Zweite Liga

1. FC Union hat ein Torwart-Problem der besonderen Art

Bei Union hat kein anderer Spieler seinen Platz so sicher wie Torwart Daniel Haas. Der Berliner Zweitligist ist dennoch zum Handeln gezwungen, weil die Verträge beider Profi-Torhüter am Saisonende auslaufen.

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Wirklich Aufschluss über den tatsächlichen Leistungsstand der Mannschaft hat das letzte Testspiel des 1. FC Union im Rahmen der Wintervorbereitung gegen Arminia Bielefeld (1:0) nicht gegeben. „Die Einhundertprozent-Schwelle wurde nicht erreicht. Wir hatten zwei bis drei gute Ansätze, aber die Leistung von heute wird gegen Dresden nicht reichen, dessen sind wir uns bewusst“, bilanzierte Trainer Uwe Neuhaus. Komplett unzufrieden war er jedoch nicht, „weil wir defensiv wenig zugelassen haben. Im Spiel nach vorne müssen wir uns aber deutlich steigern.“

Keinen Aufschluss gab es auch darüber, wer zum Punktspielstart gegen Dynamo Dresden am Sonnabend (13 Uhr, Alte Försterei) bei Anpfiff auf dem Platz stehen wird – so sieht es zumindest der Coach. „Ich habe der Mannschaft gesagt, den Begriff Stammelf gibt es bei mir nicht. Auf vielen Positionen sind die Unterschiede nur im My-Bereich. Wir haben eine Leistungsdichte, die vieles möglich macht“, erklärte der Trainer.

Und doch gibt es einen Spieler, der seine Position so sicher hat wie kein anderer. „Ich mache mir schon gute Hoffnungen, dass ich wieder spielen werde“, sagt Daniel Haas also. Und muss selbst ein wenig lachen. Haas ist Unions Nummer 1, unumstritten, und ohne Konkurrenz. Und damit fangen die Probleme für Union auch schon an.

Glinker bleibt auch als Nummer 2

Unions Ersatzkeeper Jan Glinker, dessen Vertrag ebenso wie der von Haas am Saisonende ausläuft, hat während des Trainingslagers in Spanien zu verstehen gegeben, dass er nichts dagegen hätte, bei Union bleiben zu dürfen, selbst wenn es nur als Nummer 2 wäre. „Sicher würde ich gerne wieder spielen. Doch Daniel macht seine Sache gut. Von daher muss man erst mal abwarten“, sagte Glinker.

Wirkliche Hoffnungen, Haas zu verdrängen und dauerhaft seinen bislang 86 Zweitliga-Einsätzen noch welche hinzuzufügen, hat Glinker nicht. Zumal der langjährige Stammtorhüter wegen Rückenproblemen zwischendurch ohnehin keine Pluspunkte sammeln konnte.

Und die Nachwuchskräfte Marcel Klonz sowie Steve Kroll, die in Chiclana „ihre Sache gut gemacht“ haben (Haas), sind längst noch nicht so weit, dass sie Haas ernsthaft gefährden könnten. „Wir sind gut in der Breite aufgestellt. Das tut uns allen gut, auch zu wissen, dass einer hinten dran steht, wenn mal etwas passieren sollte“, sagte Haas. Leistungstechnisch brauche sich keiner zu verstecken. Eine wirklich Konkurrenzsituation sieht jedoch anders aus.

Haas hofft auf eine Vertragsverlängerung

Und so werden sich die Verantwortlichen bei den Köpenickern in den kommenden Wochen genau überlegen müssen, ob es mit Blick auf einen möglichen Aufstieg in die Bundesliga nicht doch eher Sinn macht, im Sommer einen neuen Torwart zu verpflichten. Einen, der die Qualität mitbringt, um Haas im Kampf um den Stammplatz zwischen den Pfosten zu noch besseren Leistungen zu bewegen. Oder ihn, falls nötig, auch abzulösen.

So weit will es Haas freilich nicht kommen lassen. „Ich fühle mich in der Mannschaft und im Verein sehr wohl. Es gibt nichts, was mich im Moment davon abbringen könnte, hier zu bleiben“, sagte Haas. Das sieht man auch seinen Leistungen an. Der 30-Jährige ist zu jenem Rückhalt geworden, den sich Trainer Neuhaus bei dessen Verpflichtung im Sommer 2012 gewünscht hat.

Die Union-Fans wählten ihn gar zum Unioner des Jahres 2013. Das ist keine Selbstverständlichkeit für jemanden, der als Ersatztorwart aus Hoffenheim nach Köpenick gekommen ist und dann auch gleich noch Publikumsliebling Glinker verdrängte – per Dekret des Coaches, nicht weil er in der Vorbereitung seinen Konkurrenten hinter sich ließ.

Leistungssteigerung dank Torwarttrainer Bahra

Es passt derzeit für Haas bei Union. Das liegt nicht zuletzt an Torwarttrainer Holger Bahra. „Holger ist der Wahnsinn. Allein menschlich langweilt man sich nie mit ihm“, erzählte der Keeper. Wohl wissend, dass er dem früheren Union-Schlussmann ein wenig seine Leistungssteigerung zu verdanken hat.

Haas spricht von Bewegungsabläufen, die optimiert wurden: „Wir machen auch viele Aktionen, wo es um Beinarbeit geht, um Sprungverhalten und wie ich die Hände einsetze. Da arbeiten wir schon sehr gut“, berichtet der Torwart.

Kleine Bausteine, die ihn seit seinem Reservistendasein in Hoffenheim wieder so nah wie nie an die Bundesliga herangebracht haben. Mit der Gewissheit, seinen Platz in der Startelf derart sicher zu haben wie momentan, könnte es jedoch bald vorbei sein.