.

Wenn ein Trainer mit Straftraining auf eine Niederlage reagiert, muss schon einiges passiert sein. So wie am Freitagabend am Böllenfalltor. „Das war eine Katastrophe, das wissen wir selber“, sagte Christopher Quiring: „Erklären kann ich mir das auch nicht. Am Ende sind es fünf Standard-Gegentore. Wir üben das in der Woche und wollten keine Gegentore durch Standards bekommen.“

Ein fatales Signal für das letzte Drittel einer Saison, die nach katastrophalem Start noch ganz passabel hätte enden können – und die Union nun doch komplett zu verspielen droht. Die Probleme sind dabei zum Teil hausgemacht.

Das Torhüter-Theater bringt Unsicherheit

Da ist die Torhüterfrage, die sich zunehmend zur Belastung entwickelt. Trainer Düwel wird für den Tausch von Daniel Haas zu Mohamed Amsif seine Gründe gehabt haben. Die Wirkung hat er jedoch verfehlt. Sicherheit ist hier das Thema. Diese wird vor allem durch das Vertrauen des Trainers geschürt. Doch nachdem er den Zweikampf um die Nummer 1 neu entfacht hat, wirkten beide Torhüter verunsichert. Amsif war vor dem 0:1 unentschlossen beim Herauslaufen, auch nach dem völlig missglückten Rückpass von Fabian Schönheim zögerte Amsif einen Tick zu lange. Der halbe Schritt, den er zu spät kam, bezahlte er mit einem Platzverweis.

Dass auch Haas angeknackst ist, zeigte er nach seiner Einwechslung. Erst wird ein hoher Ball, der weit am Tor vorbeigeflogen wäre, übermotiviert ins Toraus gefaustet. Bei der anschließenden Ecke misslingt die nächste Faustabwehr. Die Folge ist das vierte Tor für Darmstadt. Szenen, die auch den Vorderleuten nicht wirklich den Rücken stärken nach einer Woche, in der die Unruhe aus den eigenen Reihen kam.

„Klar kriegen wir das mit. Aber wir sind Profis und müssen damit umgehen, zumal es ja in erster Linie die Torhüter betroffen hat“, wollte Schönheim die Torhüter- und Torwarttrainerwechsel nicht als Ausrede gelten lassen. Und doch ging in Darmstadt alles schief. „Wir wollten ordentlich stehen und die Zweikämpfe annehmen, wie gegen Kaiserslautern, und dazu selbst ein paar mehr Chancen kreieren“, erklärte Schönheim: „Das alles haben wir überhaupt nicht geschafft. Dann wird so ein Spiel eben darüber entschieden, wer mehr Leidenschaft an den Tag legt. Das war Darmstadt.“

Keine Pluspunkte im Kampf um neue Verträge

Eine Feststellung, die das Dilemma offenbart. Wenn es etwas gab, was man Union-Mannschaften nie vorwerfen konnte, dann fehlenden Kampfgeist in aussichtslosen Partien. Am Freitagabend ergab sich Union wehrlos dem Schicksal. Das überrascht umso mehr, wenn man sich die Startelf anschaut.

Mit Michael Parensen, Christopher Quiring, Martin Kobylanski, Steven Skrzybski und Björn Kopplin standen gleich fünf Spieler auf dem Platz, deren Verträge im Sommer auslaufen. Wirklich empfohlen hat sich in Darmstadt keiner. Vor allem Kobylanski darf sich angesprochen fühlen. Der hochgelobte polnische U21-Nationalspieler blieb seinem Anspruch von einem Stammplatz so fern wie die Mannschaft dem gegnerischen Tor.

Noch warten neun Spiele auf Union, in denen es nun darum geht, nicht doch noch in Abstiegsgefahr zu geraten. Der Auftritt in Darmstadt hat gezeigt, wie groß die Gefahr beim Tabellen-13. trotz derzeit neun Punkten Vorsprung auf Relegationsplatz 16 wirklich ist.