Berlin – Spieler, Verantwortliche und Fans des 1. FC Union sind am Mittwochabend von einer Hiobsbotschaft geschockt worden. Wie der Fußball-Zweitligist in einer Presseerklärung mitteilte, wurde bei Benjamin Köhler ein bösartiger Tumor des Lymphsystems, ein sogenanntes Hodgkin-Lymphom, diagnostiziert. Eine Meldung, die alle sportlichen Belange bei den Köpenickern im Handumdrehen zu Randthemen degradierte.

„Das tut mir unendlich leid für Benny“, sagte Unions Präsident Dirk Zingler. „Was immer wir beitragen können, um ihm zu helfen, das werden wir tun. Ich wünsche ihm von ganzem Herzen, dass er bald wieder gesund wird.“

Köhler, seit Sommer 2013 bei den Köpenickern, genießt trotz seiner inzwischen 34 Jahre einen enorm hohen Stellenwert im Klub. Er ist eine Konstante bei den Unionern, die im vergangenen Sommer unter Trainer Norbert Düwel bekanntlich den „Jugendwahn“ ausgerufen hatten. „Ich bin sehr dankbar, dass ich so einen Spieler habe“, betonte Düwel erst Mitte Januar während des Trainingslagers im spanischen Sotogrande. „Er hat auch schon ein paar Spiele auf der Bank gesessen. Aber das war für ihn kein Problem. Er ist bereit, diesen Weg mitzugehen und den jungen Spielern etwas mitzugeben.“ Auch deshalb war er für Union zuletzt wertvoller als je zuvor.

An den Nagel hängen wollte Köhler seine Fußballschuhe noch lange nicht. „Klar kann es sein, dass im Sommer Schluss ist“, sagte er in entspannt-optimistischem Plauderton in Sotogrande. Seine Pläne aber sahen anders aus. „Ich habe dem Verein mitgeteilt, dass ich noch ein, zwei Jahre spielen möchte.“ In den kommenden Wochen standen Gespräche über seine Zukunft an.

Dass er auch auf dem Rasen eine Bereicherung ist, bewies Köhler jüngst im Test gegen den bulgarischen Double-Sieger und Champions-League-Teilnehmer Ludogorets Razgrad. Mit einem kurzen Haken stellte er seine 1,72 Meter zwischen seinen Gegenspieler und den Ball. Es folgten ein kurzer Antritt bis zur Grundlinie und ein scharfer Pass, den Sebastian Polter per Seitfallzieher verwandelte. Eine Torvorlage wie aus dem Lehrbuch.

Auf derartige Aktionen brauchen die Union-Fans vorerst nicht zu hoffen. Köhler hat sich bereits in medizinische Behanglung begeben. Zuvor hatte der Mittelfeldspieler mehrere Wochen über Bauchschmerzen geklagt. Nach der Rückkehr aus Spanien erfolgte dann eine eingehende Untersuchung.

Wochenlange Bauchschmerzen

Pro Jahr werden in Deutschland rund 2000 Fälle von Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Die Prognosen sind vergleichsweise gut. Wird der Krebs früh entdeckt, liegt die Heilungschance bei etwa 90 Prozent.

„Das ist ein schwerer Schlag für meine Familie und mich“, ließ Köhler am Mittwochabend über den Verein verlauten. „Ich muss das erst mal verarbeiten.“ Er will kämpfen – mit allem, was er hat. Davon, dass er nach Köpenick zurückkehren wird, ist Köhler zu 100 Prozent überzeugt. „Wir sehen uns wieder“, schreibt er im Statement des Klubs. „Ganz bestimmt.“