1. FC Union

Im zweiten Anlauf finden Union und Kobylanski zusammen

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Marcel Stein

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Der Deutsch-Pole nutzte die Winterpause, um beim 1. FC Union noch einmal neu anzufangen. Jetzt gelang dem Angreifer das erste Tor, den Siegtreffer gegen Bochum bereitete er dazu noch vor.

Es half nichts, er musste sich das alles noch mal genau anschauen. Denn erinnern konnte sich Martin Kobylanski nicht mehr so richtig, wie es denn nun genau ablaufen war. Sein erstes Tor für den 1. FC Union, sein erstes in der 2. Fußball-Bundesliga. „Ich weiß nur, dass der Ball auf mich zukam. ‚Jetzt oder nie‘, dachte ich mir“, erzählt der 20-Jährige. Adrenalin und Emotionen vernebelten ihm ein wenig die Sinne. Aber zum Glück wurde ja alles detailliert dokumentiert.

Das trifft auch auf das zweite Tor der Berliner zu, den Siegtreffer zum 2:1 gegen den VfL Bochum, diesmal eingeleitet von Kobylanski mit einem tollen Heber in den Strafraum. Ein starker Arbeitsnachweis für einen 45-minütigen Einsatz. Ein viel besserer auch als in der gesamten Hinrunde. Erst mit dieser zweiten Halbzeit gegen den VfL haben Kobylanski und Union richtig zusammengefunden.

Mit dem großen Auftritt des wendigen Deutsch-Polen gelang den Köpenickern zum ersten Mal in dieser Saison der Sprung auf einen einstelligen Tabellenplatz. „Von den unteren Plätzen sind wir jetzt ein bisschen weg“, sagt Kobylanski. Genau das wollten die Berliner ja möglichst schnell schaffen. „Das war ein wichtiger Start in die Rückrunde. Wir haben das als Mannschaft gut aufgearbeitet“, sagt Defensivspieler Michael Parensen. Das Spielerische hing diesmal besonders eng mit dem Emotionalen zusammen, Union trat unter erschwerten Bedingungen an, da sich vieles bei der Partie um die Krebserkrankung von Mittelfeldakteur Benjamin Köhler drehte, der beim Spiel gewesen war und anschließend in der Kabine vorbeischaute. Doch das Team zeigte, dass es auch mit sehr speziellen Gegebenheiten gut umgehen kann. Darauf lässt sich aufbauen.

In Berlin geboren

Im Winter ließ sich Kobylanski erst einmal daheim in Polen von Vater Andrzej aufbauen. Der war selbst Fußballprofi – Martin wurde bei seiner Station bei Tennis Borussia sogar in Berlin geboren –, er kennt das Geschäft, die Höhen und Tiefen. Letztere taten sich in der Hinrunde öfter auf vor dem Offensivspieler. Nur sieben Einsätze, lediglich zwei von Beginn an, keiner über die volle Distanz. „Es hat sich einfach alles ein bisschen summiert“, sagt Kobylanski. Erst kurz vor Transferschluss Ende August kam er zu Union, als Leihgabe von Werder Bremen. „Vielleicht war die Mannschaft da schon ein bisschen eingespielt“, sagt er. Sich schnell ins Team einzufügen, ergab sich nur bedingt, denn er musste gleich wieder zur polnischen U20-Nationalmannschaft. Was Union wegen der späten Einladung nicht so gut fand. Nach dem zweiten Einsatz dann verletzte sich Kobylanski am Knie: fünf Wochen Pause.

Schwer, so in einer neuen Umgebung seinen Platz zu erobern. Der Winter bot ihm die Gelegenheit, noch einmal neu anzufangen. Ohne Probleme, ohne Ablenkungen. „Die Hinrunde ist abgehakt. Ich denke, ich habe eine ordentliche Vorbereitung gespielt“, sagt Kobylanski, der in der Bundesliga auf acht Einsätze für Werder kam – und mit entsprechenden Erwartungen nach Berlin. Auf der rechten Außenbahn scheint er die erfüllen zu können.

Bevor ihn Trainer Norbert Düwel zur zweiten Halbzeit auf das Feld schickte, redete er intensiv auf ihn ein. „Er hat gesagt, ‚spiele dein Spiel‘. Das habe ich versucht umzusetzen“, so Kobylanski. Im Training hatte er sich zuletzt auch sehr wohl gefühlt, gut getroffen: „Auf’s Tor zu schießen ist eine meiner Stärken.“ Düwel fand, dass er sich mit einem „wunderbaren Tor belohnt“ hat.

Option auf Anschlussvertrag

Trotz des Erfolgs aus einer komplizierten Gemengelage heraus wirkte der Trainer aber nicht ganz zufrieden. „Unterm Strich haben wir ein ordentliches Spiel gemacht. Über das Spielerische und unsere Qualitäten fußballerischer Art, da gibt es noch das eine oder andere zu besprechen“, sagt er. Bezüglich der fortschreitenden Entwicklung der Berliner, die zum Ende der Hinrunde einsetzte, blieb jedoch alles im Rahmen. „Wir haben dort angeschlossen, wo wir aufgehört haben“, sagt Rechtsverteidiger Christopher Trimmel. Feinheiten müsse man noch verbessern.

Wer weiß, wohin sich die Berliner orientieren können, wenn das gelingt. Die Liga ist nicht nur nach unten eng, sondern auch nach oben. Martin Kobylanski jedenfalls hat seine Richtung gefunden: „Ich schaue jetzt nach vorn und will das, was ich gezeigt habe, wieder zeigen.“ Dann würde er der Option auf einen Anschlussvertrag bei Union, der für die Zeit nach der Ausleihe ab dem Sommer bereits ausgehandelt ist, sicher ganz schnell näherkommen.