1. FC Union

1:1 gegen Lautern und ein Vorgeschmack auf den Abschied

Beim ersten Spiel der Eisernen nach der überraschenden Entlassung von Trainer Neuhaus gab es Sprechchöre der Fans und ein Remis gegen Kaiserslautern. Sören Brandy erzielte das Tor.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Sie demonstrierten Einigkeit. Nicht einmal der leiseste Verdacht, man würde sich im Groll am Saisonende trennen, sollte entstehen. Also betraten Dirk Zingler, der Präsident des 1. FC Union, und Uwe Neuhaus, der (Noch-)Trainer des Berliner Fußball-Zweitligisten, im Gleichschritt den Innenraum des Stadions an der Alten Försterei. Erst ging es zum Interview zum einen Fernsehsender, wenig später hinüber zum anderen. Natürlich war die Entlassung von Neuhaus zum Saisonende auch am Montagabend vor dem Spiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (1:1) das beherrschende Thema.

Sowohl der Klubchef als auch sein leitender Angestellter gaben sich betont locker. Nur die Worte, die Neuhaus sprach, wollten so gar nicht zum Erscheinungsbild passen, mit dem sich der 54-Jährige rund eine halbe Stunde vor dem Anpfiff präsentierte. „Ich habe mir nach den Gesprächen der vergangenen Woche schon Gedanken gemacht. Bleibe ich Trainer, kommt ein anderer? Was kommt auf einen zu? Ich bin natürlich total enttäuscht. Wir haben erst im September 2013 den Vertrag um zwei Jahre verlängert“, sagte Neuhaus: „Ich hätte gerne weitergemacht. Aber ich akzeptiere die Entscheidung des Präsidenten.“

Die Spekulationen, wer den scheidenden Übungsleiter zur kommenden Spielzeit beerben wird, kochten natürlich hoch. Auch weil sich einige Prominenz auf der Haupttribüne eingefunden hatten. Die Trainer Torsten Lieberknecht (Eintracht Braunschweig), Olaf Janssen (Dynamo Dresden) und Thomas Brdaric (TSG Neustrelitz) sowie Max Eberl, Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, verfolgten das Duell, das die Köpenicker Kicker so gerne mit einer eigenen Aufstiegschance versehen hätten. „Ich will nicht über neue Trainer reden. Uwe Neuhaus hat hier noch drei Spiele zu absolvieren“, blockte Union-Boss Zingler sämtliche Nachfragen nach dem neuen Coach ab.

Finale gegen München 1860

Und er begründete noch einmal, warum man sich für den vom Klub als „Neustart im Sommer“ titulierten Schritt entschieden hat. „Wir haben die vergangenen Monate analysiert. Und wir haben uns daraufhin für einen Neuanfang entschieden“, erklärte Zingler: „Es war eine emotional schwierige Entscheidung, denn wir haben sieben Jahre gut zusammengearbeitet.“

Wenig später, bei der Vorstellung der beiden Mannschaften, machte sich erstmals ein Hauch von Abschiedsstimmung breit. Als Stadionsprecher Christian Arbeit nach der Verlesung der Startformation wie üblich zum Trainer kam, machte er eine kurze Pause. Flugs brandeten „Uwe, Uwe“-Sprechchöre aus der Fankurve auf. Auf der Gegengerade wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Danke Uwe“ gezeigt – ein kleiner Vorgeschmack auf den wohl zu erwartenden großen Abschied am 11. Mai im letzten Saisonspiel gegen 1860 München.

Es galt, den ersten Schritt in die Richtung zu tun, die eine völlig missratende Rückrunde nicht vollends zu einem Desaster werden lässt. Ein Sieg gegen die immer noch mit einer kleinen Aufstiegshoffnung angereisten Kaiserslauterer sollte da den Auftakt bilden. Und obwohl noch in der Pflicht für jenen halbwegs versöhnlichen Saisonabschluss stehend, versuchte Neuhaus sich bereits jetzt aus der Verantwortung zu nehmen: „Ich habe bei der Besprechung den Spielern gesagt: Ich bin aus dem Spiel raus. Jeder hat die moralische Pflicht dem Verein und den Fans gegenüber.“

Brandy musste verletzt ausgewechselt werden

Und die Mannschaft tat vor 19.185 Zuschauern, wie ihr geheißen – wenigstens in der Anfangsphase. Mit Michael Parensen und Damir Kreilach auf der Doppel-Sechs, Sören Brandy als einziger Spitze und dem frühen 1:0. Nach einem Pass von Benjamin Köhler war es eben Brandy, der den Ball zunächst gegen Gäste-Kapitän Marc Torrejon verlor, um ihn dann im Nachsetzen artistisch über den aus seinem Tor geeilten FCK-Torwart Tobias Sippel zu spitzeln (9.). Ein verrücktes Tor, „Sören wird wohl selbst nicht wissen, wie er das geschafft hat“, flachste der verletzte Union-Mittelfeldspieler Martin Dausch zur Pause. Dass es zu diesem Zeitpunkt bereits 1:1 stand, lag am erhöhten Druck der Pfälzer, die sich durch Srdjan Lakics Kopfball belohnten. Zuvor hatte bereits Marc Pfertzel nach einem Schuss von Alexander Ring für seinen geschlagenen Keeper Daniel Haas kurz vor der Linie retten können (39.).

Viel schlimmer: Brandy musste bereits nach 23 Minuten verletzt ausgewechselt werden. In einem Zweikampf an der Mittellinie wurde er von Torrejon an der rechten Wade getroffen. Die schmerzhafte Folge war eine tiefe Fleischwunde, die sofort in der Kabine mit mehreren Stichen genäht wurde. Für den Unglücksraben kann Steven Skrzybski.

Nach dem Wechsel entwickelte sich ein durchaus mitreißendes, aber keineswegs erstklassiges Spiel. Union agierte wie so oft mit viel Aufwand aber wenig Ertrag, Kaiserslautern verlegte sich aufs Kontern. Simon Zoller traf nach 70 Minuten die Latte, Markus Karl in der Nachspielzeit den Pfosten. Auf der anderen Seite schlossen Torsten Mattuschka (59.) und Christopher Quiring (80.) nur halbherzig ab. Von den Rängen riefen die Fans im Wechselgesang immer wieder den Namen des Trainers: „Uwe.“ „Neuhaus.“ Man wollte noch einmal Einigkeit demonstrieren an der Alten Försterei.