So richtig realisiert, dass es ab Montag vorbei ist, hat er noch nicht. „Ich lasse es einfach auf mich zukommen“, sagte Christian Stuff. Der lange Innenverteidiger des 1. FC Union will das letzte Saisonspiel gegen 1860 München (15.30 Uhr, Alte Försterei) erst noch so richtig genießen. Es wird sein letzter Auftritt im Trikot des Berliner Fußball-Zweitligisten sein. Nach acht Jahren ist für Stuff Schluss bei Union

Es wird ein emotionaler Nachmittag werden in der Alten Försterei. Schließlich ist Stuff nur einer von sechs Spielern, die gehen werden. Torwart Jan Glinker verlässt den Klub sogar nach 13 Jahren, auch Patrick Kohlmann, Adam Nemec, Marc Pfertzel und Baris Özbek werden für den Neustart, den Union zur neuen Spielzeit vornehmen will, nicht mehr gebraucht. Nicht zu vergessen natürlich Uwe Neuhaus, der Trainer, von dem sich Union nach sieben erfolgreichen Jahren trennt. Die große Verabschiedung steigt um 15 Uhr.

„Es gab schon Momente, wo man dachte, es geht hier wirklich den Bach runter“, erinnerte sich Glinker an die Jahre, als Union von der Zweiten Liga bis in die Oberliga gerauscht war und in denen der Klub finanziell vor dem Ruin stand. Dennoch gab es für ihn nie einen Anlass, den Klub zu verlassen. „Für mich war immer wichtig, dass ich mich wohl fühle“, erzählte Glinker, „dieses Gefühl hat man mir bei Union immer gegeben.“

Stuff und Glinker spielen von Beginn an

Stuff und Glinker wird am Sonntag die Möglichkeit gegeben, sich gebührend von den Fans zu verabschieden. Das Signal, dass sie von Beginn an auflaufen werden, habe es vom Trainer gegeben. „Ich bin davon überzeugt, dass alle sich noch mal reinknien, um das Spiel zu gewinnen. Gerade weil es in den vergangenen Wochen nicht gut lief“, sagte Stuff: „Ich finde es sehr wichtig, dass wir uns gegen München gut präsentieren. Auch um mit einem guten Gefühl aus dem Spiel zu kommen.“ Und aus der Saison.

Für Stuff wird es der 238. Einsatz für Union sein. An seinen ersten 2006 kann er sich immer noch gut erinnern. Denn der wäre fast nicht zustande gekommen. „Plötzlich bekam ich einen Anruf vom Trainer, wo ich denn bleibe“, erzählte Stuff. Der Übungsleiter hieß damals Christian Schreier, und Stuff war der irrigen Annahme, dass sich die Spieler zum Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC II im Jahn-Sportpark treffen und nicht erst an der Alten Försterei, um gemeinsam dorthin zu fahren. „Dass ich dann doch spielen durfte, war mein Glück.“

Union profitierte während der Drittliga-Saison 2008/09 vom Abwehrbollwerk, das Stuff und Glinker zusammen mit Daniel Göhlert bildeten. Und in den Folgejahren von der Zuverlässigkeit des Trios. Erst mit den Verpflichtungen in den vergangenen zwei Sommern musste Stuff immer öfter auf die Ersatzbank weichen. Für Glinker war zu Beginn der Spielzeit 2012/13 klar, dass er ins zweite Glied muss. Daniel Haas wurde seinerzeit von Trainer Neuhaus als neue Nummer 1 installiert.

Autogrammstunde nach der Partie

Den einzigen Machtkampf, den er hatte überstehen müssen, entschied er zuvor gegen den inzwischen beim Berliner AK spielenden Marcel Höttecke schließlich für sich. „Im ersten Trainingslager waren wir zusammen auf einem Zimmer – und haben nicht ein Wort miteinander geredet“, erzählt Glinker, der gegen München seinen 248. Einsatz für Union absolviert. Erst später habe er erfahren, dass sein Konkurrent dies so aus seiner Zeit bei Borussia Dortmund kannte.

Genau wie Trainer Neuhaus wird sich das Team im Anschluss an die Partie gegen die Münchner Löwen noch einmal den Fans bei einer Autogrammstunde präsentieren, bis auch der letzte Unterschriftenwunsch erfüllt ist. Wie er sich fühlen wird, wenn er offiziell verabschiedet wird? Stuff: „Ich habe es ja schon öfter erlebt, wenn Spieler bei Union verabschiedet wurden. Ich weiß aus Erfahrung, dass es Gänsehautmomente sind.“