Die Pause war lang, länger als bei allen anderen 35 Profiklubs im deutschen Fußball. Exakt 24 Tage nach dem letzten Pflichtspiel bei Fortuna Düsseldorf (0:1) startet der 1. FC Union in die Vorbereitung auf die verbleibenden 15 Spiele der Saison 2014/15. „Die Mannschaft hatte sich das verdient“, begründete Trainer Norbert Düwel den verlängerten Winterurlaub.

Am Montag um 10 Uhr bittet der Coach die Spieler des Zweitligisten, die sich in den vergangenen dreieinhalb Wochen mit individuellen Trainingsplänen fit gehalten haben, zur ersten Trainingseinheit des Jahres. Die Morgenpost beantwortet zum Start die wichtigsten Fragen.

Hält der Aufwärtstrend an?

Die letzten Wochen des Jahres 2014 haben gezeigt, dass Mannschaft und Trainer sich offenbar gefunden haben. Drei Siege und ein Remis in den fünf Partien vor Weihnachten lassen hoffen, dass die Talsohle, die Union sogar bis an Tabellenende fallen ließ, überwunden ist. Die zu Saisonbeginn bei vielen noch für unmöglich gehaltene Abnabelung von der Überfigur Torsten Mattuschka scheint vollzogen.

Vor allem die jüngeren Spieler, die noch unter Düwel-Vorgänger Uwe Neuhaus kaum eine Chance bekommen hatten, treten nun mit mehr Selbstbewusstsein in den Vordergrund, dank des Vertrauens, das Düwel ihnen gibt. Das spornt die Etablierten an, sich nicht hängen zu lassen. Zugleich ist es ein Signal für weitere Talente, dass der Sprung in den Profibereich bei Union kein Traum bleiben muss.

Was wird aus Adam Nemec?

Adam Nemec und Baris Özbek waren jene zwei Profis, die in den vergangenen Wochen wohl am meisten enttäuscht haben. Vor allem Özbek hat den auch von ihm selbst formulierten Anspruch, die Mannschaft sportlich auf ein höheres Level zu hieven, nie erfüllen können. Selbst dann nicht, als Trainer Düwel die Suspendierung von Vorgänger Neuhaus wieder rückgängig machte.

Dass Özbek Union nun mit unbekanntem Ziel verlässt, ist nicht mehr als des Ende eines Missverständnisses. „Mit Baris verlässt uns ein außergewöhnlicher Fußballer. Es ist schade, dass es hier nicht richtig funktioniert hat“, sagte Düwel zur Auflösung des bis 2016 laufenden Vertrages.

Auch bei Nemec dürften die Zeichen auf Trennung stehen. Angesichts der Treffsicherheit eines Sebastian Polter (sieben Tore), der unkonventionellen und damit für den Gegner stets gefährlichen Spielweise eines Sören Brandy sowie des Aufwärtstrends von Steven Skrzybski bleibt dem Slowaken nur Platz Nummer vier in der Stürmerliste.

Doch der Nationalspieler hat mit der Europameisterschaft im kommenden Jahr im Frankreich ein großes Ziel vor Augen. Die Slowakei liegt nach vier Spielen mit vier Siegen und drei Punkten vor Titelverteidiger Spanien in der Gruppe C aussichtsreich im Rennen. Der slowakische Trainer Jan Kozak wird jedoch an Nemec nur festhalten, wenn dieser auch regelmäßig spielt. Das dürfte nach der erneuten Verbannung des 29-Jährigen aus dem Profikader in die U23 – Nemec hatte die Union-Partie gegen Fürth (0:1) nicht im Stadion verfolgt – kaum mehr möglich sein.

Kommen neue Spieler?

Fragt man Trainer Düwel nach möglichen Zugängen in der Winterpause, heißt es nur: „Wir halten die Augen offen.“ Doch vor allem auf der linken Abwehrseite hat Union Bedarf an neuem Personal. Seit Düwel wieder mit Viererkette spielen lässt, besetzte Michael Parensen diese Position. Fällt er aus, bleiben mit dem gelernten Innenverteidiger Fabian Schönheim und Rechtsfuß Björn Kopplin kaum Alternativen.

Mittel hätte Union nach der Trennung von Özbek und dem Abgang von Martin Dausch zur Verfügung. Mittelfeldspieler Dausch wechselt mit sofortiger Wirkung ablösefrei zum Drittligasechsten MSV Duisburg, sein im Sommer auslaufender Vertrag wurde aufgelöst. „Ich glaube, dass es für Martin der richtige Schritt ist. Oft hilft es, in einem neuen Umfeld noch einmal völlig neu anzugreifen“, sagte Düwel. Dausch erhofft sich in Duisburg einen Neustart.

„Was mir und meiner Familie bei Union an Unterstützung zuteil geworden ist, hätte ich nie erwartet. Dies lässt sich kaum in Worte fassen. Ich werde das nie vergessen“, bedankte er sich noch einmal für die Hilfe der Union-Fans. Sie hatten im September 2013 eine Spendenaktion unter dem Motto „Gemeinsam sehen – Union leben“ gestartet, um Geld für die Erforschung der seltenen Augenkrankheit Aniridie (angeborenes Fehlen der Regenbogenhbaut) zu sammeln, unter der Dauschs Sohn Luca leidet.