Der Zeitpunkt, um in ein Trainingslager an die spanische Mittelmeerküste aufzubrechen, könnte kaum besser gewählt sein. Während Berlin eine Woche mit kühlen Temperaturen bevorsteht, erwarten den Besucher in Sotogrande angenehme zwölf bis 15 Grad mit viel Sonne und wenig Regen. Beste Voraussetzungen also, um sich auf den zweiten Saisonabschnitt in der Zweiten Liga vorzubereiten.
Auf die Profis des 1. FC Union, die am Montagnachmittag in Spanien ankamen, wartet eine Menge Arbeit. Nach der Ankunft „werden wir uns nur ein wenig durchschütteln und vielleicht im Kraftraum ein wenig arbeiten“, erzählte Union-Trainer Norbert Düwel. Ab Dienstag geht es in die Vollen. Gleich dreimal am Tag bittet der Coach seine Mannschaft zur Übungseinheit. Um 7.30 Uhr beginnt der Tag im Kraftraum, danach stehen zwei Trainingsschichten um 10 und voraussichtlich 15.30 Uhr auf dem Programm. „Wir werden zunächst im athletischen Bereich einiges tun, dann aber auch taktisch wieder einiges anschieben“, umriss der Coach den Plan für das bis Montag dauernde Trainingslager.
Ungeachtet der sportlichen Situation, die für Union als Tabellenzehnter mit sieben Zählern vor der Abstiegsregion alles andere als beruhigend ist, kann Düwel sicher sein, dass seine Spieler in jeder Einheit voll mitziehen werden. Schon aus eigenem Interesse, denn gleich bei neun Spielern laufen die Verträge am Saisonende aus. Dazu wollen sich die Leihgaben Maximilian Thiel, Martin Kobylanski und Sebastian Polter für weitere Engagements empfehlen – bei Union oder ihren vorherigen Klubs.
Mittelfeldspieler Thiel hofft, „dass Union die Option so schnell wie möglich zieht“. Die Leihgabe aus Köln kann sich Hoffnungen machen, dass der bereits ausgehandelte Zweijahresvertrag ab Sommer wirksam wird. „Dafür bin ich hierher gekommen. Das ist mein Ziel, das will ich so schnell wie möglich erreichen“, sagte Thiel. In der ersten Saisonhälfte hinterließ der 21-Jährige einen Eindruck, der keinen Anlass dazu bietet, die Option nicht zu ziehen: „Wenn ich fit bin und gut trainiere, dann gibt es normalerweise keinen Grund, dass man etwas verändern sollte. Ich hoffe, es geht so weiter wie 2014 aufgehört hat.“
Kobylanski will sich durchsetzen
Genau das Gegenteil will Kobylanski. Denn das Reservistendasein ist nicht nach dem Geschmack des polnischen U21-Nationalspielers, der sogar viermal gar nicht im Kader stand. „Vielleicht habe ich mich vom Kopf her nach der Verletzung nicht frei gefühlt. Vielleicht dachte ich, da ist noch etwas kaputt. Aber ich habe jetzt die Hinrunde abgehakt und blicke nach vorn“, sagte Kobylanski, auf den im günstigsten Fall auch ein Zweijahresvertrag bei Union wartet: „Ich will mich hier durchsetzen, meine Spiele und Tore machen.“ An eine Rückkehr zu Werder Bremen denkt er nicht.
Bei Sebastian Polter wird es auf das Verhandlungsgeschick von Nico Schäfer, dem kaufmännisch-organisatorischen Leiter, ankommen. Denn als der Stürmer aus Mainz kurz vor Ende der ersten Transferperiode im Sommer verpflichtet wurde, war die Zeit zu knapp, um einen Anschlussvertrag auszuhandeln. Und mit jedem Tor, das der 23-Jährige seinen sieben erzielten Treffern hinzufügt, dürfte er teurer werden. Dass sich Polter vorstellen kann zu bleiben, lässt er immer wieder durchblicken.
Fragezeichen bei Köhler und Parensen
Gute Chancen auf eine Vertragsverlängerung haben Björn Jopek, 21, Steven Skrzybski, 22, und Christopher Quiring, 24. Offen ist, ob man Oldie Benjamin Köhler, 34, auch in der nächsten Saison noch im Union-Dress sehen wird. Gleiches gilt für Michael Parensen, den letzten verbliebenen Aufstiegshelden von 2009, sollte Union auf der Suche nach einem linken Außenverteidiger fündig werden. Der dritte Torwart Steve Kroll, 17, dürfte bleiben.
Gering sind die Chancen bei Mario Eggimann und Björn Kopplin. Der Schweizer Eggimann war 2013 als großer Hoffnungsträger für eine stabilere Defensive an die Alte Försterei gewechselt. Doch im ersten Jahr warfen den 33-Jährigen immer wieder Verletzungen zurück, und seit vergangenen Sommer ist er hinter Zugang Toni Leistner, Fabian Schönheim und Roberto Puncec nur die Nummer vier bei den Innenverteidigern. Kopplin wiederum gelang es erneut nicht, sich gegen einen Mitkonkurrenten durchzusetzen. In der vergangenen Spielzeit kam er nicht an Marc Pfertzel vorbei, nun ist Zugang Christopher Trimmel auf der rechten Abwehrseite gesetzt. Mit 25 Jahren ist Kopplin jedoch in einem Alter, wo der Sprung zum Stammspieler langsam gelingen sollte.





