2. Bundesliga

Debakel für Union - Erste Niederlage und zwei Platzverweise

Union Berlin hat die erste Niederlage der Saison gegen den 1. FC Nürnberg kassiert: Die Hauptstädter wurden mit einem 4:0 vom Platz gefegt, die Berliner Dausch und Trimmel wurden vom Platz gestellt.

Foto: Daniel Naupold / dpa

Daniel Haas stand wie ein begossener Pudel in der Mixedzone des Stadions an der Alten Försterei. „Es gibt Tage, da gibt es auf dem Platz kein Loch, das groß genug ist, um sich einzugraben“, sagte der Torwart des 1. FC Union.

Dessen Trainer Norbert Düwel sprach schlicht von einem „bitteren Abend“ und einem „gebrauchten Tag“. Der Berliner Fußball-Zweitligist kassierte gegen den 1. FC Nürnberg seine erste Saisonniederlage. Und dann gleich eine, die richtig schmerzt. Ein 0:4 (0:2) vor heimischer Kulisse hatte es zuletzt im März 2012 gegen Eintracht Frankfurt gegeben.

Beste Möglichkeiten vergeben, haarsträubende Fehler in der Defensive – und dann auch noch zwei Platzverweise, von denen zumindest einer diskussionswürdig ist: Es war ein Abend, an dem alles schief lief für Union. „Wir wollten an die Leistung vom Bochum-Spiel anknüpfen, das ist uns nur fünf Minuten gelungen“, sagte Düwel.

„Das war keine Rote Karte“

Spätestens mit der Roten Karte gegen Martin Dausch kurz vor der Pause war die Partie zugunsten der Franken entschieden. Eine eher unglückliche Situation, die der unsichere Schiedsrichter Frank Willenborg (Osnabrück) offenbar als grobes Foul des Mittelfeldspielers auslegte.

Was war passiert? Nürnbergs Daniel Candeias lief mit dem Ball am Fuß von hinten auf Dausch auf, der den Arm hoch riss. Das Problem: Sein Ellenbogen war in Halshöhe des Club-Spielers, wodurch der Zusammenstoß eine zusätzliche Dynamik bekam.

Dausch war am Boden zerstört. „Es war ein Zweikampf im Mittelfeld“, versuchte er die Szene noch einmal gedanklich durchzuspielen: „Ich sehe, wie der Gegenspieler an mir vorbei will und merke schon: Das wird knapp. Also nehme ich den Arm nach oben, um zu schützen.“ Der Mittelfeldspieler hofft nun auf den Deutschen Fußball-Bund (DFB). „Wenn der DFB konsequent ist, darf das keine Sperre geben. Das war keine Rote Karte, denn es war weder eine Tätlichkeit noch ein Foul.“

Ein Abend, an dem alles schief ging

Schon wenige Minuten zuvor stand Dausch die Ernüchterung ins Gesicht geschrieben, als auf der Auswechseltafel seine Rückennummer 10 aufleuchtete. Ein Fehler des vierten Offiziellen, statt der 10 sollte die 8 von Baris Özbek erscheinen, der dann auch für Martin Kobylanski, den gerade verpflichten neuen Stürmer, Platz machte.

Eben ein Abend, an dem alles schief ging. „Ich wollte mit einem zweiten echten Stürmer noch etwas nach vorn entwickeln“, begründete Düwel die personelle Maßnahme. Da lag seine Mannschaft bereits 0:2 hinten. Dabei hatte der Trainer vor 20.421 Zuschauern erneut auf die Startformation gesetzt, die zuvor in Bochum einen leichten Aufwärtstrend erkennen ließ. Also mit Dausch und Björn Jopek im offensiven Mittelfeld hinter Sören Brandy als einziger Spitze.

Den Gegner zu Toren eingeladen

Und Union legte auch forsch los, ein Jopek-Freistoß aus 20 Metern klatschte an die Latte. „Das war dann der Weckruf für den Gegner“, sagte Düwel. Wer auf Nürnberger Verunsicherung nach nur drei Punkten aus drei Spielen gesetzt hatte, wurde nach sieben Minuten eines Besseren belehrt. Özbek lässt Robert Koch ziehen, der legt den Ball quer auf Candeias. Der Stürmer nimmt Maß und drischt den Ball an Torwart Daniel Haas vorbei ins Tor, 0:1. Nach einer halben Stunde erhöhte Timo Gebhardt per Kopf auf 0:2, nachdem Candeias hatte flanken dürfen; Unions Toni Leistner war zu spät rausgerückt.

„Wir haben den Gegner zu Toren eingeladen“, sagte Haas, der nicht seinen besten Tag erwischt hatte. Denn nach dem 0:3 durch den eingewechselten Peniel Mlapa mit dessen erster Ballberührung (67.) ließ sich der Union-Keeper durch Koch – ähnlich wie beim ersten Gegentreffer – auch noch im kurzen Eck düpieren (78.).

Und Union? Es ist nicht so, dass die Köpenicker über die gesamten 90 Minuten die unterlegene Mannschaft gewesen sind. Wie schon in Bochum wurde wieder versucht, schnell in die Spitze zu spielen. Das gelang jedoch zu wenig. Und wenn, dann zog Dausch seinen 18-Meter-Schuss nach schöner Kombination über Jopek und Brandy am Tor vorbei (28.), rutschte Brandy der Ball frei vor dem Tor über den Schuh (32.) oder verstolperte Verteidiger Fabian Schönheim das Spielgerät (78.).

Versuche mit der Brechstange

In Unterzahl versuchte es der 1. FC Union in Halbzeit zwei zudem meist mit der Brechstange. Das misslang und zog zu allem Übel auch noch einen zweiten Platzverweis nach sich, an dem es jedoch nichts zu rütteln gibt. Christopher Trimmel, gerade erst wegen eines taktischen Fouls mit Gelb verwarnt, ging mit gestrecktem Bein in einen Zweikampf mit Nürnbergs Petrak – am gegnerischen Strafraum. Gelb war auch hier die logische Folge, und da es die zweite gewesen ist, war auch für den Österreicher der Arbeitstag frühzeitig beendet (63.).

So konnte nach 90 packenden Zweitliga-Minuten nur Nürnbergs Trainer Valerien Ismael zufrieden sein: „Heute wurde eine Mannschaft geboren. Die Spieler haben sich für ihren Zusammenhalt belohnt.“ Das würden man über den 1. FC Union auch gerne sagen.