Nein, einfach so wollte Toni Leistner dem Gegner das Tor nicht zugestehen. Also machte sich der Innenverteidiger des 1. FC Union in der dritten Nachspielminute auf, um Ruben Jenssen zu verfolgen. Der Norweger in Diensten des 1. FC Kaiserslautern hatte sich, von drei Mitspielern begleitet, auf und davon gemacht, nachdem ein letzter Freistoß der Unioner keinen Abnehmer gefunden hatte.

Auch Torwart Daniel Haas nicht, der mit nach vorn geeilt war. Und Leistner gelang das schier Unmögliche, er luchste Jenssen elf Meter vor dem Tor, das nur noch von Björn Jopek bewacht wurde, den Ball ab. An der Niederlage konnte der Abwehrmann jedoch nichts mehr ändern. Union verliert 0:1 (0:0) in der Pfalz. Verdient.

„Es war ein hochverdienter Sieg von Kaiserslautern“, haderte Union-Trainer Norbert Düwel. „Wir hatten 70 Minuten lang keinen Zugriff auf das Spiel.“ Dabei hatte der Coach der gleichen Elf vertraut, die am Sonntag gegen RB Leipzig den ersten Sieg in dieser Saison eingefahren hatte. Viel Grund für Änderungen gab es auch nicht. Das neue Selbstvertrauen nach dem ersten Dreier war den Köpenickern anzumerken. Zwar übernahmen die Pfälzer sofort das Kommando, doch Union ließ sich zunächst nicht aus der Ruhe bringen.

Kampfbetonte Anfangsphase

Im Gegenteil, die Köpenicker hielten in einer kampfbetonten Anfangsphase gut dagegen. Fabian Schönheim hielt Jean Zimmer fest (12.), Leistner räumte Srdjan Lakac ab (16.) – Union stemmte sich robust gegen die Lauterer Angriffe, Gelbe Karten inklusive. Und die Gäste hatten auch die erste Chance, wenn auch unter gütiger Mithilfe des Gegners: Nach einem Abschlag von Torwart Haas landete der Ball bei Brandy, doch der Angreifer setzte seinen Heber zu hoch an. Auf der Gegenseite hielten die Gastgeber mit einem Kopfball von Kerem Demirbay aus fünf Metern über das Tor dagegen (21.).

Dies war der Moment, in dem die Partie zugunsten der Lauterer kippte. Das Team von Coach Kosta Runjaic übernahm mehr und mehr das Kommando. Etwaige Entlastungsangriffe über den flinken Zejnullahu wurden früh gestoppt. Und die Chancen mehrten sich auf Seiten der Roten Teufel. Roberto Puncec ließ Demirbay schießen, Haas konnte den Ball gerade noch mit den Fingerspitzen zur Ecke klären (29.), drei Minuten später setzte Matmour einen Kopfball vorbei.

Logische Folge war das 0:1 durch Alexander Ring. An der Entstehung dieses Treffers waren die Unioner jedoch massiv beteiligt – indem sie nichts taten. Ex-Unioner Markus Karl konnte 25 Meter vor dem Tor ungehindert quer auf Matmour spielen, der hatte beim direkten Weiterleiten auf Ring ebenfalls keine Gegenwehr. Ring schließlich ließ den Ball mit der Brust prallen, drehte sich und drosch das Spielgerät nach zwei Schritten Anlauf oben rechts ins Eck. Keeper Haas hatte keine Chance (42.).

Lautern-Keeper Sippel greift in 84. Minute das erste Mal ein

Nach dem Wechsel tat sich lange Zeit wenig. Lautern verwaltete, Union fiel wenig ein, um daraus Kapital zu schlagen und hatte noch Riesenglück, dass Philipp Hofmann den Ball aus fünf Metern über das leere Tor setzte (75.)

Bezeichnend: Erst in der 84. Minute musste FCK-Keeper Tobias Sippel erstmals eingreifen nach einem Schuss von Jopek. Wenig später war der Torwart bei einem Özbek-Volleyschuss im Anschluss an einen Eckball zur Stelle. Zu wenig, um wenigstens noch einen Punkt mitnehmen zu können. „Insgesamt war das heute ein Klassenunterschied. Normalerweise geht das hier 3:0 aus“, wollte Union-Torwart Haas nichts beschönigen.

Nächster Gegner ist am Sonnabend Darmstadt 98 (13 Uhr, Alte Försterei). Der Aufsteiger feierte am Mittwoch ein 4:0 (3:0) gegen den FSV Frankfurt.