„Torschütze ist der Mann mit der Nummer 23 – Sebastian....“ Auf jenen vertrauten Satz von Stadionsprecher Christian Arbeit und das laustarke „Polter“ von den Rängen wird man am Sonntag beim 1. FC Union vergeblich warten. Der Torjäger des Berliner Fußball-Zweitligisten wird gegen den 1. FC Heidenheim (13.30 Uhr, Alte Försterei) auf der Tribüne Platz nehmen und von dort aus mitfiebern müssen. Eine Gelb-Sperre beendete die Serie des Stürmers von 17 Spielen in Folge, die er in der Startelf gestanden hat.

Union ohne Polter, jenen Mann, der mit acht Toren und vier Vorlagen der Garant dafür gewesen ist, dass die Köpenicker dem Tabellenkeller entfliehen konnten – geht das denn überhaupt? Oder muss sich der Anhang gegen den Aufsteiger aus Ostwürttemberg eher auf ein „Null zu...“ einstellen?

Norbert Düwel gibt sich trotzig, was bleibt ihm auch anderes übrig. „Wir haben auch schon ohne Polter ein Tor geschossen“, sagt der Union-Trainer. Es waren genau zwei in vier Spielen. Was den Zeitpunkt der Polter-Sperre jedoch so pikant macht: Ausgerechnet jetzt sind alle Kandidaten, die am ehesten in Frage kommen, um den Platz in vorderster Front zu besetzen, angeschlagen.

Brandy und Skrzybski sind angeschlagen

Sören Brandy zum Beispiel. „Er gehört zu den vielen Fragezeichen, die wir vor der Partie haben“, sagt Düwel. Eine Oberschenkelzerrung hatte den Angreifer zuletzt in Nürnberg (1:3) schachmatt gesetzt. Nun ist man bei Union zumindest „verhalten optimistisch“ (Düwel), dass er bis Sonntag wieder einsatzbereit ist. Brandy tut dem Vorwärtsdrang der Berliner ohne Zweifel gut mit seinem oft impulsiven Gespür für gefährliche Situationen. Das hilft Union jedoch nur, wenn Brandy auch im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Und selbst dann blieb er jene Effektivität schuldig, die Polter bislang an den Tag legte. Die Mainzer Leihgabe benötigte für jeden seiner 40 Torschüsse 189 Minuten, Brandy (drei Saisontore) schoss nur alle 408 Minuten auf des Gegners Kasten.

Bei Steven Skrzybski, der nächsten Alternative, ist das Fragezeichen noch dicker, nachdem er sich im Training unter der Woche den linken Knöchel lädiert hatte. Für das Eigengewächs spricht die Schnelligkeit, die jedoch auch nur dann auf den Rasen gebracht werden kann, wenn der Knöchel bei jedem Antritt schmerzfrei bleibt. Das darf nach den vergangenen Tagen, in denen Skrzybski nur individuelles Training im Fitnessraum absolvieren konnte, bezweifelt werden.

Ob Bajram Nebihi nach seiner Startelfpremiere in Nürnberg gleich wieder eine Chance von Beginn an bekommt? Allein durch die (drohenden) Ausfälle kann sich der Stürmer berechtigte Hoffnungen machen. Wirklich Eindruck konnte der ehemalige Augsburger Bundesliga-Profi vor einer Woche allerdings nicht hinterlassen. Die Torgefahr, die Nebihi ausstrahlte, war überschaubar.

Eine System-Umstellung ist denkbar

Selbst eine Systemumstellung – nur eine statt zwei Spitzen – zieht Düwel in Erwägung. Doch auch dazu braucht es einen Angreifer, der fit ist und in der Lage, die gegnerische Abwehrreihe in Schwierigkeiten zu bringen.

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der Ausfall Polters ist ein herber Schlag für die Köpenicker. „Natürlich hätte ich ihn gern dabei gehabt, keine Frage“, unterstreicht Coach Düwel noch einmal die Wichtigkeit seines besten Torschützen, „aber die Regeln des DFB sind eindeutig.“ Was bleibt, ist der Appell des Trainers an seine Mannschaft. „Polters Fehlen ist kein Beinbruch, die Jungs haben gezeigt, dass sie es auch ohne ihn können“, sagt Düwel: „Wir werden am Sonntag zehn Spieler auf dem Platz haben, die in der Lage sind, ein Tor zu erzielen.“

Damit es auch gegen Heidenheim aus den Stadionlautsprechern wieder heißt: „Tor für den 1. FC Union. Torschütze ist der Mann mit der Nummer...“