Langsam geht es an die Nerven. Eigentlich sollten längst Fortschritte und mit ihnen Punkte da sein. Doch jeder Versuch, aus dem Konjunktiv zu fliehen, endet doch wieder mit einer Enttäuschung für die Fußball-Profis des 1. FC Union. So wie zuletzt gegen Darmstadt, den Aufsteiger in die Zweite Liga. Da sah es trotz Unentschieden (1:1) sogar ein bisschen nach Rückschritt aus. Drei Torschüsse im Heimspiel, dafür aber 14 vom Gegner.
Wenigstens, so könnte man sagen, passt sich die Abwehr in ihrer Arbeit nicht dem Angriff an. Die kann wie gegen Darmstadt passabel stehen. Teil dieser Abwehr ist seit dieser Saison Toni Leistner. Als einer von nur vier Profis der Berliner absolvierte der Zugang alle acht Partien komplett. Der 24-Jährige spielte sich überraschend schnell fest in der Defensive. „Gehofft habe ich das schon, gerechnet aber nicht damit. Ich habe im Training Vollgas gegeben, um dem Trainer die Entscheidung so schwer wie möglich zu machen“, sagt er.
Bislang verlief seine Karriere wesentlich ruhiger, bei Dynamo Dresden war er lange hinten dran. Zwischendurch wurde er nach Halle ausgeliehen, sammelte in der Dritten Liga etwas Spielpraxis. Zum Ende der vergangenen Saison setzte er sich auch in Dresden durch. Bei Union sind sie davon ausgegangen, dass das ebenso in Berlin gelingen würde. „Toni hat seine Möglichkeiten genutzt und gezeigt, dass er seinen Platz haben möchte“, sagt Trainer Norbert Düwel. Leistner setzt seinen Körper kräftig ein, ist ein robuster Abräumer in der Innenverteidigung. Dieses kampfbetonte Auftreten gefällt Düwel. Obwohl es Leistner schon drei Gelbe Karten einbrachte.
Manchmal ist ihm anzumerken, dass er weniger Erfahrung hat als seine Abwehrkollegen. Etwas ungestüm geht er einige Situationen an, daraus resultierten auch schon Gegentore. „Den Nervenkitzel brauche ich eigentlich nicht“, sagt er. Momentan fehlt aber allgemein die Sicherheit in der Mannschaft, das macht Leistners Aufgabe nicht leichter. Die Berliner brauchen Selbstvertrauen, doch das kommt nur mit Siegen.
Union muss sich mit dem Abstiegskampf auseinandersetzen
Weil die auch beim FC St. Pauli fehlen, kommt es am Sonnabend in Hamburg zum Duell der Enttäuschten (13 Uhr, Sky). Beide Klubs könnten sich leicht auf Abstiegsplätzen wiederfinden nach dem bevorstehenden Spieltag. Dass sich Union mit dem Thema auseinandersetzen muss, ist für Leistner klar: „Ich denke, es ist jetzt schon Abstiegskampf, so viel Vorsprung auf einen Abstiegsplatz haben wir nicht.“ Genau genommen hat man gar keinen Vorsprung mehr, sondern ist nach den Freitagspielen schon punktgleich mit Aue auf Rang 17.
Vielleicht erweist sich der bullige Verteidiger aus Dresden da als sehr hilfreich. Mit Dynamo stieg er vergangene Saison ab, er weiß, was man falsch alles machen kann. „Eigentlich bin ich hierher gekommen, um so etwas nicht wieder zu erleben. Aber ich weiß, worum es geht im Abstiegskampf. Ich hoffe, dass wir die nächsten Spiele so bestreiten werden, dass wir das schnell korrigieren können“, erzählt Leistner. Ein paar grundlegende Unterschiede zwischen der Situation damals und jetzt hat er bereits ausgemacht: „Die Mannschaft hat mehr Qualität, die interne Geschlossenheit ist größer. Da waren in Dresden schon gewisse Lager, die sich gebildet haben. Das ist bei Union auf keinen Fall so.“
Diese Qualität muss sich nur langsam zeigen, die Berliner hoffen auf den Knoten, der endlich platzt. Um an diesen Punkt zu kommen, muss der Angriff mindestens ähnlich gut funktionieren wie Leistners Abwehr.





