Das Licht ist gedimmt, die Couch mit ihren Kissen vollendet den Lounge-Charakter der Lobby im Hotel Vincci Golf Costa. Ein Ort, der zum Entspannen einlädt, erst recht nach einer anstrengenden Übungseinheit. Doch genau danach ist Christopher Quiring im Trainingslager des 1. FC Union in der südspanischen Stadt Chiclana de la Frontera ganz und gar nicht zumute.
Der Mittelfeldspieler will raus auf den Platz, Trainer Uwe Neuhaus zeigen, dass er für den Rest der Zweitliga-Saison mehr ist als nur eine Alternative. Und seinen Kritikern beweisen, dass seine Entscheidung in der Winterpause richtig gewesen ist, bei Union zu bleiben anstatt zu Arminia Bielefeld zu wechseln. Der Ligakonkurrent hatte heftig um Quiring geworben.
Starke Bindung an die Heimat
Ein wenig trotzig sitzt er da schon vor einem, mit den Händen in den Hosentaschen, als er ein wenig über seine Beweggründe spricht. „Sicher spielt Berlin eine Rolle, ich bin hier aufgewachsen, meine Familie ist hier“, sagt er. Und auch seine Freunde leben in Berlin. Seine Nähe zu den Union-Ultras vom „Wuhlesyndikat“ ist hinreichend bekannt. „Das gehört zu mir, ich schäme mich auch nicht, mit den Leuten unterwegs zu sein“, erzählt Quiring. Er braucht dieses gewohnte Umfeld, um sich wohlzufühlen.
Ewige Treue also für Union? „Das geht vielleicht einen Schritt zu weit“, sagt der 23-Jährige. Und fügt hinzu: „Doch dann wechsle ich für ein halbes Jahr irgendwo hin, komme dann zurück und stehe vor derselben Situation.“ Soll heißen: Quiring muss sich gegen namhaftere Konkurrenz durchsetzen. Wie er es 2010/11 gegen Björn Brunnemann oder ein Jahr später gegen Patrick Zoundi geschafft hat. Nun sitzt ihm Sören Brandy vor der Nase.
Wichtiges Gespräch mit Nico Schäfer
Zwei Dinge gaben im Endeffekt den Ausschlag dafür, dass er seinen bis 2015 laufenden Vertrag bei Union erfüllen will. Erstens: Ein Gespräch mit Nico Schäfer, Unions kaufmännisch-organisatorischem Leiter. „Da habe ich ihm gesagt, dass mir in erster Instanz ein Zeichen des Vereins gefehlt hat, dass er mich weiter haben will“, erzählt Quiring: „Das hat er mir dann deutlich gemacht.“ Zweitens: sein gutes Standing in der Mannschaft. „Das muss man sich langsam aufbauen. Sicher lebt das Geschäft von Wechseln. Aber es stört niemanden bei Union, dass ich da bin.“
Und als ob er eine Kampfansage machen will, beugt sich Quiring nach vorn, die Hände längst aus den Hosentaschen, als er erklärt: „Egal, ob ich jetzt eine gute Rückrunde oder gar nicht spiele, danach beginnt ein neues Jahr. Und da ist es egal, ob du vorher zehn Tore geschossen hast oder nicht.“ Am liebsten will er seinen Bankplatz natürlich sofort für den Sprung in die Startelf eintauschen. Schon am Donnerstag, im Test gegen den Bundesligisten SC Freiburg, kann Quiring die ersten Punkte dafür sammeln.





