Der Sonntag war ohne Zweifel einer zum Genießen. Für die Spieler des 1. FC Union nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen, sondern wegen des freien Tages nach dem 3:1 gegen den SV Sandhausen. Ein Tag mit der Familie, abschalten von den Tagen in Kienbaum und dem Befreiungsschlag am Sonnabend. Ein Tag zum Durchschnaufen, bevor am Freitag beim VfR Aalen (18.30 Uhr) der nächste Schritt aus der Krise erfolgen soll.
Denn so schön der zweite Saisonerfolg auch gewesen ist, „erreicht haben wir noch gar nichts“, wie Stürmer Sören Brandy richtig feststellte. Ein Blick auf die Sonntagspartien bestätigt: Union hat sich zwar auf den 15. Platz vorgearbeitet, mehr aber auch nicht. Weil Erzgebirge Aue, wie Union vor dem zehnten Spieltag Schlusslicht, mit einem 4:1 im Kellerduell gegen 1860 München ebenso ein Befreiungsschlag gelang und der nächste Gegner Aalen beim 0:0 in Karlsruhe immerhin einen Zähler mitnahm. Neuer Zweitliga-Letzter ist der FSV Frankfurt nach dem 0:1 gegen Spitzenreiter FC Ingolstadt.
Es sind drei Mosaiksteine, die die Köpenicker darauf hoffen lassen, dass der Sieg gegen Sandhausen nicht wieder verpufft wie zuvor schon das 2:1 gegen RB Leipzig und Union in den nächsten Wochen ein besseres Bild auf dem Rasen abgibt als in den Wochen zuvor.
Der Teamgeist ist nach wie vor vorhanden
Punkt eins ist der Teamgeist, der offenbar weiter intakt ist. Dazu beigetragen hat das Kurztrainingslager in Kienbaum ebenso wie die Halbzeitpause gegen Sandhausen. Angesichts des 0:1-Rückstandes „haben wir uns gegenseitig angeschrien und uns klare Worte entgegengebracht, die in einer solchen Situation auch angebracht sind“, erzählte Brandys Sturmpartner Sebastian Polter. Mittendrin Trainer Norbert Düwel, der „auch einige Kraftausdrücke gebraucht hat“, wie Brandy bestätigte.
Das zeugt von Zusammenhalt und dem Willen, eine aussichtslos erscheinende Situation doch meistern zu wollen. „Worte, ohne jemanden persönlich zu treffen oder zu beleidigen“, sagte Polter. Es galt, die Fehler schonungslos anzusprechen und mit der entsprechenden Portion Wut im Bauch auf den Platz zurückzukehren. Das hat die Mannschaft gegen Sandhausen geschafft.
Der zweite kleine Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten ist Polter selbst. Zum einen, weil er sich der Kritik seiner Mannschaftskameraden stellt. „Auch mir wurde in der Halbzeit die Meinung gesagt, weil ich mich zu wenig am Spiel beteiligt habe“, erzählte die Leihgabe des Bundesligisten Mainz 05. Kritik, „die ich auch annehme“, stellte Polter klar.
Polters Tore und die Unterstützung der Fans
Seine Leistung in der zweiten Halbzeit soll hier als Bestätigung dienen. Nicht nur wegen seiner beiden Treffer, sondern auch wegen seines unermüdlichen Einsatzes. Polter rannte, warf sich in nahezu jeden Zweikampf, den er bekommen konnte, und zeigte vor dem Tor jene Eiseskälte, die nötig ist, um klare Chancen zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen. Dass Polter mit nun vier Treffern Unions bester Torschütze ist, versteht sich von selbst.
Schließlich ist da die Unterstützung von den Rängen. „Mit aller Gewalt – Klassenerhalt“ stand auf einem großen Plakat geschrieben. Zugleich wurde – unter anderem im Vorwort des Programmheftes zum Sandhausen-Spiel – noch einmal deutlich gemacht, was es heißt, als Union-Fans die Mannschaft zu unterstützen. „Trainer raus“-Rufe, wie beim 0:3 auf St. Pauli vernommen, oder ähnliches würden demnach nicht dazugehören.
Union setzt in Krisenzeiten vor allem auf Union. Dies sollte jeder Spieler im Profikader verinnerlichen. Dann könnten auch die kommenden Sonntage durchaus genossen werden, unabhängig vom Wetter.





