Zweite Liga

Union empfängt Darmstadt 98 zum Duell der Trainertypen

Keiner hat zuletzt einen solch positiven Eindruck in Darmstadt hinterlassen wie Trainer Dirk Schuster. Norbert Düwel will bei Union ähnlich beeindrucken. Dabei sind beide Trainertypen völlig verschieden.

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Es gibt Berufe, für die sollte man sich berufen fühlen. Trainer einer Fußball-Mannschaft ist solch ein Beruf. Diesen Drang, Spieltag für Spieltag an der Seitenlinie zu stehen, hatte Dirk Schuster nach seiner aktiven Karriere nie gehabt. Dass er sich dennoch dazu aufraffte, den Trainerlehrgang 2007 abzuschließen, noch dazu als Jahrgangsbester, hatte nur den Hintergrund, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein. Beim SV Darmstadt 98 ist man Schuster sehr dankbar für diese Entscheidung.

Etwa zur gleichen Zeit wie Schuster erwarb Norbert Düwel seine Trainerlizenz beim Schweizer Verband. Auch als Jahrgangsbester. In ihm war der Wunsch, einmal als Cheftrainer die Verantwortung für eine Profimannschaft zu übernehmen, viel klarer ausgeprägt. Der 1. FC Union gab Düwel im Sommer diese erste Chance.

Am Sonnabendnachmittag (13 Uhr) empfängt Union nun Darmstadt. Die Eisernen gegen die Lilien – das ist vor den erwarteten 18.500 Zuschauern in der Alten Försterei nicht zuletzt das Duell zweier unterschiedlicher Trainertypen, die zusätzlich noch mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in die Spielzeit gestartet sind.

Umbau noch ohne erhofften Erfolg

Auf der einen Seite Norbert Düwel, der Smarte. Seit Saisonbeginn hat der 46-Jährige das sportliche Sagen an der Alten Försterei. Die Mannschaft, die er übernommen hatte, war intakt, aber nicht so erfolgreich, wie sie vielleicht hätte sein können. Oder wie es sich die Klubverantwortlichen gewünscht hatten.

Der Umbau, den der neue Trainer vorgenommen hat, war die logische Konsequenz. Neue Spieler, eine neue Spielphilosophie, neue Trainingsinhalte – an der Alten Försterei hat man gewaltig umdenken müssen. Ein Vorgang, dessen Spuren auch im Spiel der Köpenicker immer noch sichtbar sind. Union bildet längst noch nicht diese Einheit auf dem Platz, die benötigt wird, um nicht nur in der Zweiten Liga erfolgreich Fußball spielen zu können.

Auf der anderen Seite Dirk Schuster, der Harte. Als der ebenfalls 46-Jährige in Darmstadt das Kommando übernahm, stand der Klub am Abgrund in Richtung Regionalliga. Nur weil der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Kickers Offenbach die Lizenz für die Saison 2013/14 verwehrte, durften die Südhessen weiter im Drittliga-Konzert mitspielen. Sie taten dies mit einem Erfolg, der jeden beim früheren Bundesligisten überraschte. Rang drei am Ende der Spielzeit, gefolgt von einer verrückten Relegation.

Aus einer Mannschaft, die keine war, ein Team geformt

Nach dem 1:3 im Hinspiel gegen Arminia Bielefeld hatte kaum noch jemand auf den Drittligisten gesetzt. Als im Rückspiel in der Nachspielzeit der Verlängerung das erlösende 4:2 fiel, hatte Schusters Statement mehr Wahrheit denn je: „Schreibt uns erst ab, wenn wir nach dem Spiel unter der Dusche stehen.“ Der gebürtige Karl-Marx-Städter hatte in nur einem Jahr aus einer Mannschaft, die keine war, ein Team geformt, das mit der Aufstiegseuphorie im Rücken nun auch die Zweite Liga kräftig aufmöbelt.

Darmstadt und Schuster, das passt. Der einstige DDR-Auswahlspieler gilt als Arbeiter, so ist er schon als Profi gewesen, in Braunschweig, Karlsruhe oder Köln. Er selbst sagt von sich, nicht das größte Talent in seinem Sport gewesen zu sein. Andere seien „deutlich begnadeter“ gewesen.

Der Teamgedanke steht bei ihm im Vordergrund, seine Spieler bezeichnen ihn als ehrliche Haut und Geradeaus-Mensch. Ärmel hochkrempeln, Aufgaben anpacken, das sind seine Maximen. „Ich brauche die große weite Schicki-Welt nicht“, lässt er wissen. Ansprachen hält Schuster seinem Gegenüber direkt ins Gesicht, das sei besser als „Rumgelutsche“, so der ehemalige DFB-Nationalspieler.

Düwels Erfahrung ist vielschichtiger

Malochermentalität, Teamgeist, Bodenständigkeit – all das sind eigentlich Attribute, die man gemeinhin mit Union verbindet. Düwel wiederum ist ein Trainer, der in seiner bisherigen Karriere – wenn auch nur in zweiter Reihe – die große Fußballwelt erlebt hat. Ajax Amsterdam, FC Basel, Bayern München, Schalke 04, Inter Mailand, Manchester United – der Union-Coach war als Hospitant in halb Europa, hinzu kommen die Jahre als Chefcoach der deutschen Studentinnenauswahl und als Co-Trainer in Hannover.

Zudem ließ Düwel als Buchautor über Frauenfußball und Trainingstipps für Kinder aufhorchen. Das prägt und ist in Sachen Erfahrungsumfang sicher vielschichtiger als das Spielertrainerjahr beim ASV Durlach oder die Zeit bei den Stuttgarter Kickers, mit der Schuster ins Trainerbusiness gestartet ist.

Der bisher erzielte Erfolg gibt jedoch Schuster Recht. Und während der Gäste-Trainer vor allem dafür sorgen muss, dass seine Spieler trotz des Höhenflugs „komplett auf dem Boden“ bleiben, muss Düwel nach dem blutleeren Auftritt von Kaiserslautern vor allem an seine etablierten Profis appellieren: „Als gestandener Spieler muss ich in der Lage sein, den Schalter umzulegen. Viele haben ja den Anspruch, Führungsspieler zu sein.“ Gegen Darmstadt („eine sehr unangenehme Mannschaft, die einen ungeheuren Lauf hat“) erwarte er eine Reaktion.

Kampf muss Trumpf sein am Sonnabend. Doch wenn ein Team derzeit kämpfen kann, dann Darmstadt.