Zweite Liga

Unions Björn Jopek ist angekommen in der Zentrale

Das Eigengewächs Björn Jopek lässt Union mit seiner starken Leistung im Mittelfeld gegen Bochum an den ersten Sieg glauben. Der soll am Freitag gegen den Bundesliga-Absteiger Nürnberg geschafft werden.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Hände hatte er in den Taschen seiner Trainingshose vergraben, als Björn Jopek zum Auslaufen schlenderte. Genauer gesagt zum Ausfahren, mit dem Rad. Auch Martin Dausch konnte schon wieder lachen, trotz des notwendigen Verbandes über dem geschwollenen linken Auge, resultierend aus der Platzwunde von Montagabend. Das 1:1 in Bochum, das dritte Remis im dritten Zweitliga-Spiel, es wurde offensichtlich positiv bewertet, nachdem die Protagonisten eine Nacht darüber geschlafen hatten.

Ja, Union muss weiter auf den ersten Sieg in dieser Spielzeit warten. Doch die Leistung der Köpenicker Kicker lässt hoffen, dass Trainer Norbert Düwel, die Mannschaft und die Fans sich nicht mehr allzu lange danach sehnen müssen. Vielleicht klappt es ja schon am Freitag gegen den völlig verunsicherten Erstliga-Absteiger 1. FC Nürnberg (18.30 Uhr, Alte Försterei). In Bochum war bislang jedenfalls am deutlichsten zu sehen, wohin Düwel die Mannschaft entwickeln will. Und Jopek sowie Dausch waren dabei zwei Hauptakteure.

Schnell und geradlinig wolle er spielen lassen, betont der Coach immer wieder. Das klappte in Bochum in vielen Phasen recht gut – dank Jopek. In Bochum habe der Mittelfeldspieler „die Tugenden gezeigt, die ich immer wieder von ihm sehen wollte“, erklärte Düwel. Jopeks Spiel ist stets nach vorne ausgerichtet. Nicht immer mit der Dynamik, die man sich vielleicht erhofft, aber immer mit dem Auge für die Situation. Jopek ist ein Spieler, der dank seiner technischen Fähigkeiten immer in der Lage ist, seine Nebenleute gut aussehen zu lassen.

„Er ist vielseitig einsetzbar und hat enormes Potenzial“, sagte Düwel über den Blondschopf: „Er kann immer wieder gute Bälle in die Tiefe spielen.“ Steilpässe in die so oft zitierte Schnittstelle, die aufgrund des Risikos nicht immer den eigenen Mitspieler erreichen, so wie einige Male in der ersten Halbzeit gegen Bochum. Wenn der Pass jedoch ankommt, wird es brandgefährlich und führt – wie beim 1:0 durch Sören Brandy – auch zum Torerfolg. Fabian Schönheim war derjenige, der von Jopeks gutem Auge profitierte und Brandy dadurch mustergültig bedienen konnte.

Langer Weg zurück nach einer Knieverletzung

Keine Frage, der 21-Jährige blüht mehr und mehr auf nach einem wahren Seuchenjahr. Am letzten Spieltag der Saison 2012/13 hatte sich Jopek das Kreuzband gerissen – beim 2:1 in Bochum. Vergangene Spielzeit kämpfte er dann verzweifelt um Anschluss, doch immer wieder gab es Rückschläge. Nun sieht man ihn wieder lachen, selbst wenn wie gerade in Bochum noch der Sieg verspielt wurde. „Wir haben die taktische Flexibilität, um den Gegner zu überraschen“, sagte Jopek, der genau weiß, wie er sich ins Spiel einbringen will: „Am liebsten spiele ich schon zentral, auch gern ein wenig tiefer.“ Sprich: direkt im Mittelfeldzentrum.

Apropos taktische Flexibilität: Düwels Plan, die Verantwortung auf mehrere Schultern zu verteilen, wurde ebenfalls in Bochum so deutlich wie bislang noch nicht. Die Pässe in die Tiefe kamen von Jopek, die Balleroberungen oftmals von Baris Özbek. Und die Freistöße schoss Martin Dausch. In den vergangenen Jahren fielen diese Aufgabengebiete meist Ex-Kapitän Torsten Mattuschka zu.