Bloß keine Zeit verlieren. So eine Woche Trainingslager in Spanien ist schneller vorbei, als es der sportlichen Leitung des 1. FC Union lieb ist. Also fackelte Trainer Uwe Neuhaus auch nicht lange und bat seine Profis nach drei Flugstunden nach Jerez de la Frontera sowie dem gut einstündigen Bustransfer ins Hotel Vincci Costa Golf in Chiclana gleich zur ersten Trainingseinheit. Sieben Tage weilt der Fußball-Zweitligist in Andalusien, wo auch zwei Testspiele gegen Bundesligist SC Freiburg (Donnerstag) und Steaua Bukarest (Montag) warten. Partien, die für einige Union-Profis besonders interessant werden. Denn die Verträge von gleich acht Spielern laufen am Saisonende aus, und da gilt es, sich früh einen Stammplatz zu sichern, um als unabkömmlich zu gelten.
Diesen Status sicher dürfte Daniel Haas haben. Der Torwart hat seit seinem Wechsel im Sommer 2012 gehalten, was man sich von ihm an der Alten Försterei versprochen hatte. Der 30-Jährige ist die unumstrittene Nummer eins. Weil er sich mit guten Leistungen auch gegen die anfänglichen Ressentiments eines Teils der Fans durchgesetzt hat, nachdem er per Dekret von Trainer Uwe Neuhaus den langjährigen Stammkeeper Jan Glinker aus dem Tor verdrängt hatte. Im Vorjahr haben ihn die Anhänger sogar zum „Unioner des Jahres“ gekürt.
Köhler und Kohlmann gesetzt
Auch Glinkers Vertrag endet im Sommer. Ein Bleiben des Ur-Unioners (seit 2001 im Verein) dürfte nicht zuletzt vom Ausgang der Saison abhängen. Gelingt der Aufstieg in die Bundesliga, wird sich Union wohl nach einem neuen Torwart umsehen, der Haas mehr Druck macht. Und der Status als Nummer drei dürfte nicht im Interesse Glinkers sein.
Die Tendenzen bei Patrick Kohlmann, 30, und Benjamin Köhler, 33, gehen in Richtung Verbleib. Kohlmann hat trotz mäßigem Saisonbeginn seinen Platz links in der Abwehrreihe behauptet. Im letzten Spiel 2013 gegen Bielefeld (4:2) gelang ihm sogar sein erster Treffer in dieser Spielzeit. Auch Köhler hat die Erwartungen, die die sportliche Leitung in ihn gesetzt hat, ohne Zweifel erfüllt. Nicht zuletzt dank seiner Routine, erworben in 169 Bundesligaspielen für Hertha BSC und Eintracht Frankfurt, überwintert Union auf dem fünften Platz. Der Mittelfeldspieler bringt jene Ballsicherheit und Abgezocktheit mit, die der Mannschaft so lange gefehlt haben. Beide Profis haben eine leistungsbezogene Option im Vertrag (24 Einsätze zu mindestens 45 Minuten), die sowohl Kohlmann (bislang deren elf) als auch Köhler (16) erreichen dürften, wenn nicht noch etwas Ungewöhnliches passiert.
Pfertzel in allen Liga-Spielen dabei
Auf der rechten Seite der Abwehrkette ist derzeit Marc Pfertzel nicht wegzudenken. Der Franzose beeindruckt durch ein enormes Laufpensum, welches das Flügelspiel der Unioner noch schneller macht. Der 32-Jährige stand in allen 19 Ligaspielen in der Startelf und hat die Nase klar vor Konkurrent Björn Kopplin. Gut möglich, dass sich Union zur neuen Spielzeit nach einem weiteren Rechtsverteidiger umsieht, um den Druck auf Pfertzel zu erhöhen. Einem neuen Kontrakt für den sympathischen Profi steht aber nichts im Wege.
Ganz so rosig sind die Aussichten für Christian Stuff nicht. Der Berliner ist seit 2006 bei den Köpenickern und zählt damit zu den dienstältesten Unionern, in der Rangfolge der Innenverteidiger ist Stuff allerdings nur die Nummer vier hinter Mario Eggimann, Fabian Schönheim und Roberto Puncec. Eine Qualität Stuffs ist die Zuverlässigkeit, die er auf den Rasen bringt, wenn er gebraucht wird. Ob die jedoch ausreicht, um sich wieder in die Startelf spielen zu können, bleibt abzuwarten. Nach auskurierter Verletzung des Sprunggelenks will der 31-Jährige nun in Spanien noch einmal angreifen.
Silvio und Trapp vor dem Absprung
Klar ist die Situation für Silvio und Maurice Trapp. Der Brasilianer wurde bereits in die U23 verbannt und soll sich einen neuen Verein suchen. Und auch Trapp spielt in den Planungen von Neuhaus offensichtlich keine Rolle. Der 22-jährige Verteidiger war in der Rückrunde der Saison 2012/13 an den Drittligisten Hansa Rostock ausgeliehen, um Spielpraxis sammeln zu können. Zu Beginn dieser Spielzeit fand er sich jedoch nur noch in der zweiten Mannschaft wieder, weil er sich gegen die hochkarätige Konkurrenz nicht durchsetzen konnte.
Gut möglich, dass einem weiteren jungen Union-Profi ein ähnliches Schicksal ereilt. Dem jungen Angreifer Steven Skrzybski, 21, wurde jedenfalls nahe gelegt, sich zur Rückrunde an einen anderen Verein ausleihen zu lassen. „Ich glaube, dass er den Weg nicht konsequent fortsetzen wird, den er hier eingeschlagen hat“, erklärte Uwe Neuhaus.
Skrzybski soll ausgeliehen werden
Der Stürmer durfte bereits vor zwei Jahren mit nach Spanien ins Trainingslager reisen und machte dort viel Eindruck auf den Trainer. Die Erwartungen, wie andere Union-Talente in der Zweiten Liga auf sich aufmerksam zu machen, konnte er aber nie vollständig erfüllen. Von Unions etablierten Angreifern Adam Nemec (5 Tore)und Simon Terodde (4) ist er weit entfernt. Sein einziger Treffer als Profi gelang ihm in der vergangenen Saison. „Er war eine Zeit lang Nummer drei unter den Stürmern. Aber die letzte Verletzung hat ihn zurückgeworfen, danach hat er nicht wieder auf den Weg zurückgefunden. Vielleicht wäre ein halbes Jahr woanders gar nicht so schlecht für ihn“, sagte Neuhaus. Skrzybski hatte sich im August 2013 einen Bänderriss in der Fußwurzel zugezogen.





