Zweite Liga

Union will nicht vom Aufstieg reden - trotz Relegationsplatz

Nach zehn Spieltagen hat sich Union in der Spitzengruppe der Zweiten Liga etabliert. Trotzdem vermeiden Trainer und Spieler das Wort Aufstieg - obwohl am Ende die Bundesliga als Belohnung winkt.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Sollte Uwe Neuhaus irgendwie zu überbordender Euphorie neigen, dann kann der Union-Trainer diese Gefühle sehr gut verbergen. Selbst nach dem 3:0 über den SV Sandhausen und damit dem fünften Sieg in den vergangenen sechs Spielen bleibt der 53-Jährige kühl.

Ein um das andere Mal flüchtet sich der Coach in Sarkasmus, nur um nicht den Platz seiner Mannschaft in der Tabellenspitze einordnen zu müssen. Es scheint, als sei das naheliegende Wort Aufstieg in Köpenick bei Strafe verboten. „Über den Zweipunkteschnitt können wir nach dem 34. Spieltag reden“, wiegelt Neuhaus auch die Frage nach der Ausbeute seines Teams ab.

Nach zehn Spielen haben die Eisernen 20 Punkte auf dem Konto, stehen auf Platz drei, dem Relegationsplatz. Für Begriffsstutzige schiebt der Coach beinahe genervt die Erklärung hinterher: „Weil dieser Punkteschnitt in der Regel für den Aufstieg reicht.“ Es ist das einzige Mal, dass ihm dieses Wort über die Lippen rutscht.

Neuhaus reduziert den Erwartungsdruck

Bei aller Bärbeißigkeit, die Neuhaus nach außen ausstrahlt, bleibt er bei seiner Linie: Vom Reden hat noch niemand seine Ziele erreicht. Doch nicht nur diese Maxime sorgt dafür, dass die Vokabel Aufstieg aus dem Wortschatz der Köpenicker verbannt zu sein scheint.

Der Trainer versucht, jegliche Erwartungshaltung von seinem Team fernzuhalten. Vielleicht eine Erfahrung aus der letzten Spielzeit, als Union mehrfach die Möglichkeit hatte, noch in die Aufstiegsränge zu rutschen und teilweise wie gelähmt von dieser Chance Punkte verschenkte.

Die Vermutung liegt nahe, wenn man hört, wie der Trainer über eine mögliche Verlängerung des auslaufenden Vertrags von Torsten Mattuschka spricht. „Warum soll ich jetzt etwas an dem Status verändern? Hinterher verändere ich noch seine Spielweise. Verträge haben schon manchem einen großen Rucksack aufgebürdet.“

Mattuschka arbeitet für neuen Vertrag

Der Kapitän ist aktuell mit vier Toren und fünf Vorlagen einer der Top-Scorer der Zweiten Liga. Der 33-Jährige erlebt im Herbst 2013 mal wieder einen der ungezählten dritten Frühlinge seiner Karriere. Das zeigt sich nicht nur an seinen direkten Torbeteiligungen, sondern auch an anderen Werten. In den 70 Minuten gegen Sandhausen lief er 9,1 Kilometer über das Feld und absolvierte 31 Sprints. Ein Pensum, das bei ihm häufig übersehen wird.

Aber auch der gern flapsige Kapitän hält sich strikt an die Sprachregelung bei Union, wenn er die Perspektive einschätzen soll: „In der Länderspielpause können wir die Kräfte noch einmal für die schweren Wochen bis zum Winter bündeln. Da werden wir noch einmal alles geben und hoffen, dass wir den Weg weitergehen, den wir in den letzten Wochen eingeschlagen haben.“

Über das Ziel am Ende des Weges verrät auch Mattuschka kein Wort. Auch wenn es für jeden deutlich zu sehen ist. Doch das ist den in ihrer Außendarstellung oft eigenwillig agierenden Köpenickern egal. Der 1. FC Union wird das Ziel Aufstieg wohl erst offiziell verkünden, wenn der Mannschaft der Gang in die Bundesliga rechnerisch nicht mehr zu nehmen ist.