Natürlich ist die Pleite von St. Pauli noch nicht abgehakt, zumindest noch nicht vollständig. Jenes 1:2 vom Montagabend, das für den 1. FC Union einen herben Rückschlag in Sachen Aufstiegsambitionen bedeutete. Anstatt bis auf Tabellenplatz drei vorzustoßen, hinkt der Berliner Fußball-Zweitligist nun den Spitzenteam mit drei und mehr Zählern hinterher.
Mutmacher sind gefragt. Spieler, an denen sich in allererster Linie die Mannschaft, aber auch der treue Anhang aufrichten kann. Profis, durch die die Hoffnung zurückkehrt, dass die Niederlage vom Millerntor tatsächlich nur ein Dämpfer gewesen ist – und nicht mehr.
Jemand, der diese Rolle übernehmen kann, ist Damir Kreilach. Unions defensiver Mittelfeldspieler lieferte auf St. Pauli eine bärenstarke Partie ab, wenn es darum ging, Schaden vom Union-Tor fernzuhalten, aber auch in der Offensive. Der Druck, den St. Pauli in der Schlussphase auf die Köpenicker ausgeübt hatte, schien Kreilach ebenso wenig zu erschüttern wie die Situation, in der sich Union nun vor der Partie am Sonnabend gegen den FC Ingolstadt (13 Uhr, Alte Försterei) befindet. „Das ist schon ein bisschen Druck“, sagte der 24-Jährige. Braucht er, braucht Union den Druck, um zu besonderen Leistungen fähig zu sein? Kreilach muss da nicht lange überlegen: „Nein, wir brauchen den Druck nicht.“
Die Antworten gibt Kreilach auf Deutsch
Die Antworten, die Kreilach gibt, gibt er auf Deutsch. Teilweise ist die Wortwahl noch etwas holprig, doch der Inhalt der Sätze, die er spricht, ist klar zu verstehen. Es ist der Beleg für die Lernfortschritte, die Unions Nummer 19 in den vergangenen Monaten erzielt hat. Erst im Sommer war Kreilach von seinem Heimatklub, dem kroatischen Erstligisten HNK Rijeka, an die Alte Försterei gewechselt, ohne ein Wort Deutsch zu können.
Doch es liegt in seiner durch und durch professionellen Einstellung, dass er die Landessprache so schnell wie möglich erlernen will, die bei seinem neuen Arbeitgeber gesprochen wird. Das schafft Integration, gibt Selbstvertrauen und hilft auch bei den kleinen Dingen, die im Fußball oft so wichtig sind. „In meinen Augen hat nur das Glück gefehlt“, blickte Unions Sechser noch ein letztes Mal zum St.-Pauli-Spiel zurück: „In der ersten Halbzeit haben wir defensiv gut gestanden, in der zweiten Halbzeit gute Chancen gehabt.“
Beides lag nicht zuletzt an ihm selbst. Gegen St. Pauli gewann er über 71 Prozent seiner Zweikämpfe, spielte nahezu 80 Prozent seiner Pässe zum eigenen Mitspieler und hatte 76 Ballkontakte. Darüber hinaus leitete er mit seinem Kopfball nicht nur die Führung durch Simon Terodde ein, sondern beschwor durch seine Stärke in der Luft weitere gefährliche Situationen herauf. Aufmerksam und konsequent in der Verteidigung, ein Brandherd im Angriff – Damir Kreilach ist Unions Mann für den Druckausgleich.
„Wir wollen auch Ingolstadt früh attackieren“
Damit könnte der sympathische Kroate gegen Ingolstadt zu einer Schlüsselfigur werden. „Wir wollen auch Ingolstadt früh attackieren“, sagte Trainer Uwe Neuhaus, so wie seine Mannschaft es auch schon im Heimspiel zuvor gegen den FSV Frankfurt (2:0) praktiziert hatte. „Das ist unsere Spielweise, die tut uns gut“, so Neuhaus weiter. Kreilach spielt dabei eine nicht unwesentliche Rolle. Mit seinem Spielverständnis ist er in der Lage, schnell umzuschalten und einen Gegenangriff einzuleiten. Eine Eigenschaft, die im modernen Profifußball immer wichtiger wird.
„Wir müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren und gegen Ingolstadt alles geben. Am Sonnabend ist es sehr wichtig, einen Sieg zu holen“, sagte Kreilach. Wohl wissend, dass Union, das am Sonnabend auf Martin Dausch (Virus) verzichten muss, mit einem Erfolg „in der Nähe der Aufstiegsplätze“ bleibt.
Dass nur vier Tage Pause zwischen den Auftritten auf St. Pauli und gegen Ingolstadt liegen, stört Kreilach nicht. „Es ist gut, dass das nächste Spiel so schnell ansteht“, sagte der Mittelfeldspieler. Schließlich gilt es schnell etwas gutzumachen.





