Ein Klick. Eine ganze Reihe von Klicks. Die Fotokamera saugt jeden Moment auf. „Nervöser Finger, wie?“, sagt Björn Jopek zum Fotografen, als er am großen Objektiv vorbeiläuft. Im Dauerlauf und gut gelaunt.
Es ist normalerweise nichts Besonderes, wenn ein Fußballprofi im Training seine Runden dreht. Beim Mittelfeldspieler des 1. FC Union verhält es sich anders. Jede schmerzfreie Übungseinheit ist eine Nachricht. Denn jeder Schritt, den der 20-jährige Blondschopf im Trainingslager des Zweitligisten in Chiclana de la Frontera macht, bringt ihn näher an das Comeback, auf das er seit dem Mai vergangenen Jahres hinarbeitet. Ein Kreuzbandriss im letzten Saisonspiel 2012/13 in Bochum (2:1) hatte dem kometenhaften Aufstieg Jopeks bei Union ein schmerzhaftes Ende gesetzt.
„Jopi ist ein guter Junge und ein toller Fußballer. Ich hoffe, dass er bald wieder auf dem Platz stehen kann.“ Wie Torsten Mattuschka, dem Kapitän, geht es vielen in der Mannschaft und auch bei den Fans. Unions Nummer 25 soll wieder wirbeln, so wie er es in seinen bislang 25 Einsätzen (drei Tore) bereits getan hat. Zu einem Zeitpunkt, da die Bundesliga-Hoffnungen in Köpenick allenfalls ein leichter Hauch gewesen sind, den er mit seinen Dribblings, seiner Technik und seiner Spielintelligenz zu einem spürbaren Wind hatte werden lassen.
Radfahren und Dehnübungen statt Spielen mit den Kollegen
Und so läuft er an der andalusischen Küste, erst den Wind im Rücken, dann gegen sich. Wie geht’s dem Knie? „Wird schon“, sagt Jopek. Er hat genug von den Fragen nach seinem Gesundheitszustand. Er will raus auf den Platz. Jopek wirkt gefestigt, ja selbstbewusst. Seine Sehnsucht nach Fußball kann er jedoch nicht verbergen. Während seine Teamkollegen im Trainingsspiel zur Sache gehen, um ihren Platz in der Startelf kämpfen, liegt Jopek am Rand, dehnt und lockert seine Muskulatur. Während die Mannschaft noch ausläuft, steigt er bereits auf sein Fahrrad, um zum Hotel zurückzufahren.
Auch am Montag im Testspiel in Marbella gegen Rumäniens Rekordmeister Steaua Bukarest blieb ihm natürlich nur die Rolle des Zuschauers. Es ist ein schwerer Kampf, den Jopek zu gewinnen hat, will er wieder dort anknüpfen, wo er im Mai aufhören musste.
Neuhaus lässt dem Talent genug Zeit zur Genesung
„Man darf von ihm aber auch keine Wunderdinge erwarten“, mahnt Mattuschka. Keine Frage, nach einer der schwersten Verletzungen, die ein Sportler haben kann, ist Zeit der alles entscheidende Faktor. Zeit, die man im schnelllebigen Geschäft Profifußball kaum noch bekommt. Jopek bekommt sie. Schon zum Trainingsauftakt hatte Trainer Uwe Neuhaus klargestellt: „Ich setze keinen Zeitraum, bis er wieder fit sein muss. Er bekommt die Zeit, die er braucht.“
Und von der Mannschaft bekommt Jopek die „Hilfe und Aufmunterung“ (Mattuschka), die nötig ist, damit er sich die Zeit nehmen kann. Bei Passspielübungen wie dem Sechs gegen Sechs auf engstem Raum sind Jopeks Schritte vorsichtig, spontane Drehungen versucht er noch zu vermeiden. Einen Tag später, als der Trainer Spielformen üben lässt, vermeiden die Mitspieler jeden Zweikampf mit dem Youngster. Wer will schon verantwortlich dafür sein, aufgrund eines unglücklichen Moments für einen Rückschlag auf Jopeks Weg zu sorgen. Später, als Stabilitätsübungen angesagt sind und Jopek mit einem Ball in den Händen nur auf seinem linken Bein steht, ist die Anspannung fast schon greifbar. Doch das operierte Knie hält der Belastung stand.
Sein Können blitzt dennoch immer wieder auf. Beim Dribbling durch den Slalomparcours klebt der Ball an seinem Fuß, und beim Versuch, eine Ecke direkt zu verwandeln, scheitert Björn Jopek nur knapp. Es sind diese Momente, die ihn mehr und mehr an ein Comeback noch in dieser Rückrunde glauben lassen.





