Aufstiegsrennen

1. FC Union darf sich keine Ausrutscher mehr erlauben

Noch zehn Spiele hat Union Zeit, um sich den Traum vom Aufstieg in die Bundesliga in diesem Sommer zu erfüllen. Doch nach der zweiten Partie ohne Sieg läuft dem Zweitligisten langsam die Zeit davon.

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Die Frage, ob das Remis gegen Ingolstadt wegen des späten Ausgleichstreffers zum 1:1 nun ein Punktgewinn war oder nicht, beantwortete Uwe Neuhaus ohne zu zögern. „Unentschieden sind immer zwei verlorene Punkte“, sagte der Trainer des 1. FC Union. Man könnte nach dem Spielverlauf an der Alten Försterei durchaus zufrieden sein mit dem einen Zähler, ist es aber nicht. Man darf es auch nicht, angesichts des Aufstiegstraums, der nach dem zweiten Spiel ohne Sieg mehr und mehr der Realität weicht, offenbar auch kommende Saison in der Zweiten Liga zu spielen.

„Wir müssen jetzt zusehen, dass wir konstant punkten. Sonst ist der Zug irgendwann abgefahren“, verdeutlichte Mittelfeldspieler Sören Brandy. „Wenn du nach oben willst, darfst du dir solche Kleinigkeiten nicht erlauben“, ergänzte Kapitän Torsten Mattuschka. Kleinigkeiten wie das schnelle Gegentor nach nur 31 Sekunden. Und die Tatsache, dass man erst einen Rückstand aufholen muss. Das gilt für die 90 Minuten gegen Ingolstadt wie für die gesamte Spielzeit.

Noch sind zehn Spiele bis zum Saisonende Zeit. Doch Union läuft im Aufstiegsrennen die Zeit davon. Erst recht, wenn man ein Spiel mehr gewinnen muss als die Konkurrenz, um mit den Mitbewerbern gleichzuziehen. Nach dem Sieg des Karlsruher SC im Verfolgerduell gegen den SC Paderborn (4:0) und dem Ausrutscher des FC St. Pauli beim FSV Frankfurt (0:1) liegt Union als Siebter zwei Punkte hinter Relegationsplatz drei. Und sollte Fürth am Montagabend in Bochum gewinnen, was nicht wirklich unwahrscheinlich ist, ist Platz zwei sogar schon sechs Punkte entfernt.

Paderborn als Mutmacher für den Saisonendspurt

Nicht viel auf den ersten Blick. Aber: „Es ist schon wichtig, einen direkten Konkurrenten nicht ziehen zu lassen“, wie Brandy treffend feststellte. Und der Druck, sich keinen Ausrutscher mehr erlauben zu dürfen, wächst von verpasstem Sieg zu verpasstem Sieg. „Was ich sehr positiv finde, ist, dass wir in der Rückrunde erst ein Spiel verloren haben. Keine Spiele zu verlieren, ist schon mal ein gutes Rezept“, sagte Eggimann.

Um nach vorne zu kommen, jedoch nicht gut genug. Deshalb „musst du dann auch irgendwann eine Serie starten und ein paar Spiele gewinnen. Man hat es gesehen mit Paderborn. Mal drei, vier Spiele zu gewinnen, das bringt einen unheimlich nach vorne“, so der Schweizer. Tatsächlich war Unions nächster Heimgegner als Siebter in die Winterpause gegangen – bis zum Sonntag waren sie Dritter.

Die Frage wird sein, wie groß der Glaube bei den Spielern tatsächlich ist, den Sprung in die Bundesliga schon in diesem Sommer zu schaffen. Bislang ähnelt der Verlauf dieser Saison dem der vergangenen. Auch vor einem Jahr lag Union aussichtsreich im Rennen, um sich dann mit einer Phase von vier Spielen ohne Erfolg von den vorderen Plätzen zu verabschieden und am Ende schließlich Rang sieben einzunehmen.

Köln, Kaiserslautern und die Frage nach der Qualität

Oder ist es am Ende doch eine Qualitätsfrage? Auch Spitzenreiter Köln (2:1 gegen Cottbus) und Kaiserslautern (2:1 gegen Sandhausen) haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Dennoch waren sie in der Lage, sich irgendwie zu einem Sieg zu krampfen. „Das sollen andere beurteilen, ob es an der Qualität liegt“, will sich Eggimann nicht dazu äußern: „Auf der anderen Seite, wenn wir das Ding in der 92. Minute rein machen, dann sagen alle: Boah, sind die geil, die sind nochmal zurückgekommen.“

Dieses „letzte Ding“ habe gefehlt, „dann hätten wir ein ganz anderes Gefühl. Ein Punkt ist irgendwie komisch. Auf der anderen Seite kann man sagen, wir haben wieder nicht verloren. Aber irgendwie wollten wir die drei Punkte haben. Das ärgert schon.“

An den nächsten beiden Spieltagen warten mit Fürth (16.3.) und Paderborn (21.3.) wieder zwei direkte Mitkonkurrenten. Soll das Thema Aufstieg nicht schon Ende März erledigt sein, sollte wenigstens eines der Duelle gewonnen werden. Am besten alle beide.