Zweite Liga

Unions Flügelflitzer Quiring löst sein Versprechen ein

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Michael Färber

Foto: Foto Huebner / pa/Foto Huebner

Vor einem Jahr stand Unions Mittelfeldspieler Christopher Quiring vor dem Aus. Doch der neue Trainer Norbert Düwel schenkte dem 24-Jährigen das Vertrauen. Und Quiring nutzt seine wohl letzte Chance.

Der 1. FC Union kommt in Schwung. Drei Siege in den vergangenen vier Spielen ohne Niederlage, zuletzt ein 2:0 (1:0) gegen Aufstiegskandidat Karlsruher SC, da könnte es doch noch wochenlang weitergehen. „Naja“, sagt Christopher Quiring, „ich brauche schon eine Pause. Ich merke, dass der Kopf langsam müde wird.“ Die erste Halbserie der Saison 2014/15 hat ihre Spuren hinterlassen.

Nicht nur der Kopf, auch der Körper des Mittelfeldspielers dürfte sich über ein paar Tage Regeneration freuen. In 14 der 18 Zweitligapartien stand Quiring auf dem Platz, neun Mal davon in der Startelf. Und nach dem Auftritt gegen den KSC und seinem frühen Führungstor standen die Zuschauer auf der Haupttribüne von ihren Sitzplätzen sogar auf, um dem Flügelflitzer mit großem Applaus ihren Tribut zu zollen, als er vier Minuten vor dem Abpfiff ausgewechselt wurde. „Es ist immer schön, die Fans mitzunehmen“, erklärt er.

Christopher Quiring, seit 2002 bei den Köpenickern, ein Union-Eigengewächs, das auf bestem Weg gewesen ist, zum ewigen Talent zu verkommen. Nun, mit 24 Jahren, hat der wieselflinke Offensivmann offenbar endgültig verinnerlicht, was es braucht, um sich bei Union doch noch durchzusetzen und nicht als gebrochenes Versprechen in die Klubhistorie einzugehen. Im Training gibt er „immer Gas, und auf dem Platz versuche ich ständig, alles zu geben“.

Profidebüt im August 2010

Dass er das Zeug zum Publikumsliebling hat, ist schon seit Jahren klar. Wann immer Quiring zu seinen Flügelläufen die Linie runter ansetzt, geht ein Raunen durch das Stadion an der Alten Försterei. Der 1,72-Meter-Mann war die große Hoffnung des Vereins, galt seit seinem Profidebüt im August 2010 als Aushängeschild für die Nachwuchsarbeit der Köpenicker. Als Vorbild für weitere Talente, dass der Sprung in die erste Mannschaft kein Traum bleiben muss.

Quirings Traum, sich dauerhaft bei den Profis festzusetzen, war jedoch recht bald der Realität gewichen, nur noch als Teilzeitarbeiter gebraucht zu werden. Die jugendliche Unbekümmertheit der Premierenspielzeit 2010/11 war verflogen. Und Schlagzeilen machte der Youngster vor allem durch markige Sprüche wie nach der Derby-Niederlage gegen Hertha BSC (1:2) im September 2012 („Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, kriege ich das Kotzen“) oder durch seine Nähe zu den Union-Ultras.

Vor einem Jahr schien eine Trennung unausweichlich. Der damalige Zweitligist Arminia Bielefeld hatte sein Interesse an Quiring bekundet. Und Quiring – hielt Union die Treue, wollte seinen bis 2015 laufenden Vertrag erfüllen. Es blieb bei Teileinsätzen.

„Ich habe den Kopf nie hängen lassen“

Nun ist es nicht so, dass Quiring nicht auch in dieser für ihn schwierigen Phase Einsatz im Training gezeigt hätte. Doch um ein erfolgreicher Fußballprofi sein zu können, benötigt es immer zwei Personen. Den Spieler selbst – und den Trainer. Insofern darf Quiring den Wechsel von Uwe Neuhaus zu Norbert Düwel durchaus als Glücksfall für sich betrachten. Noch im Sommer hatte er zu verstehen gegeben: Wenn Neuhaus Trainer geblieben wäre, hätte er Union verlassen.

„Ich habe den Kopf nie hängen lassen“, sagt er heute. Auch nicht, als er sich nach acht Einsätzen von Beginn in Braunschweig (1:1) zunächst nur auf der Bank wiederfand. „Der Trainer hat mit mir darüber gesprochen und mir gesagt, dass ich kaputt war. Ich habe das auch selber gemerkt und dies vom Kopf her auch angenommen“, erzählt Quiring.

Es ist die Kommunikation mit dem Trainer, die ihm das Selbstvertrauen gibt. Und auch die Gewissheit, nach einem schlechten Spiel nicht gleich wieder völlig weg vom Fenster zu sein.

Gegen Düsseldorf winkt das 100. Spiel

Quiring zahlt dies mit Leistung zurück. Wie gegen Karlsruhe, als er nicht nur seinen dritten Saisontreffer erzielte, sondern auch die meisten Sprints hinlegte (38). Düwels Spielweise, schnell und geradlinig zu kontern, kommt ihm dabei entgegen. „Chrissi ist ein sehr offensiv denkender Spieler, es ist immer gut zu wissen, dass er in die Tiefe geht“, ist Mitspieler Sebastian Polter froh, Quiring neben sich zu wissen: „Er steht immer an der Abseitslinie, verhält sich aber so clever, nicht ins Abseits zu laufen.“

Aus dem Abseits ist Quiring bei Union längst zurück. Und auch wenn er die Winterpause herbeisehnt, den Auftritt am Freitag bei Fortuna Düsseldorf (18.30 Uhr, Sky) will er auf keinen Fall verpassen. Es wäre sein 100. Pflichtspieleinsatz für Union.