Die Mitteilung auf der Homepage des 1. FC Union am Donnerstag war nicht zu übersehen. Sie handelte von Abschied. „Tschüß 2014!“ stand da geschrieben, im Hintergrund ein Feuerwerk. Was man eben so verbindet mit den Feierlichkeiten, die an Silvester stattfinden werden und in der Schlosserei der Haupttribüne in der Alten Försterei in gut einem Vierteljahr auch stattfinden können.
Zyniker werden nun feststellen, dass dies die Sehnsucht des Berliner Fußball-Zweitligisten ist, dieses Jahr so schnell wie möglich zu verabschieden, am liebsten schon jetzt. Wobei es nicht wirklich Grund zum Feiern gibt.
Nein, für ausgelassene Stimmung, wie man sie gern zum Jahreswechsel hat, ist bei Union wirklich keine Zeit. Das 0:1 in Kaiserslautern, die dritte Niederlage in den vergangenen vier Spielen, das Verharren auf dem 15. Platz und damit der Abstiegsregion so nahe zu sein wie nur möglich – all das nagt am Selbstbewusstsein der Köpenicker Kicker. Viel mehr jedoch tut es die spielerische Armut, mit der Union sich auf dem Betzenberg am Mittwochabend präsentiert hat.
Aus der Vergangenheit nichts gelernt
„Wir haben viel zu spät erkannt, was wir investieren müssen, um hier erfolgreich zu sein“, sagte Unions Trainer Norbert Düwel. Sein enttäuschter Blick, zu Boden gerichtet, sprach dabei Bände. „20 Minuten reichen nicht im Fußball. Das haben wir schon einmal im Pokal erlebt“, erklärte Düwel. Beim 1:2 Mitte August in Heidenheim. „Dass wir aus dieser Geschichte nicht gelernt haben, ist nicht so gut“, bilanzierte der Coach.
Begriffe wie „völlig mutlos“ (Düwel) oder „ängstlich, mit zu viel Respekt“ (Fabian Schönheim) werden genannt. Analysen, die belegen, welch fragiles Gebilde der Union-Jahrgang 2014/15 immer noch ist. Es fehlt an Spielern, die die Führung übernehmen in solchen Situationen, die Mitspieler mitreißen oder mit einer Aktion wieder wachrütteln können. Selbst jene Profis, von denen man die entsprechende Präsenz auf dem Platz erwarten darf, verschwanden in Kaiserslautern wieder in der breiten Masse der Enttäuschenden.
Kapitän Damir Kreilach, Schönheim, Benjamin Köhler, Sören Brandy, Baris Özbek – alles gestandene Profis, die es jedoch nicht vermögen, ihre Teamkollegen in solchen Situationen wachzurütteln. Einzig Schönheim stemmte sich in der schwachen ersten Halbzeit mal mit einem taktischen Foul gegen das drohende Unheil und versuchte damit, ein Zeichen zu setzen. Zu wenig, um aus dem Ligakeller herauszukommen. Und „in den letzten 20 Minuten war das Spiel nicht mehr so zu korrigieren, wie es für uns wünschenswert gewesen wäre“, sagte Trainer Düwel. Die Ernüchterung schwang in seiner Stimme mit.
Union lässt den Gegner kombinieren
Union reagierte nur, anstatt zu agieren. Mit einer solchen Einstellung ist vor allem in Kaiserslautern, wo Gast-Mannschaften seit jeher ein Hexenkessel erwartet, wenig zu holen. Selbst wenn erneut im 4-4-2-System gespielt wird, einer Formation, die der Großteil der Mannschaft noch aus den vergangenen Jahren kennen und umsetzen können sollte. „Kaiserslautern hatte gute Ballstafetten und uns viel laufen lassen. Dann kann man natürlich nicht bestehen“, sagte Verteidiger Schönheim. Doch solche Ballstafetten wie vor dem Gegentor sind meistens nur dann möglich, wenn sie der Gegner auch zulässt, so wie Union am Mittwoch.
Keine Frage, Union braucht ein spielerisches Feuerwerk, um am Sonnabend gegen Aufsteiger Darmstadt 98 den zweiten Saisonsieg einfahren zu können. Es gilt, die so oft beschworene Serie zu starten, die den Klub aus den Tabellenniederungen hinausführt. Dann ist eine rauschende Silvesterparty am Jahresende vielleicht doch noch möglich.





