Norbert Düwel wollte gar nicht erst lange um den heißen Brei herumreden. „Es ist Abstiegskampf, und wir nehmen es als Spiel im Abstiegskampf an“, ordnete der Trainer des 1. FC Union das Gastspiel bei Erzgebirge Aue am Freitag (18.30 Uhr, Sky) ein. Der Blick auf die Ausgangslage der beiden Klubs – der 16. empfängt den 15. – lässt auch keine andere Deutung zu.
Und doch ist Düwels Äußerung, zudem noch derart explizit, ein Novum in der kurzen Amtszeit des 46-Jährigen an der Alten Försterei. Sie ist ein Beleg dafür, dass sich der Berliner Fußball-Zweitligist davon verabschiedet hat, die Verbesserung der sportlichen Situation würde sich schnell einstellen. Die Fans der Köpenicker sollten sich jedenfalls bis zum Saisonende auf einen Kampf um den Klassenerhalt einrichten.
Ohnehin wird die Partie in Aue vor allem für den Trainer keine wie jede andere, ungeachtet des besonderen Ostderby-Charakters. Norbert Düwel ist derjenige, der im Erzgebirge im Fokus stehen wird, mehr denn je. Nicht nur beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) wird man nach der „Stinkefinger“-Affäre gegen 1860 München genau hinschauen, wie sich der Coach an der Seitenlinie verhalten wird. Seine schriftliche Stellungnahme hat Düwel jedenfalls fristgerecht beim DFB abgegeben, bei Union wartet man nun auf ein eventuelles Strafmaß.
Eine Extremsituation im Umbruchjahr
Dann ist die Frage, ob es Düwel gelungen ist, seine Mannschaft nach dem 1:4 gegen 1860 wieder auf Kurs zu bringen. Vor allem, ob die Spieler den Abstiegskampf auch annehmen. „Ich glaube nicht, dass sie davon nichts wissen wollen“, ist Düwel zuversichtlich, dass alle den Ernst der Lage erkannt haben. Er spricht von einer „Extremsituation“, wie sie in einem „Umbruchjahr“ schon passieren könne.
Zugleich verweist er aber auch auf einen Schlendrian, der sich nach dem Zwischenhoch im Oktober offenbar breit gemacht hat: „Sieben Punkte aus vier Spielen, da könnte der eine oder andere schon sagen: Das ist in Ordnung. Aber das ist es eben nicht.“ Die Quittung gab es gegen München. Es gilt, endlich einmal 90 Minuten konzentriert am Spiel teilzunehmen, und nicht nur maximal eine Halbzeit.
„Es kann nicht sein, dass wir immer erst in Rückstand liegen und dann die Zuschauer brauchen, um wieder zurückzukommen“, monierte Flügelflitzer Christopher Quiring. Gerade in Aue kann dies verheerende Folgen haben. Oder wie es Erzgebirge-Trainer Tomislav Stipic formulierte: „Wenn das Flutlicht hier angeht, waren wir in der letzten Zeit auch immer da, extrem fokussiert und angespannt zugleich.“
Über den Kampf ins Spiel finden
Um die Blockade bei seinen Profis zu lösen, sah man Düwel zuletzt immer wieder in Einzelgesprächen mit seinen Spielern. Um auszuloten, „wer die Last der vergangenen Niederlage verdaut hat und bereit ist, locker in das Spiel gegen Aue zu gehen“. Über den Kampf soll Union ins Spiel finden. Bei einem Gegner, „der den Abstiegskampf praktisch mit der Muttermilch bekommen hat“, sagte Düwel. Der Trainer erwägt deshalb personelle Veränderungen. Ein Wackelkandidat ist zum Beispiel kein Geringerer als Damir Kreilach, der Kapitän. Gegen München blieb er zur Pause draußen, „weil er schwach war“, so Düwel.
Schon seit Monaten läuft der Kroate seiner Form hinterher. Ist die Bürde der Kapitänsbinde zu schwer für den 25-Jährigen? „In der Rückrunde der vergangenen Saison war es auch nicht der Damir Kreilach, der in der Hinrunde gespielt hat. Da war er überragend“, glaubt Düwel nicht, dass den Profi das Amt belastet. Und doch droht Kreilach zum dritten Mal in dieser Saison zu Spielbeginn die Ersatzbank. Das könnte die Chance für Björn Jopek werden, der gegen München „den erhofften Effekt von der Bank gebracht hat. Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht“.
Auch die Verteidiger Fabian Schönheim und Christopher Trimmel dürfen sich um ihre Startplätze sorgen. Für das Duo stehen Roberto Puncec und Björn Kopplin bereit. Fakt ist: Gerät Union auch in Aue unter die Räder, wird die Diskussion um Norbert Düwels Zukunft bei den Köpenickern um einiges lauter. Da braucht man nicht lange um den heißen Brei herumzureden.





