Weltmeisterschaft

Wenn Unions Mattuschka vor dem Fernseher abgeht

Löws WM-Fahrer Christoph Kramer outete sich kürzlich als großer Mattuschka-Fan. Im Morgenpost-Interview antwortet der Union-Kapitän und verrät, was von dem Noch-Gladbacher in Brasilien zu erwarten ist.

Foto: Kai Schwörer / PA/Schwörer Pres

Torsten Mattuschka, 33, steht etwas verloren zwischen neonfarbenen Fußballschuhen und riesigen Bildern von Neymar und Mesut Özil. Die Megastars verkörpern die bunte Marketingwelt der Sportartikelfirmen zur anstehenden Weltmeisterschaft. Der Union-Kapitän hingegen, bekennender Freund klassischer schwarzer Stollenschuhe, eröffnet ganz unprätentiös in kurzer Jeans und kariertem Freizeithemd den 11teamsports Store in Charlottenburg. Trotzdem ist er irgendwie in Brasilien dabei. Denn mit dem Gladbacher Christoph Kramer hat Bundestrainer Joachim Löw einen bekennenden Mattuschka-Fan mitgenommen.

Berliner Morgenpost: Macht es Sie eigentlich verlegen, dass Nationalspieler Christoph Kramer kürzlich in einem Interview bekannte, dass sie sein Idol sind?

Torsten Mattuschka: Nein, verlegen nicht. Wir hatten die Trikots getauscht, als er noch bei Bochum war. Ich wusste über Björn Kopplin, der mal beim VfL gespielt hat, dass Christoph meine Spielweise ganz gut findet. Das macht mich eher stolz. Und ich würde lügen, wenn ich das Gegenteil behaupte. Nicht nur, weil er über mich in einem Interview gesprochen hat. Sondern, weil er sich in der Bundesliga durchgesetzt hat und jetzt auch vollkommen zu Recht Nationalspieler geworden ist.

Ihr Trikot hängt nun zwischen den Bayern-Stars Thiago und Martinez in Kramers Wohnung.

Ja, das ist witzig. Er hat ein Foto geschickt, wie das Trikot in einem riesigen Bilderrahmen bei ihm an der Wohnzimmerwand hängt. Das macht mich auch glücklich. Da sieht man, dass es doch nicht so schlecht ist, was ich auf dem Platz anstelle.

Und verfolgen Sie jetzt die Weltmeisterschaft im Deutschland-Trikot mit der Rückennummer 23 von Christoph Kramer?

Noch habe ich keins. Aber vielleicht ergibt sich das noch. Er ist ein guter Junge, obwohl wir uns erst zwei, drei Mal unterhalten haben. Er ist auf dem Boden geblieben. Auch wenn er jetzt bei der WM ist, bin ich mir sicher, dass er die Entwicklung einschätzen kann. Ich habe ihm vor der Benennung des vorläufigen Kaders eine Nachricht geschickt und geschrieben: „Vielleicht wirst Du ja nominiert. Das wäre super.“ Und jetzt fährt er wirklich zur WM. Das ist sensationell.

Was bekommt die Nationalmannschaft mit Christoph Kramer?

Er kann der Mannschaft helfen, weil er ein Malocher ist, aber auch richtig kicken kann. Das Team bekommt einen unbekümmerten Spieler, der cool drauf ist und sich keinen Kopf macht. Er saugt das Ganze einfach auf und will Spaß haben. Vor einem Jahr hat er noch Zweite Liga gespielt und jetzt fährt er zur WM. Diese Unbekümmertheit kann der ganzen Mannschaft gut tun. Ich bin mir sicher, dass er auch auf diesem Niveau mithalten kann. Gerade, weil nicht klar ist, was mit Khedira oder Schweinsteiger wird. Dann hätte Löw jemand, auf den er sich verlassen kann. Christoph schrubbt im Spiel seine Kilometer runter, was auf der Position im defensiven Mittelfeld sehr wichtig ist.

Wie nimmt man solch einen rasanten Aufstieg von der Zweiten Liga zur WM wahr?

Man lässt das einfach laufen, weil es geil ist. Das realisiert man gar nicht, weil dafür gar keine Zeit ist. Fakt ist, dass er in der Elite angekommen ist und unser Land vertritt. Irgendwann wird er darüber nachdenken und Gänsehaut bekommen. Bei mir war das so. Ich bin aus der siebten Liga in ein Bundesligateam gekommen, auch wenn ich nie richtiger Erstligaspieler war. So lange es läuft, macht man sich keinen Kopf. Das war bei mir so. Und das ist jetzt auch bei Christoph Kramer so.

Denkt man als normaler Profi trotzdem ab und zu mal daran, es in die Nationalmannschaft zu schaffen? So nach dem Motto: Was wäre wenn?

Auch wenn meine Karriere ein bisschen anders als normal gelaufen ist, muss ich zugeben, dass ich schon ein paar Mal daran gedacht habe: Hätte ich in der Schule mehr aufgepasst, wäre ich auf der Sportschule geblieben. Dann hätte ich die B- und A-Jugend bei Energie Cottbus durchlaufen, was enorm wichtig ist. Das habe ich verpasst. Stattdessen war ich auf dem Dorf mit meinen Kumpels. Deshalb bin ich froh, dass ich es noch zurückgeschafft habe. Bei Christoph ist das anders. Er hat jedes Spiel für Mönchengladbach gemacht, was ja kein Mumpelverein ist, und gemerkt, dass er mithalten kann. Dann denkt man vielleicht schon mal an eine Einladung zur Nationalmannschaft. Aber so hat er es sich bestimmt nicht erträumt. Um so großartiger ist das.

Wo schauen Sie eigentlich die WM?

Vor allem zu Hause. Aber die Eröffnung gucke ich bei uns im Stadion. Auch zum Spiel Deutschland gegen Portugal bin ich dort. Aber eine Couch habe ich zur Wohnzimmer-WM nicht auf dem Rasen. Wenn es passt, bin ich gerne dort. Aber ich kann nicht jeden Tag ins Stadion rennen. Ich habe ja noch Frau und Kind. Und dann beginnt auch schon die Saisonvorbereitung. Die wird hart und anstrengend. Da geht man schon zeitiger schlafen. Die Spiele mit Anpfiff um 0 Uhr werde ich sicher nicht schaffen.

Ihr Tipp: Wer wird Weltmeister?

Meine Meinung ist, dass kein Europäer Weltmeister wird. Ich glaube, dass Chile etwas werden könnte. Argentinien und Brasilien sind sowieso Favoriten. Das Klima macht die Spieler vor allem auf die Dauer des Turniers kaputt. Viele europäische Fußballer sind das nicht gewöhnt. Zudem haben sie alle mindestens 50 bis 60 Pflichtspiele in den Knochen. Das wird brutal schwer für ein europäisches Team, dort Weltmeister zu werden. Aber ich hoffe, dass Deutschland weit kommt. Da drücke ich natürlich die Daumen, schreie vor dem Fernseher und gehe ab.