Zweite Liga

Jetzt muss Union auch in der kalten Realität bestehen

Im Trainingslager im warmen Spanien hat der Köpenicker Zweitligist die Grundlagen für einen erfolgreichen Aufstiegskampf gelegt. Nächster Test ist am Sonnabend gegen die Schweden von Djurgarden IF.

Foto: Ole Spata / dpa

Am letzten Tag ging es noch einmal an den Strand von Chiclana de la Frontera. Gut 45 Minuten ließ Trainer Uwe Neuhaus seine Spieler zum Abschluss des einwöchigen Trainingslagers an der spanischen Atlantikküste laufen. Dann war es geschafft. „Ich glaube, dass wir eine richtig gute Woche hatten. Von der Einstellung und den Bedingungen hat alles gepasst, auch die Trainingsleistungen und die Testspiele waren gut“, zog der Coach des Berliner Fußball-Zweitligisten am Dienstag eine positive Bilanz.

Tatsächlich waren die Profis von schlechter Stimmung oder gar Lagerkoller weit entfernt. Union präsentierte sich als geschlossene Einheit, „auch die jungen Spieler wurden wieder aus ihrem Loch geholt, in dem sie sich zwischendurch kurz befanden“, sagte Neuhaus. Selbst Dirk Zingler, der Klubchef, hatte es sich nicht nehmen lassen, sein sportliches Personal in den vergangenen sieben Tagen in Augenschein zu nehmen. Seine Erkenntnis: „Das Trainingslager hat gezeigt, dass die Verbindung zwischen Verein, Sport, Fans und Sponsoren stimmt. Wir konnten viele Gespräche führen. So lange, bis sie zu Ende waren und nicht nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt, weil schon wieder ein anderer Termin wartet.“ Beste Voraussetzungen also, um die letzten 15 Spiele dieser Saison angehen zu können und den erhofften Traum von der Bundesliga im Sommer Realität werden zu lassen. „Aber“, so Zingler, „nur mit Reden ist sportlich noch niemand weitergekommen.“

Ergebnisse gegen Bukarest und Freiburg machen Mut

Keine Frage, wichtigster Faktor im Aufstiegskampf ist die Mannschaft. Insofern macht der Erfolg gegen den Bundesligisten SC Freiburg (5:0) und das 1:1 gegen Steaua Bukarest Lust auf mehr. Es war jedem anzumerken, dass er in der Winterpause seinen individuellen Trainingsplan nicht nur abgearbeitet, sondern teilweise übererfüllt hat. „Man versucht ja immer, ein wenig mehr zu machen“, ließ Christopher Quiring wissen. Er unterstrich, wie ernst es ihm ist, seinen bis 2015 laufenden Vertrag erfüllen zu wollen.

Ob Etablierte wie Kapitän Torsten Mattuschka und Benjamin Köhler, Wackelkandidaten des Vorjahres wie Adam Nemec und Martin Dausch oder Nachwuchsspieler wie Leonard Koch und Oliver Oschkenat – jeder versuchte, die angenehmen 15 Grad in Andalusien so intensiv wie möglich zu nutzen, um den Trainer vor die berühmte Qual der Wahl zu stellen, wenn es um die Stammplätze geht. So zählte Union-Doc Tankred Haase zu jenen im Tross, die am wenigstens zu tun hatten. Lediglich Ersatzkeeper Jan Glinker, Roberto Puncec und Dausch klagten über Rückenprobleme. Ansonsten blieben alle Spieler fit.

Der Ägypter Gomaa könnte noch als Zugang kommen

Zudem ist mit Abdallah Gomaa ein Zugang noch in der bis 31. Januar andauernden Transferperiode durchaus möglich. Der 18-jährige Ägypter „hat die Erwartungen im Tempodribbling erfüllt. Aber dass er nicht wie ein Kamikaze in jeden Zweikampf gehen kann, muss er noch lernen. Da fehlt ihm noch ein bisschen die Ruhe“, sagte Neuhaus über Gomaa. Ob Union den Offensivmann verpflichten wird, steht noch nicht fest, Interesse ist aber vorhanden. „Es gehören immer zwei Seiten dazu. Da muss man schauen, ob und wann man sich einig wird“, erklärte Neuhaus. „Das Zeitfenster ist ja nicht besonders groß. Sportlich bringt er schon eine Qualität mit, wenn man bedenkt, dass er erst vor ein paar Tagen 18 Jahre alt geworden ist. Ich glaube schon, dass er Perspektive haben kann.“

Unions Perspektiven in den nächsten Tagen sind nicht wirklich erwärmend. Zweistellige Minusgrade in Berlin beim Training, dergleichen in Stockholm am Sonnabend im nächsten Test gegen den schwedischen Erstliga-Siebten Djurgarden IF. Strapazen, die der Zweitliga-Fünfte aus Köpenick gern auf sich nimmt, um die beste Rückrunde der Klubgeschichte spielen zu können. Die Grundlagen dafür wurden im Trainingslager in Spanien jedenfalls gelegt.