Zweite Liga

Stockholm-Randale – Union muss um Glaubwürdigkeit kämpfen

Das Image des 1. FC Union wurde in Stockholm durch zahlreiche Chaoten stark beschädigt. Eine schnelle Aufarbeitung ist nötig, damit der Schaden auch mit Blick auf den Aufstiegskampf nicht größer wird.

Foto: Erik Martensson / pa/dpa

Die Rückkehr nach Berlin verlief reibungslos. Gegen Sonntagmittag landeten die Fußball-Profis des 1. FC Union in Tegel, von dort ging es direkt nach Köpenick zum Auslaufen. Doch der Schock über die Vorkommnisse im Testspiel beim schwedischen Erstligisten Djurgardens IF Stockholm stand den Spielern immer noch ins Gesicht geschrieben.

„Was dort passiert ist, ist eine Katastrophe. Das hat mit Fußball nichts zu tun, und ich hoffe, dass es den beiden Vereinen gelingt, die Täter zu ermitteln“, sagte Kapitän Torsten Mattuschka stellvertretend für das gesamte Team: „Es tut mir sehr leid für die vielen friedlichen Fans, die sich so auf das Spiel gefreut haben und viel Geld ausgegeben haben, um uns nach Stockholm zu begleiten. Über die sportliche Seite des Spiels nach diesen Ereignissen noch zu sprechen, ist leider sinnlos.“

Die Partie war am Sonnabendnachmittag beim Stand von 1:1 in der 73. Minute wegen wiederholter Fanausschreitungen abgebrochen worden. Laut schwedischen Medienberichten wurden drei Polizisten und ein Fan aus Berlin verletzt.

Das Bild des fanfreundlichen Klubs ist beschädigt

Keine Frage, der Platzsturm jener gut 100 Chaoten unter den 1000 mitgereisten Union-Fans, das massive Abbrennen von Bengalos und die Schlägereien mit der schwedischen Polizei nach dem Spiel haben tiefe Spuren hinterlassen beim Berliner Zweitligisten. Union sieht sich so stark wie nie zuvor seit dem Wiederaufstieg 2009 mit einem Umstand konfrontiert, den Profifußball nun einmal mit sich bringt: erhöhte öffentliche Wahrnehmung.

Das ist gut, so lange das Image des fanfreundlichen Vereins, dessen Anhänger ein Stadion bauen und finanzieren sowie die Mannschaft stets friedlich unterstützen, gestärkt werden kann. Szenen wie in Stockholm lassen beim weniger Fußballinteressierten jedoch das Bild des für ihn typischen Ostklubs mit seinen marodierenden Fanhorden entstehen, mit dem Klubs wie Hansa Rostock oder Dynamo Dresden seit Jahren zu kämpfen haben – erst recht im medialen Zeitalter mit seinen unzähligen sozialen Internetplattformen und Videoportalen.

Union im Januar 2014 – das ist ein Klub, der wegen einiger weniger Krimineller um seine Glaubwürdigkeit kämpfen muss. Nicht zuletzt im Hinblick auf den erhofften Sprung in die Bundesliga. „Union und Djurgardens IF werden die Ereignisse gemeinsam aufarbeiten und alles daran setzen, die Straftäter zu ermitteln“, ließ der Klub per Pressemitteilung wissen – Stadionverbote, von denen bei Union derzeit 62 in Kraft sind, nicht ausgeschlossen.

Auf Hilfe aus Schweden angewiesen

Beide Seiten sind dabei auch auf die Mithilfe der schwedischen Polizei angewiesen, die das vorhandene Videomaterial erst auswerten muss. „Wir brauchen konkrete Straftäter, um eigene Maßnahmen einzuleiten. Ermittlungen kann aber nur die Polizei führen“, sagte Unions Klubsprecher Christian Arbeit.

Union selbst will unter der Woche mit seinem Fanbeauftragten Lars Schnell sowie dem Sicherheitsbeauftragten Sven Schlensog die Vorkommnisse aufarbeiten. An der Tatsache, dass es Chaoten aus dem Union-Block gewesen sind, die sich von einem BFC-Dynamo-Plakat haben provozieren lassen und den Irrsinn in Gang gesetzt haben, wird sich jedoch nichts ändern. Selbst wenn die Plakataktion durch ebenfalls nach Stockholm gereiste Dynamo-Hooligans initiiert worden sein sollte.

Und es braucht sich auch niemand im Lager der Rot-Weißen zu beschweren, sollten Hardliner aus Politik und Fußball erneut stärkere Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen fordern.

Fans verurteilen die Vorkommnisse von Stockholm

Sicherlich auch aus Sorge um dieses Szenario zeigten sich nach dem Irrsinn von Stockholm erste Anzeichen eines Selbstreinigungsprozesses, den Fans im Allgemeinen auf der Suche nach Problemlösungen immer wieder für sich deklarieren. In Fanforen werden die Vorkommnisse jedenfalls heiß diskutiert. Tenor: Solche Chaoten müssen ermittelt werden, um sie aus der Szene der friedfertigen Fans zu entfernen.

Diese neue Stufe der Auseinandersetzung innerhalb der Fangruppen ist jedoch auch notwendig, wie unsinnige Becherwürfe im Stadion an der Alten Försterei, beschmierte Bauwerke im Rahmen des Trainingslagers im spanischen Chiclana de la Frontera und Bengalos bei Testspielen zudem beweisen. Die Fanszene ist aufgefordert, ebenso akribisch an der Aufarbeitung der Vorfälle mitzuwirken wie Union.

Damit die Glaubwürdigkeit des Klubs und seiner Anhänger nicht noch weiteren Schaden nimmt.