Beide Klubs haben nächste Saison den gleichen Ausrüster. Sie sind in ihrer Stadt die Nummer zwei hinter einem mächtigen und einem übermächtigen Bundesligisten. Und sie haben in dieser Spielzeit die Erwartungen nicht erfüllt. Mehr Gemeinsamkeiten zwischen dem 1. FC Union und 1860 München lassen sich schwer finden.
Wenn Union am Sonnabend die Münchner Löwen empfängt (13 Uhr, Alte Försterei), dann ist das für den Berliner Fußball-Zweitligisten eine Begegnung mit der eigenen Vergangenheit. Denn an dem Punkt, an dem sich 1860 derzeit befindet, standen die Köpenicker vor zehn Jahren ebenfalls. Während Union jene Nische, jenen Platz in der Hauptstadt gefunden hat, um neben – nicht in Konkurrenz zu – Hertha BSC zu wachsen und sich zu Stück für Stück etablieren, suchen die Blauen aus München im Schatten des großen FC Bayern schon seit mehreren Jahren ihre Identität.
Man hängt den alten Zeiten nach, in denen der DFB-Pokalsieg (1964), der Sprung ins Europacupfinale (1965) und die Meisterschaft (1966) gelangen. Noch Jahrzehnte später wähnte man sich in München auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister, den man doch einst klar hinter sich gelassen hatte. Nur die Basis wurde dabei vergessen.
„Wir mussten uns erst wieder auf unsere Werte besinnen“
Union hatte 2004 das gleiche Problem. „Wir mussten uns erst wieder auf unsere Tugenden und unsere Werte besinnen. Und darauf, dass der 1. FC Union seine Wurzeln in Köpenick hat und nicht in Mitte“, sagte Aufsichtsrat Hans-Joachim Lesching. Der Plan, Union als Verein für ganz Berlin aufzubauen, war mit dem Abstieg aus der Zweiten Liga gerade gescheitert.
Die Sechziger haben ihre sportliche Heimat im Stadion an der Grünwalder Straße längst aufgegeben. Und anstatt sich auf seine Münchner Tradition zu besinnen, bestimmt der jordanische Investor Hasan Ismaik seit 2011 die Geschicke des Klubs. Sportliche Konstanz ist seitdem nur in negativem Sinne zu verzeichnen. Gedanken an eine Rückkehr in die Bundesliga sind längst durch Sorgen um den Klassenerhalt gewichen. Und wenn selbst der einstige Erfolgstrainer Werner Lorant die Löwen als „ungeeignet für den Abstiegskampf“ abstempelt, wird deutlich, wie schlimm es um 1860 bestellt ist.
Immerhin: In der Grünwalder Straße steigt am 13. Dezember zum zweiten Mal ein Adventssingen. Ein kleiner Schritt, um zumindest den Stadtteil Giesing, die alte Heimat, stärker an sich zu binden. In der Alten Försterei findet am 23. Dezember bereits zum zwölften Mal das Weihnachtssingen statt. Die Veranstaltung ist seit Freitag mit 27.500 Besuchern ausverkauft.





