Zweiter Saisonsieg

Union gelingt der so sehr ersehnte Befreiungsschlag

Mit dem Sieg gegen den SV Sandhausen kann Union-Trainer Norbert Düwel nach der Talfahrt in den vergangenen Wochen ein wenig durchatmen. Doch danach sah es für den Zweitligisten lange Zeit nicht aus.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Den Abend danach, so ließ Norbert Düwel noch wissen, werde er im trauten Kreis seiner Familie verbringen. „Ich werde dann sicherlich das eine oder andere Getränk zu mir nehmen“, so der Trainer des 1. FC Union. Erleichterung schwang in seinen Worten mit. Von Genugtuung war Düwel allerdings weit entfernt, auch wenn er nach dem Sieg gegen den SV Sandhausen durchaus Grund dazu gehabt hätte. Viel mehr richtete er einen Dank an die Klubführung. „Natürlich bin ich glücklich“, so Düwel, dass die Köpenicker nach der Talfahrt der vergangenen Wochen mit dem Sturz ans Tabellenende nicht wie so viele Klubs branchenüblich reagiert haben, „weil ich noch hier bin“. Und wieder: Erleichterung.

War das 3:1 (0:1) gegen Sandhausen der so ersehnte Befreiungsschlag? „Natürlich war das ein Befreiungsschlag, wenn man zuvor einige Spiele nicht gewonnen hat“, wollte Sören Brandy, Unions Stürmer, keine andere Definition zulassen. Die Zahlen sprechen dafür: Union verlässt zumindest bis Sonntagnachmittag die Abstiegsplätze. Betrachtet man die 90 Minuten, die Union am Sonnabend vor der Saisonminuskulisse von 17.106 Zuschauern ablieferte, wird jedoch deutlich: Der zweite Saisonsieg gibt dem Zweitligisten lediglich eine Woche zum Durchatmen. „Es ist schon klar, dass wir diesen Sieg am Freitag in Aalen bestätigen müssen“, erklärte Düwel.

Es war Alois Schwartz, der Trainer der Gäste, der die Partie treffend zusammenfasste. „Wir hatten alles auf unserer Seite, sogar das Stadion“, sagte Schwartz, „aber in der zweiten Halbzeit haben wir den Gegner ins Spiel kommen lassen.“ Eine gute halbe Stunde war vorbei, als ein lautes „Aufwachen, aufwachen“ von den Rängen dröhnte. Tatsächlich waren die Hausherren keineswegs Herr im eigenen Haus. Jede Ballannahme – ein Zitterspiel. Jeder Pass – ein Offenbarungseid. Von Zusammenspiel überhaupt keine Spur. Es war ohne Zweifel die schwächste erste Halbzeit, die die Berliner in dieser Saison abgeliefert haben.

Amsif erhält den Vorzug vor Haas im Tor

Selbst als Linksverteidiger Michael Parensen die Zuschauer wild gestikulierend zu mehr Unterstützung animieren wollte, gab es nur ein zaghaftes „Eisern Union“ als Antwort. Das Gefühl, dass die Fans ihre Mannschaft längst aufgegeben haben, war fast schon greifbar. Dass Union zu diesem Zeitpunkt mit 0:1 hinten lag, war die logische Konsequenz. Sandhausens Seyi Olajengbesi konnte völlig freistehend zum Kopfball hochsteigen und Mohamed Amsif, der den Vorzug vor Daniel Haas im Union-Tor erhalten hatte, überwinden (24.).

Doch wie so oft im Fußball, so war es auch diesmal eine einzige Situation, die den Knackpunkt für die Partie bedeutete. Und – so hofft man bei den Köpenickern – auch für den weiteren Saisonverlauf. Sekunden vor der Pause hatte Damir Kreilach eingeköpft, doch der Treffer des Union-Kapitäns wurde nicht anerkannt, Stürmer Sebastian Polter hatte einen Gegenspieler weggeschoben.

Mit einer großen Portion Frust im Bauch ging es in die Kabine. „Der Trainer hat dort ein paar klare Ansagen gemacht“, erzählte Christopher Quiring. Ihm war es vorbehalten, kurz nach Wiederbeginn auch für die erste gefährliche Situation zu sorgen. Seine Flanke fand Polter, dessen Kopfball aus sieben Metern Sandhausens Torwart Marco Knaller jedoch abwehren konnte. „Von diesem Moment an waren auch die Fans wieder da“, sagte Brandy.

Zejnullahu bringt endlich Schwung

Zudem war Erol Zejnullahu nach dem Seitenwechsel für Kreilach in die Mannschaft gekommen. Und plötzlich begann Union, Fußball zu spielen. Plötzlich kamen die Pässe an, plötzlich ging es schnell über die Außenpositionen. Nach einem Doppelpass mit Quiring flankte Brandy in den Strafraum, wo Polter den umjubelten Ausgleich erzielte (52.).

Quiring (54.), Benjamin Köhler und wieder Polter (beide 55.) hatten Chancen, Union nahm mehr und mehr Fahrt auf. Endlich war etwas von jenem Fußball zu sehen, den man sich nach der Verpflichtung von Düwel versprochen hatte. Man sollte jedoch auch festhalten, dass sich die – bei allem Respekt – spielerisch limitierten Sandhäuser auch als dankbarer Gegner präsentierten.

Knapp eine Stunde war vorbei, als ein Köhler-Freistoß von der rechten Strafraumseite an den Fünfmeterraum segelte, Brandy tauchte zum Kopfball ab, und unter gütiger Mithilfe von SV-Torhüter Knaller trudelte der Ball über die Linie (59.). Union blieb torhungrig. Nachdem Polter das Kunststück fertig brachte, den Ball aus sechs Metern am Tor vorbei zu schieben (79.), vollendete der Angreifer eine Minute später zum 3:1-Endstand. „Wir haben uns selbst wieder ins Spiel eingeladen“, sagte Düwel mit entspannten Gesichtsausdruck. Das erste Getränk („ein Schluck Bier“) hatte der Union-Trainer da bereits hinter sich.