Sagen wollte er nichts. Weder nach dem Sieg in Bochum am Sonnabendnachmittag, noch am Sonntagvormittag nach dem Auslaufen. Dabei hätte Christopher Quiring schon etwas zu erzählen. Zum Beispiel, wie er sich als Matchwinner fühlt, der seinen 1. FC Union mit einem 4:0 wieder in die Erfolgsspur zurückgeführt hat. Oder wie er die vergangenen Wochen, in denen er höchstens mal als Einwechselspieler berücksichtigt wurde, empfunden hat.
Nein, Quiring wollte nichts sagen. Seine Teamkollegen dafür umso mehr, Benjamin Köhler zum Beispiel. „Beide Tore hat er gut gemacht. Ich hatte ihm vor zwei Wochen (beim Mannschaftsabend, d. Red.) gesagt, dass er weiter gut arbeiten muss“, erklärte der Mittelfeldspieler also: „Der Junge ist dran geblieben. Aber dass er reinkommt und uns gleich auf die Erfolgsspur bringt, hat auch keiner gedacht. Das freut mich für ihn, er macht keinen Ärger, gibt immer Vollgas.“
Auch Torsten Mattuschka lobte Quirings ersten Einsatz in dieser Saison von Beginn an. „Ich freue mich für ihn und auch für die Mannschaft. Er hat in den vergangenen Wochen richtig gut trainiert und uns definitiv auf die Siegerstraße gebracht. Dass er jetzt spielen würde, war klar, weil kein anderer da war“, sagte der Union-Kapitän.
Einsätze in Unions Regionalliga-Mannschaft
Es ist dieser kleine Halbsatz Mattuschkas, der Quirings Situation bei den Köpenickern treffend beschreibt. Erst als die Personalnot am größten war, griff Trainer Uwe Neuhaus auf den Flügelflitzer zurück. Längst vorbei sind die Zeiten, da sich Quiring an der Alten Försterei als aufstrebendes Talent feiern lassen konnte. Der inzwischen 23-Jährige Profi findet sich zumeist nur auf der Ersatzbank wieder. Oder gar auf der Tribüne, weil der Trainer ihn nicht berücksichtigte. Über Einsätze in der Regionalliga-Mannschaft versuchte Quiring, nicht völlig aus dem Tritt zu kommen.
Und selbst wenn Coach Neuhaus den flinken Flügelflitzer nach dem Bochum-Spiel lobte („Christopher hatte Zug zum Tor und war kaltschnäuzig“), wurde eines in den vergangenen Wochen deutlich: Für Quiring ist bei Union offensichtlich kein Platz mehr. So gibt es bereits diverse Spekulationen, dass er Union noch in der Winterpause verlassen könnte. Anfragen von anderen Zweitligisten soll es jedenfalls geben.
Es ist das bislang letzte Kapitel einer Entwicklung, die sich Unions Nummer 2 bei seinem Heimatverein ohne Zweifel anders vorgestellt hat. Bei Union reifte Quiring unter Neuhaus zum Profispieler und blühte in der Spielzeit 2011/12, in der er 23 Einsätze absolvierte und sechs Tore schoss, so richtig auf. Insgesamt hat es Quiring bislang auf 67 Zweitliga-Spiele und 13 Tore für Union gebracht.
Sein Vertrag läuft bis Sommer 2015
Lange galt er als das erste große Versprechen, dass der Klub seine Nachwuchsarbeit durch einen Transfer einmal versilbern kann. Nicht umsonst wurde sein Vertrag bereits im Sommer 2011 gleich bis Sommer 2015 verlängert. Auch weil er als langjähriger Unioner zu einer Identifikationsfigur in Köpenick wurde.
Legendär ist sein Auftritt nach dem verlorenen Derby gegen Hertha BSC, als er nach dem 1:2, zu dem er den Union-Treffer beigesteuert hatte, seiner Enttäuschung wie folgt Ausdruck verlieh: „Wenn die Wessis in unserem Stadion jubeln, krieg ich das Kotzen.“ Auch dass er mit den Union-Ultras vom „Wuhlesyndikat“ deren zehnjähriges Jubiläum feierte und dessen Logo auf der Wade tätowiert hat, belegt Quirings Nähe zu dem Köpenicker Klub.
Doch bei aller Fußball-Romantik bleibt festzuhalten: Will Quiring in seiner Profi-Karriere mehr erreichen, muss er spielen. Diese Perspektive ist bei Union spätestens seit der spielerisch ausgereifteren Sommer-Zugänge (Brandy, Dausch, Köhler) kaum noch vorhanden.
Mattuschka würde „es schade finden, wenn er geht“
„Wir wissen, dass der Junge Qualität hat. Ich glaube, das war auch für ihn eine Genugtuung zu zeigen, was er kann“, sagte Mattuschka. Ob Quiring nun bleiben oder doch eher gehen soll, „muss er selber wissen“, fügte Unions Kapitän hinzu: „Ich würde es schade finden, wenn er geht. Auf jeden Fall hat er Werbung für sich gemacht. Er ist 23 Jahre alt, da ist es doch logisch, dass er spielen will und sich nicht nur mit ein paar Minuten zufrieden gibt. Das wäre auch schlimm.“
Am liebsten wäre es Mattuschka, wenn Quiring am Sonnabend zum Jahresabschluss gegen Arminia Bielefeld (13 Uhr, Alte Försterei) „so weiter macht und wieder zwei Tore schießt“. Es könnten dann die letzten für Union sein.





