Kurz vor Schluss wirkte es wie ein freudiger Fußball-Nachmittag. Gut ein Dutzend bunter Luftballons flog durch den Strafraum des FC St. Pauli. Nerven für solche Dinge hatten die Spieler des 1.FC Union derweil nicht. Ihnen lief die Zeit davon, wieder einmal. Und sie konnten sie auch nicht mehr einholen. In Hamburg verloren die Köpenicker mit 0:3 (0:1) und gehen damit als eine Mannschaft, die in der Zweiten Liga mitten im Abstiegskampf steckt, in die Länderspielpause.

Die Unruhe wächst nun bei den Berlinern. „Im Training helfen wir uns, spielen richtig gut zusammen. Aber im Spiel ist davon nichts zu sehen“, sagte Fabian Schönheim. Er war diesmal im linken Mittelfeld im Einsatz, nachdem Trainer Norbert Düwel erstmals Michael Parensen berufen hatte und hinten links aufstellte. Mit Christopher Quiring für Sören Brandy und Baris Özbek für Christopher Trimmel besetzte Düwel sein Team gegenüber dem 1:1 gegen Darmstadt auf zwei weiteren Positionen um.

An sich war die Konstellation günstig für die Berliner, auch St. Pauli hatte noch nicht gut in die Saison gefunden und zudem gleich fünf Verletzte zu beklagen. Anfangs schienen die Köpenicker sehr entschlossen, diesen Vorteil zu nutzen. Mit gutem Pressing schoben sie sich nach vorn. Doch alle guten Vorsätze wurden schnell nichtig.

Nachdem der Ball am eigenen Strafraum erst geklärt worden war, verlor Björn Jopek ihn wieder und brachte beim Rettungsversuch den Hamburger Ante Budimir im Strafraum zu Fall. Jopek sah die Rote Karte, und Christopher Nöthe verwandelte den fälligen Elfmeter zur Führung für die Gastgeber (23.).

Zu zehnt klappt nur wenig

„In dieser Situation war es wie so häufig in den letzten Wochen, ein individueller Fehler, der dazu führte, dass wir den Dingen hinterherlaufen müssen“, so Trainer Düwel. Der Gegentreffer nahm den Köpenickern viel von ihrem Elan, es funktionierte nur noch wenig. „Zu zehnt konnten wir nicht umsetzen, was wir uns vorgenommen hatten“, sagte Schönheim.

Zwar konnten die Hamburger mit der numerischen Überlegenheit nur wenig anfangen, doch Union war zu sehr damit beschäftigt, die entstehenden Löcher zu stopfen, statt selbst noch etwas zu bewegen. „Wir haben versucht, das Spiel durch Konter oder einen Standard vielleicht noch in eine andere Richtung zu bekommen. Das ist uns nicht gelungen“, so Düwel, der mit Sören Brandy, Bajram Nebihi und Adam Nemec dreimal offensiv wechselte.

Typisch für die Situation der Berliner gelang St. Pauli jedoch durch Marc Rzatkowski das 2:0 (73.). Dabei traf der Mittelfeldspieler erst nach mehreren unbeholfenen Abwehrversuchen der Unioner. Kurz vor dem Ende sorgte Angreifer John Verhoek mit einem strammen Schuss nach einem Konter für das 3:0 (88.).

Punkt- und torgleich liegen die Köpenicker nach neun Spielen mit nur einem Sieg nun mit Erzgebirge Aue auf Relegationsrang 16. Wobei Schlusslicht FSV Frankfurt sogar noch vorbeiziehen könnte. „Wir müssen uns langsam damit abfinden, dass es gegen den Abstieg geht. Wir sind von der 40-Punkte-Marke weit entfernt“, räumte Stürmer Sebastian Polter ein. Da von den erhofften Fortschritten nur wenig zu sehen ist, wird es um Umfeld der Köpenicker ungemütlicher. Aus dem Berliner Block im Millerntor-Stadion waren schon „Düwel-raus-Rufe“ zu hören.

Zwei Wochen bleiben dem Trainer jetzt, um erneut zu justieren und seiner Mannschaft den Weg zu besseren Leistungen zu weisen. Mit dem Spiel gegen Sandhausen beginnt eine entscheidende Phase für den 1.FC Union.

BM