Der Jubel war groß und ausgelassen beim 1. FC Union. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass der Köpenicker Klub sich den Traum vom Aufstieg erfüllt. Und dann mit solch einem Auswärtssieg. Ja, das 6:0 in Erfurt unterstrich noch einmal Unions Vormachtstellung. Getreu dem Motto „Wenn es schon die Männer nicht richten, müssen eben die Frauen ran“, können sich Unions Frauen als Aufsteiger in der kommenden Spielzeit auf Zweitliga-Fußball freuen.

Gut 300 Kilometer weiter südlich waren es die Fans des Berliner Fußball-Zweitligisten, die sich vor allem selbst feierten. Wie so oft in den vergangenen Wochen, nachdem die Profis den Sprung in die Bundesliga verspielt hatten. So war die vorletzte Partie von Uwe Neuhaus als Trainer der Berliner beim VfR Aalen lediglich schmückendes Beiwerk für das Exiler-Treffen, dass die Veranstalter für diese Saison ins Schwabenländle gelegt hatten.

Wirklich verwöhnt wurden die rund 1000 Anhänger jedoch nicht. Beim 0:3 (0:1) kassierten die Berliner ihre zwölfte Niederlage, rutschten überdies auf den elften Platz ab und unterstrichen erneut, wie leer der Akku tatsächlich ist. Von einem versöhnlichen Ende einer völlig verkorksten Rückrunde oder gar einem Abschiedsgeschenk in Form eines Auswärtssieges für den in einer Woche scheidenden Trainer war Union jedenfalls meilenweit entfernt.

Nur Torwart Haas stemmt sich gegen die Niederlage

Würde man ein Zeugnis für die letzten 90 Auswärtsminuten der Saison vergeben, dann würde in der allgemeinen Beurteilung wohl stehen: Sie bemühten sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Doch selbst das darf noch als wohlwollend betrachtet werden. Lediglich Torwart Daniel Haas schien sich mit aller Macht gegen die Niederlage zu stemmen. „Mir fehlen schon die Worte, wie sich einige so gehen lassen können. Ich bin total enttäuscht“, sagte Neuhaus nur.

Wie man sich gebührend aus einer Saison verabschiedet, demonstrierten die Aalener, die sich vor 7579 Zuschauern lauf- und spielfreudig präsentierten. Und auch in dieser Höhe verdient gewannen. Robert Lechleiter düpiert Unions Innenverteidiger Roberto Puncec, passt auf den durchstartenden Joel Pohjanpalo, der problemlos einschiebt – schon nach acht Minuten nahm die Pleite ihren Lauf.

Nach der Pause erhöhte der Finne auf 2:0 für den VfR, diesmal war Linksverteidiger Patrick Kohlmann unaufmerksam. Und beim dritten Treffer ließ auf der anderen Seite Marc Pfertzel Aalens Abwehrmann Daniel Buballa ziehen (79.).

Sommerfußball bei strahlendem Sonnenschein

Es war bezeichnend für diesen Sonntagnachmittag, dass es Torsten Mattuschka war, der sich nach dem Abpfiff umgehend an den Zaun des vollbesetzten Union-Fanblocks begab, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Oder sich für den äußerst mageren Auftritt zu entschuldigen, der bei strahlendem Sonnenschein eher an Sommerfußball erinnerte.

Ausgerechnet der Kapitän, der nur die letzte halbe Stunde hatte mitwirken dürfen. Neuhaus hatte statt dem Publikumsliebling Björn Jopek den Vorzug gegeben. Überraschend war auch der Einsatz von Sören Brandy von Beginn an. Dabei hatte es zuvor von Vereinsseite noch geheißen, hinter dem Einsatz des Angreifers stünde wegen seiner Fleischwunde am rechten Schienbein ein dickes Fragezeichen.

BM