Zweite Liga

Bei Union soll sich kein Spieler sicher fühlen

Stürmer Nemec und Mittelfeldspieler Özbek sind bereits gegen Kaiserslautern nicht mehr im Kader. Ihre Freigaben haben überrascht. Doch sie sind nicht die einzigen, von denen sich Union trennen will.

Foto: Boris Streubel / Bongarts/Getty Images

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde hatte Union-Trainer Uwe Neuhaus genug: „Ich glaube, dass diese Veranstaltung langsam ein bisschen abdriftet. Wir haben eigentlich eine Spieltags-Pressekonferenz zu Kaiserslautern und jetzt wühlen wir ein ganzes Jahr auf? Ich finde Situation ist angebracht, um Fragen zur nächsten Partie zu stellen.“ Doch dafür interessierten sich die Journalisten vier Tage vor Anpfiff nur wenig. Stattdessen ging es um die Freigaben von Stürmer Adam Nemec, 28, und Mittelfeldspieler Baris Özbek, 27, Spekulationen um weitere Wackelkandidaten in der Mannschaft und die persönliche Zukunft des Trainers. Vollständig beantworten wollte Uwe Neuhaus die Fragen nicht. Vielleicht kann er es auch noch nicht.

Vor allem die Freigabe von Angreifer Nemec hatte für Verwunderung gesorgt. Noch im Dezember hatte Union mit dem Slowaken bis 2016 verlängert, sogar eine beiderseitige Option bis 2017 vereinbart. „Das müssen wir jetzt nicht mehr von einer anderen Seite betrachten. Das ist wie es ist. Dazu ist alles gesagt“, fasste Uwe Neuhaus den für Union teuren Irrtum zusammen. Was in den vergangenen fünf Monaten mit Nemec passiert ist, wollte er nicht ausführen. Stattdessen verschiedene Variationen der abblockenden Antwort: „Mehr möchte ich dazu nicht sagen.“

Sowohl Baris Özbek als auch Adam Nemec verließen am Donnerstag Mittag das Trainingsgelände ohne niedergeschlagen oder angegriffen zu wirken. Vielleicht war das heftige Gewitter, dass die Mannschaft nach der erneuten Niederlage vom Wochenende heimsuchte, tatsächlich auch reinigend und klärend. Vielleicht stimmte schon einige Zeit etwas nicht. Wie in einer Beziehung, die schleichend erodiert, ohne dass jemand genau sagen könnte, woran es liegt. Bis endlich eine Seite die Trennung ausspricht.

Union hofft, dass dieses frühzeitige Zeichen die Berater der beiden Spieler in die Lage versetzt, tatsächlich in der nächsten Transferperiode einen neuen Verein zu finden. Doch selbst wenn das eintreffen sollte, dürfte der Klub angesichts der Restlaufzeit der Verträge von zwei Jahren kaum um jeweils sechsstellige Abfindungen herumkommen. All das wollte Uwe Neuhaus nicht erörtern. Nur eins stand für ihn fest: „Beide sind am Montag gegen Kaiserslautern nicht im Kader.“

Selbst Kapitän Mattuschka von Kritik nicht ausgenommen

Doch die Entscheidung, sich am Saisonende von bislang sechs Spielern zu trennen, hat auch Auswirkungen auf die restliche Mannschaft. Denn unmissverständlich machte Union in der Mitteilung klar: „Damit ist die Überprüfung des Kaders jedoch nicht abgeschlossen.“ Kein Spieler soll sich sicher fühlen. Denn das vor allem in der Rückrunde enttäuschende Auftreten lastet der Trainer seiner ganzen Mannschaft an.

Das den Namen nach aufstiegsreif besetzte Team spielte nicht konstant und war nicht in der Lage, sich im internen Konkurrenzkampf gegenseitig zu Höchstleistungen anzustacheln. Ein Stück weit Bequemlichkeit wird dem Kader angelastet. Auch Kapitän Torsten Mattuschka ist nicht von der Kritik ausgenommen, obwohl er mit 23 Scorerpunkten den Bestwert der Zweiten Liga stellt. Doch von den sieben Treffern nach seiner Vertragsverlängerung im November erzielte der 33-Jährige sechs per Elfmeter und ein Tor per Freistoß.

Das mediale Stochern nach Wackelkandidaten ist Neuhaus offensichtlich nicht ganz unrecht. „Wenn da steht, dass die Personalentscheidungen noch nicht abgeschlossen sind, weil vieles auf dem Prüfstand steht, dann gibt es Platz für Spekulationen. Das wissen wir. Und das nehmen wir auch so in Kauf“, sagte der Trainer. Namen nannte er aber wiederum nicht.

Neuhaus zeigt sich angriffslustig

Auch zu seiner persönlichen Zukunft gab sich Neuhaus wenig offen. Bereits vor einer Woche sagte er, dass er sich nicht komplett ändern werde: „Das wäre nicht glaubwürdig.“ Hinterfragen werde er sich und auch Korrekturen vornehmen. „Aber was die nächste Saison dabei herauskommen wird, kann ich jetzt noch nicht komplett anbieten.“ Und selbst dann wäre das ein internes Thema, das der Trainer nicht öffentlich erläutert. Klar ist allerdings, dass Uwe Neuhaus weiterhin nichts von einem mindestens gleichberechtigten Sportdirektor bei Union hält. Auch wenn dieses Modell in Deutschland erprobt ist.

Der zuletzt bisweilen etwas müde wirkende Coach machte am Donnerstag einen teilweise angriffslustigen Eindruck und gefiel sich in kurzen Wortgefechten mit den Journalisten. Vielleicht hat ihn das Donnerwetter vom Anfang der Woche auch befreit. Zu erfahren war das genauso wenig wie konkrete Aussagen über seine persönlichen Vorstellungen über diese Saison hinaus: „Für mich sind nur die nächsten drei Spiele entscheidend. Die nächste Spielzeit ist noch weit weg.“

Es hat den Anschein, dass im sportlichen Bereich bei Union gerade viel Bewegung ist. Doch wohin Reise geht und wer an Bord sein wird, ist noch nicht bekannt. Vielleicht weil das die Beteiligten selbst noch nicht wissen. Trotz all dieser inhaltlich unbefriedigenden Statements gab Uwe Neuhaus zum Schluss noch ein Versprechen: „Nach dem Spiel gegen Kaiserslautern können sie alles fragen, was sie wollen.“ Vielleicht hat er dann auch Antworten.