Zweite Liga

1. FC Union verliert den Aufstieg aus den Augen

In der Nachspielzeit rettete Union-Kapitän Mattuschka dem Zweitligisten mit einem zweifelhaften Elfmeter wenigstens einen Punkt gegen Ingolstadt. Doch das scheint für den Aufstieg zu wenig.

Foto: Michael Schulz / imago

Torsten Mattuschka war der gefragteste Mann im Stadion An der Alten Försterei. Geduldig erfüllte der Kapitän des 1. FC Union, privat in einem grauen Jogginganzug gekleidet, jeden Fotowunsch der Fans. Nur am Sonnabend schien es, als habe der Anhang des Berliner Fußball-Zweitligisten seinen Publikumsliebling noch ein bisschen lieber als sonst.

Denn rund eine Stunde zuvor, als Mattuschka noch seine rot-weiße Dienstkleidung trug, war er zur Stelle, als er am dringendsten gebraucht wurde. Sein Elfmetertor in der Nachspielzeit rettete den Köpenickern wenigstens ein Remis gegen den FC Ingolstadt. Doch nach dem 1:1 (0:1) gegen die Oberbayern bleibt festzuhalten: Union verliert die Aufstiegsplätze nach nur einem Zähler aus den beiden vergangenen Partien zunehmend aus den Augen.

„Wir wollen und dürfen hochgehen, aber dafür müssen wir ein bisschen wacher werden“, sagte Mattuschka unmittelbar nach dem Abpfiff. Gemeint war die Anfangsphase, in der Union nach nur 31 Sekunden in Rückstand geriet. Nach einer Fehlerkette mit einem Fehlpass von Innenverteidiger Mario Eggimann zum Schluss nutzte Ingolstadts Pascal Groß den Platz zum 0:1.

Union lag schon in der ersten Minute zurück

Wie schon gegen St. Pauli (3:2) und Bielefeld (4:2) lag Union vor heimischer Kulisse – am Sonnabend waren 18.412 Zuschauer gekommen – mit dem ersten Gegenangriff in der ersten Minute zurück. Damit haben die Köpenicker die schnellsten drei Gegentreffer der Zweitliga-Saison kassiert – ein zweifelhafter Rekord. Erst recht, wenn man Bundesliga-Ambitionen hegt.

Den Aufreger gab es jedoch kurz vor dem Ende einer umkämpften Begegnung. Der eingewechselte Sören Brandy war im Strafraum der Gäste nach einem Zweikampf mit Danilo Soares zu Boden gegangen. Schiedsrichter Martin Petersen (Stuttgart) entschied auf Elfmeter, den Mattuschka verwandelte – sein fünfter Treffer beim fünften Strafstoß in dieser Saison, sein zehntes Tor insgesamt.

Danach begannen die Diskussionen. „Er hat doch nur versucht, die Flanke zu blocken“, nahm Ingolstadts Verteidiger Ralph Gunesch seinen Mitspieler in Schutz. Brandy selbst beschrieb die Situation wie folgt: „Ich sehe, dass Soares runter geht, halte den Fuß rein, er trifft mich, Elfmeter.“ Keine zwei Meinungen gab es bei den Trainern. „Wir kamen in den letzten zehn Minuten nicht mehr aus dem eigenen Strafraum heraus, das war Union Berlin in Reinkultur mit der Kulisse im Rücken. Das sollen sie auch gerne haben, so lange sich nur der Schiedsrichter davon nicht beeindrucken lässt“, war der Strafstoß für FC-Trainer Ralph Hasenhüttl eine Fehlentscheidung: „In einer solchen Situation muss ich mir absolut sicher sein, dass es Elfmeter ist. Aber der Linienrichter musste gegen die Sonne entscheiden. Und der Schiedsrichter hat sogar gezögert, bis er gepfiffen hat.“ Selbst Uwe Neuhaus zeigte Verständnis für seinen Kollegen. „Ich würde mich auch ärgern, wenn wir den Elfmeter gegen uns bekommen hätten“, sagte der Union-Coach: „Für uns würde ich den Elfmeter wieder reklamieren.“

Zwei Werte charakterisieren das Spiel treffend

Es war eine Mischung aus Cleverness und Schiedsrichter-Geschenk, die den Schlusspunkt unter einen Union-Auftritt setzte, in dem die Hausherren mit neuer rechter Seite (Björn Kopplin und Christopher Quiring ersetzten Marc Pfertzel und Sören Brandy) viel Aufwand betrieben, jedoch auch ideenlos wirkten. „Das frühe Tor spielt einer Mannschaft, die ohnehin nur hinten drin stehen will, natürlich in die Karten“, sagte Mattuschka.

Zwei Werte charakterisieren das Spiel treffend. Union hatte 63 Prozent Ballbesitz, ein Beleg für die optische Überlegenheit. Im Zweikampfverhalten hatte jedoch Ingolstadt mit 56 Prozent die Oberhand. So setzte Union vor der Pause vor allem auf Fernschüsse (Kreilach/19., Özbek/24., Terodde/41.) – Möglichkeiten, aber keine zwingenden Torchancen. Zudem konnten sich die Gastgeber bei Torwart Daniel Haas bedanken, der eine Chance von Caiuby im letzten Moment zunichte machte (42.).

Nach dem Wechsel erhöhte Union den Druck und kam zu weiteren Möglichkeiten, weil sich Ingolstadt zu viel auf seine gute Ordnung und zu wenig auf gute Konter verließ. Den besten vertändelte Collin Quaner. Zu guter Letzt hätte Union sogar noch gewinnen können, doch Brandy brachte den Ball im Getümmel nicht im Tor der Ingolstädter unter. „Aber ob es verdient gewesen wäre...“ sagte Sören Brandy. Wäre es nicht.