Zweite Liga

Trainer Düwel erwartet bei Union stürmische Zeiten

Zweitligist Union hofft gegen den SV Sandhausen auf den ersten Schritt aus der Krise. Ein neues Wir-Gefühl soll dem Liga-Schlusslicht helfen. Und ein Mannschaftsteil, der bislang eher enttäuschte.

Foto: Oliver Mehlis / pa/dpa

Die Einschränkungen, die die Fans des 1. FC Union am Sonnabend auf sich nehmen müssen, werden enorm sein. Der Streik der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL sowie die Unterbrechung der S-Bahn-Linie S3 werden eine frühzeitige Anreise in die Alte Försterei unumgänglich machen. Geht es nach Norbert Düwel, den Trainer des Zweitliga-Schlusslichts, ist aber gerade zum Duell gegen den SV Sandhausen ein pünktliches Erscheinen zwingend erforderlich. „Nicht, dass die Fans noch was verpassen“, sagte der Coach. Der Anstoß erfolgt um 13 Uhr.

Wenn Düwel in den Tagen nach dem Kurz-Trainingslager in Kienbaum etwas ausstrahlt, dann ist es Optimismus, auch wenn die sportliche Misere keinen konkreten Anlass dazu gibt. Doch der Coach will ein neues Wir-Gefühl ausgemacht haben. „Ich bin überzeugt davon, dass wir die Befreiung am Samstag sehen werden“, sagte Düwel. Der 46-Jährige spricht von „Wucht und Überzeugung“, mit der er die Seinen ins Spiel gehen sehen will.

Nur woher nimmt der Trainer, der in seinen Wochen bei Union bislang so viel versucht hat wie andere Trainer in einer kompletten Karriere und dennoch keinen Erfolg gehabt hat, seinen Optimismus? Es ist ausgerechnet jener Mannschaftsteil, der in den ersten neun Saisonspielen wahrlich keine Bäume ausgerissen hat: die Offensive. Zwei Testspiele hat Union in der Länderspielpause bestritten und dabei gegen den Oberligisten FC Strausberg 3:0 und gegen den russischen Erstligisten Rubin Kazan 4:0 gewonnen.

Sieg gegen Rubin Kazan als Mutmacher

Es ist vor allem der Auftritt gegen die Osteuropäer, der der Mannschaft Mut machen soll. Ebenso den Fans und auch den Entscheidungsträgern im Verein. Für die Spieler sei die Erfahrung, mal wieder Tore zu schießen, sehr wichtig gewesen. Zumal „Kazan gegen uns in guter Besetzung angetreten ist und richtig heiß auf dieses Spiel war“, berichtete Düwel. Man hätte gleich gesehen, „mit welch breiter Brust die Mannschaft nach ein, zwei Toren aufgetreten ist. So eine Führung ist schon ganz wichtig“.

Erst zweimal gelang es den Köpenickern in dieser Spielzeit, selbst das erste Tor zu erzielen. Und die Torschussbilanzen aus den vergangenen drei Partien beim 1. FC Kaiserslautern (6:18), gegen Aufsteiger Darmstadt 98 (3:14) und auf St. Pauli (4:18) sind ohne Zweifel als desaströs zu bezeichnen.

Eine Führung muss gegen Sandhausen jedoch unbedingt gelingen, wenn das erwartete – von vielen gar befürchtete – Geduldsspiel nicht in eine unerträgliche Länge gezogen werden soll. Gegen Kazan „hat man gesehen, was das für ein Brustlöser ist“, erklärte Düwel: „Ich glaube, dass das Selbstbewusstsein der Spieler mit dem Erfolg gegen diese starke Mannschaft deutlich angewachsen ist.“ Und als wollte er noch einmal mit aller Deutlichkeit seine Überzeugung von einem Ende der Torflaute unterstreichen, sagte Düwel schließlich: „Ich weiß, dass wir Tore schießen können.“

Nur sechs Törchen in neun Spielen

Inwiefern Hoffnung der Vater dieses Gedankens gewesen ist, lässt sich an einer Zahl ablesen: sechs. Ganze sechs Törchen hat Union in der Liga bislang erzielt. Vor diesem Spieltag gab es keine Mannschaft, die noch schlechter getroffen hat. Und Düwel weiß: Nur Tore und daraus resultierende Siege können ihn vor einem möglichen frühen Ende bei Union retten, das unweigerlich eintreten würde, wenn der Erfolg weiter ausbleibt.

Neben dem offenbar neu gewonnenen Selbstvertrauen innerhalb des gesamten Kaders sind es zwei Spieler, die zusätzlich Mut machen. Da ist zum einen Adam Nemec. Der Stürmer weilte bei der slowakischen Nationalmannschaft und kehrte mit den Siegen gegen Europameister Spanien (2:1) und Weißrussland (3:1) an die Alte Försterei zurück. Als Spitzenreiter der Gruppe C stehen die Chancen auf ein Ticket für die Europameisterschaft 2016 in Frankreich für Nemec nicht schlecht. Das dürfte dem 29-Jährigen einen Schub verleihen.

Daneben steht die Rückkehr von Martin Kobylanski kurz bevor. Der polnische U21-Nationalspieler sei „ein Kandidat für Sandhausen“, bestätigte Düwel, zumal Mittelfeldspieler Björn Jopek wegen seiner Rotsperre aus dem St.-Pauli-Spiel fehlt. Kobylanski hatte sich Mitte September einen Innenbandteilabriss im rechten Knie zugezogen. Nach erfolgreicher Reha und einem bestandenen Belastungstest war er noch am Montag der Mannschaft nach Kienbaum nachgereist. Seit Dienstag hat der 20-Jährige alle Trainingseinheiten mit seinen Teamkollegen bestritten. Schon bei seinen ersten Kurzauftritten gegen Nürnberg (0:4) und danach bis zu seiner verletzungsbedingten Auswechslung in Heidenheim (1:3) hatte er in Ansätzen gezeigt, welche Verstärkung er mit seinem schnellen Spiel sein kann. Die Zeitpunkt, um neu durchzustarten, könnte für Kobylanski kaum besser sein.

Ansetzungen spielen Union in die Karten

Zudem ist es ein Spieltag, der für eine neue Aufbruchstimmung in Köpenick sorgen könnte. Erzgebirge Aue, wie Union Letzter, empfängt am Sonntag 1860 München (15. Platz) zum Kellerduell. Und der FSV Frankfurt (16.) spielt gegen aufstiegsambitionierte Ingolstädter. Ein Sieg gegen Sandhausen und der Anschluss ans untere Mittelfeld könnte wieder hergestellt sein.

Auch muss es kein Nachteil sein, dass Sandhausen gleich neun Spieler ersetzen muss, die verletzungsbedingt ausfallen, darunter Stammtorwart Manuel Riemann. Bei Union wird man die Personalmisere des Gegners nur am Rande wahrgenommen haben. Der Fokus liegt auf der Stärkung der eigenen Mannschaft. Um in Kienbaum nichts auszulassen, schickte Düwel seine Spieler sogar in die Kältekammer. „110 Grad minus – ist schon frisch“, sagte der Trainer.

Bleibt zu hoffen, dass seine Spieler gegen Sandhausen vor dem Tor genau so eiskalt zuschlagen.