Fürth. Wohl kaum eine Mannschaft löst bei Spielern und Trainern des 1. FC Union ein derart großes Kopfschütteln aus wie die SpVgg Greuther Fürth. Immer wieder erweisen sich die Franken als zu stark für den Berliner Fußball-Zweitligisten. Zuletzt gleich fünfmal in Folge. „Wenn man die Statistik nimmt, bräuchten wir kaum hinzufahren“, sagte Coach Uwe Neuhaus vor dem Duell am Sonntagnachmittag in Fürth (13.30 Uhr, Sky).

Doch die Unioner fahren hin, natürlich. Jede Serie endet einmal. Und warum nicht die schwarze Serie der Köpenicker gegen die SpVgg? „Wenn wir gegen den Zweiten spielen und sechs Punkte Rückstand auf den Gegner haben, dann ist uns bewusst, dass wir eine Riesenchance haben, da noch mal ranzukommen“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka zur Wichtigkeit der Partie. Ein Sieg zum Start der Woche der Wahrheit, und Union ist wieder richtig dabei im Aufstiegsrennen. Zumal Mitkonkurrent Karlsruher SC beim Schlusslicht Energie Cottbus 0:1 verlor und Union damit am KSC vorbeiziehen kann. Wenn nur nicht Fürth der Gegner wäre...

„Vorteil an Erfahrung“

Also, was haben die Fürther an sich, dass es den Köpenicker Kickern nicht gelingt, endlich einmal als Sieger den Rasen zu verlassen? Sowohl Mattuschka als auch Neuhaus nahmen sich eine lange Pause für eine Antwort. Und während der Spieler keine Erklärung fand („Das ist eine gute Frage“), versuchte sich der Übungsleiter an folgender Erläuterung: „Wenn man die Historie von Fürth nimmt, haben sie 14 Jahre versucht, in die erste Liga aufzusteigen.“ Allein siebenmal waren die Fürther am Saisonende Fünfter, dazu je einmal Vierter, Sechster und Siebter. „Das ist ein Vorteil an Erfahrung, den diese Mannschaft mitbringt, auch wenn es immer wieder andere Spieler sind“, sagte Neuhaus: „Dieser permanente Kampf, oben dabei zu sein und entscheidende Spiele zu haben – diese Erfahrung machen wir jetzt alle erst. Vielleicht ist das ein Grund, warum wir gegen die Topmannschaften nicht die Nerven haben.“

Erinnert sei hier nur an das Hinspiel. „Wenn ich das 2:0 mache, gewinnen wir die Partie“, erinnerte sich Mattuschka. Er machte es nicht, Union ließ sich auskontern und ging mit 2:4 baden. Genau das soll den Berlinern, die auf den Gelb-gesperrten Innenverteidiger Fabian Schönheim verzichten müssen (Roberto Puncec wird ihn ersetzen), nicht wieder passieren. „Die Chancen, die sich uns bieten, müssen wir nutzen. Und wir dürfen Fürth nicht zum Kontern einladen“, will Mattuschka wie seine Teamkollegen ohne Angst beim Angstgegner antreten.

Die Spielvereinigung als Vorbild

Denn es geht in Fürth auch um Unions Zukunft. Gelingt endlich der erste Auswärtssieg bei den Mittelfranken, kann Union weiter vom Bundesliga-Aufstieg noch in diesem Sommer träumen. Wenn nicht, können sich die Berliner ausgerechnet an der SpVgg in Sachen Aufstieg ein Beispiel nehmen. Die Fürther haben gezeigt, wie lange es braucht, um ein echtes Spitzenteam im Bundesliga-Unterhaus zu werden. Und wieviel länger es braucht, um endlich den lang ersehnten Sprung nach oben zu schaffen.

Es ist diese Geduld, die die Neuhaus-Schützlinge brauchen. In den 90 Minuten am Sonntag und in den nächsten Wochen, Monaten, ja vielleicht sogar Jahren. „Leidenschaft und Moral sind da. Wenn wir nicht davon überzeugt wären, dass wir in Fürth gewinnen können, würden wir nicht hinfahren. Aber wir fahren hin“, sagte der Coach. Und Mattuschka fügte hinzu: „Ich hoffe, dass wir alle mit einem Lächeln nach Hause fahren können.“ Nicht mit einem Kopfschütteln.