Hinrundenbilanz

Der 1. FC Union macht sich auf den richtigen Weg

Der Start, den Union in die Saison hingelegt hat, war katastrophal. In den vergangenen Wochen hat das Team von Trainer Norbert Düwel jedoch gezeigt, dass es die Anfangsschwierigkeiten überwunden hat.

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Mit so einem Punktgewinn bei einem Aufstiegskandidaten wie Eintracht Braunschweig lässt sich doch vortrefflich die Hinrunde in der Zweiten Liga beschließen, oder? Norbert Düwel schüttelt den Kopf, auch noch am Tag nach dem 1:1 im Stadion an der Hamburger Straße. „Mit ein wenig mehr Konsequenz wäre auch ein Sieg drin gewesen“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Ein Sieg nach einer zweiten Halbzeit, in der vornehmlich mit Mann und Maus verteidigt wurde?

Nein, es ist kein Größenwahn bei Union ausgebrochen, auch wenn so mancher Düwels Einschätzung angesichts der Tatsache, dass die Berliner noch im Herbst auf einem Abstiegsplatz standen, dafür halten mag. Es ist vielmehr der Ausdruck des neu gewonnen Selbstvertrauens, dass die Köpenicker Kicker auf dem Rasen und auch der Coach an der Seitenlinie in den vergangenen Wochen gewonnen haben. So wird Düwel nicht müde hinzuzufügen, dass es „immer noch Abstiegskampf“ sei, in dem sich seine Mannschaft nach dem dritten Spiel in Folge ohne Niederlage und dem vierten Auswärtsauftritt hintereinander mit einer Punkteausbeute immer noch befinde.

Die vergangenen Wochen haben dennoch gezeigt: Union befindet sich auf einem guten Weg, um den Dunstkreis jener Mannschaften verlassen zu können, die um den Klassenerhalt bangen. Das hat auch der Auftritt in Braunschweig wieder bewiesen. „Die vergangenen Wochen waren schon zufriedenstellend“, sagte Düwel durchaus erleichtert. Mit einer Ausnahme: „In Ingolstadt haben wir Punkte abgeschenkt“, erinnert sich Düwel nur ungern an den 3:3-Ausgleich des Tabellenführers in der Nachspielzeit, „aber gegen Greuther Fürth und 1860 München kann man in unserer Situation schon mal verlieren.“

Neue Hierarchien nach dem Weggang von Mattuschka

So bleibt eine Hinrunde, die es geteilt zu betrachten gilt. Düwel spricht von jenem Selbstläufer, den es nicht geben kann, wenn ein solcher Umbruch vollzogen wird. Mit neuem Trainer, neuem Spielsystem, „Dinge, die sich ergeben haben“, so Düwel: „Wir hatten unsere Mannschaft ja erst nach dem vierten Spieltag zusammen.“

Hinzu kam die vor allem für die Fans emotionale Trennung von Klub-Ikone Torsten Mattuschka, dadurch seien „auch ganz neue Hierarchien entstanden“, erklärte der Union-Trainer.

Wichtig sei für ihn immer nur gewesen, „was ich mit den Jungs auf dem Platz mache., Und da hatte ich nie Zweifel“, sagte Düwel am Sonntag. Das lässt sich in Zeiten des Aufschwungs natürlich immer sagen. Doch es muss auch festgehalten werden: Den Weg, den Düwel bei Union eingeschlagen hat, hat er nie verlassen. „Ballbesitz ist nicht mein Spiel, sondern das schnelle Umschalten“, machte der Trainer deutlich.

Junge Spieler übernehmen immer mehr Verantwortung

Junge Spieler wie Maximilian Thiel, der in Braunschweig seinen zweiten Treffer für Union erzielte, stehen dabei im Vordergrund. Gerade Thiel sei „ein Superspieler, der hier sehr gut reinpasst. Sein Auftreten im Spiel ist immer tadellos, er gibt immer alles, geht intensivste Laufwege. Dass er jetzt auch noch Tore schießt, freut uns umso mehr“, sagte Düwel.

Die Entwicklung der 21-jährigen Leihgabe aus Köln steht sinnbildlich für den bisherigen Saisonverlauf, den die Köpenicker unter Düwel genommen haben. Denn just als Thiel seine Eingewöhnungsphase an der Alten Försterei beendet hatte und zu seinem ersten Startelf-Einsatz gegen Sandhausen (3:1) kam, zog sich Union Stück für Stück aus dem Schlamassel.

So sieht der Trainer in seiner Hinrundenbilanz auch die Partie beim FC St. Pauli (0:3) als Schlüsselmoment an. Auch bedingt durch den frühen Platzverweis für Björn Jopek „war es uns in dieser Phase der Saison noch nicht möglich, unsere Qualitäten auf den Platz zu bringen. Aber wir waren da schon in der Verfassung, dass sich jeder mit der neuen Situation arrangiert hatte und wir eine gute Abstimmung gefunden hatten.“

Nur Karlsruhe, Ingolstadt und Braunschweig waren besser

Ein Blick auf die Punkteausbeute bestätigt den Trainer. Nach dem St.-Pauli-Spiel war Union Letzter, hatte aus neun Partien gerade einmal sieben Punkte geholt. In den darauf folgenden acht Spielen erreichten die Köpenicker 14 Zähler – nur das Spitzenduo Karlsruhe (18) und Ingolstadt sowie Braunschweig (beide 17) waren im gleichen Zeitraum besser.

„Es war eine schwierige Anfangsphase in dieser Saison. Wir hätten uns den Turnaround früher gewünscht. Aber wir sind unseren Weg weitergegangen. Am Ende hat sich das bezahlt gemacht“, sagte Düwel. Und nickte mit dem Kopf.