1. FC Union

Uwe Neuhaus – „Unterm Strich reicht es einfach nicht“

Bei Union reift die Erkenntnis, dass für einen Aufstieg mehr investiert werden muss. Insbesondere in der Abwehr dürfte Trainer Neuhaus nach Alternativen suchen, die den Ambitionen eher gerecht werden.

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Gewagt hat er etwas, sogar mehr, als es Uwe Neuhaus üblicherweise tut. Der Trainer des 1. FC Union gilt als Mann, der gern an Bewährtem festhält, der sein Zweitliga-Fußballteam nur sehr langsam verändert. Doch in Sandhausen ließ Neuhaus dann Torsten Mattuschka draußen, den Kapitän, ohne den eigentlich wenig geht bei den Köpenickern. Er verzichtete auch auf Benjamin Köhler, Michael Parensen kehrte nach abgesessener Gelb-Sperre nicht zurück.

Gewonnen hat Neuhaus dadurch nichts, zumindest nicht spielerisch, 1:2 unterlag Union beim SV Sandhausen. Erkenntnisse gewann der Trainer dagegen schon: „Irgendwo sind die Ansprüche, die wir zwischendurch mal hatten, nicht ganz gerechtfertigt. Diesen Anforderungen können wir nicht standhalten.“ Es waren bittere Erkenntnisse.

Was bleibt danach noch übrig von einer Saison? „Es geht darum, anständig zu Ende zu spielen“, sagt Torhüter Daniel Haas. Das ist der Auftrag an die Spieler. Den des Trainers lieferte dieser selbst nach dem einmal mehr unbefriedigenden Resultat in Sandhausen. „Wir haben zwar noch einige Spiele vor der Brust und die Saison ist noch lange nicht beendet. Aber ich glaube, wir können in die Kader-Planung gehen. Wir haben jetzt mehr Gewissheit, in welcher Liga wir im nächsten Jahr spielen werden“, so der Coach. Ganz offiziell wird der Aufstieg abgehakt, von dem so viele Monate lang geredet worden war.

Seit fünf Spielen keinen Sieg

Zumindest am Tag nach der klaren Ansage des Trainers mochten die Spieler da nicht widersprechen. „Wenn der Trainer das sagt, dann ist das so, er gibt die Richtung vor“, erzählt Innenverteidiger Fabian Schönheim. Nach einer mehr als ernüchternden Bilanz von drei Siegen aus 15 Spielen relativiert sich ohnehin vieles, den Kopf mit Gedanken an große Pläne zu füllen, hilft da einfach nicht. „Es ist ja nicht so, dass es erst seit dem letzten Spiel eine Tendenz gibt. So kannst du nicht oben reinrutschen. Deshalb ist es vielleicht mal ganz gut, die Bremse zu ziehen“, sagt Torhüter Haas. Womöglich fühlt sich die Mannschaft letztlich jetzt auch ein wenig befreit und kann entsprechend gelöster auftreten.

In die Bewertung der Saisonleistung dürfte alles Kommende allerdings nicht mehr einfließen. Und es war insgesamt doch deutlich mehr erwartet worden als Platz acht, mit inzwischen sieben Punkten Rückstand auf Relegationsrang drei und die Verabschiedung vom Aufstieg schmerzlich frühe sieben Spieltage vor dem Saisonende. Union zeigte sich zuletzt nie schlechter als die Gegner, nie ohne Chance, nie ohne gute Anlagen. „Aber irgendwo reicht es unter dem Strich nicht. Das ist auf Dauer auch kein Zufall“, findet der Coach, der schon seit fünf Spielen keinen Sieg mehr bejubeln konnte.

Eigentlich schienen die Berliner im vergangenen Sommer die richtigen Hebel betätigt zu haben, um den Aufstieg, von dem Präsident Dirk Zingler immer wieder spricht, tatsächlich anpacken zu können. Die finanziellen Mittel des solide wirtschaftenden Klubs steigen, mit ihm die Ambitionen. Für diese hat sich der Kader allerdings als nicht ausreichend herausgestellt. Bei der Torausbeute stehen die Berliner zwar nicht schlecht da; obwohl im Sturm Angreifer wie Simon Terodde und Adam Nemec mit je fünf Toren nicht unbedingt die beste Ausbeute haben, gehört die Union-Offensive zu den gefährlichsten Angriffsformationen der Zweiten Liga mit ihren 39 Treffern.

In der Defensive laufen Verträge aus

Andersherum zählt die Defensive mit 34 Gegentoren zu den anfälligeren der Liga. Fehler unterlaufen den Profis häufig, und in fast jedem Spiel werden sie bestraft. Wenn Neuhaus von Planungen spricht, so ergibt sich hier automatisch einiger Spielraum. Die Verträge der Verteidiger Patrick Kohlmann, Marc Pfertzel und Christian Stuff sowie der Torhüter Haas und Jan Glinker laufen aus. Mit dem Österreicher Christopher Trimmel wurde für Pfertzels rechte Seite schon ein neuer Mann verpflichtet, Stuff und Glinker verlassen den Verein.

Neuhaus muss sich allerdings auch selbst hinterfragen, seine Mannschaft wirkt nicht immer wie ein Verbund, bei dem Abwehr und Angriff Hand in Hand arbeiten. Die große Abhängigkeit des 1. FC Union von Mattuschka konnte der Trainer trotz einiger Versuche nie auflösen, so dass die Mannschaft in gewisser Weise trotz aller Wechsel in den vergangenen Jahren eindimensional geblieben ist und in der Breite nicht die nötigen Impulse für ein Wachstum erhielt. Wenn die seltenen Versuche, diese alten Muster zu durchbrechen, wie in Sandhausen schief gehen, verwundert die Zurückhaltung aber auch nicht.